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Dienstag, 1. April 2014

Grammy 2014 -Ben Harper und Charlie Musselwhite "Get Up!"






Grammy 2014 - Ben Harper und Charlie Musselwhite "Get Up!"

Kein Aprilscherz!

Um es eimal vorwegzunehmen, ich hasse diese ganzen Award-Verleihungen. Das sind diese Veranstaltungen, auf denen Möpse aus ihren Käfigen hopsen, Möchtegernstars ständig jammern: "ich danke meiner Mutter, meinem Vater....." usw. und dabei in Tränen ausbrechen. Ich kann mit diesen Veranstaltungen nichts anfangen. Warum schreibe ich das nun? Es hat sich etwas geändert. Seit 2012 gibt es den Grammy Award for Best Blues Album.
Ist das gut?  Eigentlich muss man da Angst bekommen. Das spricht für die Kommerzialisierung des Blues. So ein Schuss geht meistens nach hinten los. Es kann aber auch Aufmerksamkeit wecken und dem Blues dienen.
2014 erhielten nun Ben Harper und Charlie Musselwhite für ihr Album "Get Up!" diesen Preis. Völlig verdient, wie ich finde. Die beiden mussten sich gegen eine illustere Konkurenz durchsetzen.

    Billy Boy Arnold, Charlie Musselwhite, Mark Hummel, Sugar            Ray Norcia & James Harman - Remembering Little Walter

    James Cotton - Cotton Mouth Man

    Beth Hart & Joe Bonamassa - Seesaw

    Bobby Rush - Down in Louisiana

Sie hätten es wohl alle verdient, aber ves kann nur einen geben. Was noch bemerkenswert ist, ich kann mich mit allen diesen Alben identifizieren und ich bin auch der Meinung, dass Ben Harper und Charlie Musselwhite diesen Preis vollkommen zu Recht erhielten.

Herzlichen Glückwunsch

Eine ausführliche Rezension zu diesem Album findet man hier:

https://wasser-prawda.de/tag/Ben%20Harper

Ben Harper und Charlie Musselwhite hingegen ist eine Kombination, die schon vom Papier her sofort einleuchtet. Die Lieder von „Get Up!“ über das Scheitern im Alltag verlangen geradezu nach den schneidenden Harpsounds von Musselwhite. Man spürt sofort, dass die Musiker sich hervorragend ergänzen und hier keine Kollaboration in der PR-Abteilung beschlossen wurde. Erstmals hatten sie sich bei gemeinsamen Sessions mit John Lee Hooker getroffen und seither immer wieder überlegt, wie man gemeinsam Musik machen könnte. Und diese Musik geht von heftig rockenden „I Don‘t Believe A Word You Say“ über Gospel im 3/4-Takt bei „We Can‘t End This Way“ bis hin zu intimen Duetten etwa bei „You Found Another Lover (I Lost Another Friend)“.
Das Album kommt rauh und ungeschliffen daher, klingt fast nach einer live im Studio zufällig mitgeschnittenen Session. Und genau das macht den größten Reiz aus: Wenn Harper im Titelsong darüber klagt, dass das Recht ihn gebrochen habe und er darum das Recht nicht mehr wirklich ernst nehmen kann, dann ist das ein Lied, dem eine gelackte Produktion die Schärfe und Aktualität nehmen würde.
„Get Up!“ - eine Sammlung großartiger Songs, ein wundervolles Bluesalbum und ein Zusammentreffen zweier Musiker, ohne die der Blues heute wesentlich ärmer wäre.


Ben Harper & Charlie Musselwhite - Get Up! 

Get Up!   Ben Harper, Charlie Musselwhite | Format: Audio CD 

 

Die 56sten Grammy Awards sind verliehen, die Smoking-Anzüge wieder zum Kostümverleiht gebracht oder zum Lüften auf den Balkon gehängt. Die Grammies sind für die Musikbranche bekanntlich was die Academy Awards für die Filmbranche sind: unendlich langweilige und langfädige Ehrenveranstaltungen, die man aber dennoch besuchen muss, wenn man im Kuchen mitmischen will. Und dann gehen auch noch achtzig Prozent der Leute enttäuscht nach Hause, weil sie keinen Award erhalten haben. Trotzdem sind die Grammies eine wichtige Auszeichnung, deren Gewinn den Preis der Buchung für eine Künstlerin oder einen Künstler definiert. Es geht also um Ruhm und Ehre, um Hochsteckfrisuren (oder wie dieses Jahr um Roboterhelme) und um Aufmerksamkeit. Gerade diese wird dem Blues weniger und weniger zuteil. Gesonderte Kategorien für traditionellen und zeitgenössischen Blues wurden aufgehoben. All das ist schade, lässt sich aber nicht ändern. Freuen wir uns also, dass es überhaupt noch einen Award in der Kategorie Blues gibt. And the Winner is...
… wahrscheinlich sehr glücklich. An dieser Stelle haben wir schon über die Nominationen für den Grammy berichtet. Wir können uns also direkt den Siegerinnen und Siegern zuwenden.
Im Bereich «Best Blues Album» hat das Ding Ben Harper gewonnen, der gemeinsam mit Charlie Musselwhite für das Album Get Up ausgezeichnet wurde. Ein in der Tat wunderbares Album mit eher traditionellem Blues, vornehmlich akustisch gespielt.
Der Jungstar der Szene, Gary Clark Jr. Konnte auch ein Grammophon-Preischen mitnehmen für seinen Song Please Come Home, eine sehr Marvin Gaye-artige Performance auf seinem Album Blak and Blu. Der Preis erhielt er in der Kategorie «Best Traditional R&B Performance». Hier geht’s zur Liste sämtlicher Nominationen sowie der Gewinner.
Die Preise sind alle vollkommen verdient gewonnen, keine Frage. Trotzdem bleibt ein Kopfschütteln darüber, dass das Siegeralbum Get Up in derselben Kategorie nominiert war wie Beth Hart und Joe Bonamassas Kooperation Seesaw. Aber wer den Kopf schüttelt, sei erneut an den Anfang des Artikels verwiesen: Es geht nicht um Musik, es geht um Ehre, Aufmerksamkeit und damit in letzter Instanz um - jawoll - Geld.

http://www.bluesnews.ch/index.php/Frontpage/Leitartikel/Blues-Grammies-2014.html 

 

 Oftmals war die Grammyverleihung schon ein Hinweis auf Trends in der Musik. Man denke an die Unplugged-Welle der 90er Jahre. Der Grammy 2014 in der Kategorie Blues Album wurde vergeben für das Album Get Up!, eine Zusammenarbeit von Ben Harper mit Charlie Musselwhite. Hoffentlich erweist sich auch dieser Grammy als wegweisend, denn es wäre zu begrüssen, wenn das Konzept einer intensiveren Zusammenarbeit mehr zu beobachten wäre. Der Grammy für Get Up! geht nicht an eine Sammlung von Einzeltitel mit «featuring» Gastauftritten, sondern er zeichnet vielmehr eine tiefe Kooperation aus, eine Konversation zwischen zwei Seelen, wenn man so will. Get Up! Ist zu Recht der Gewinner in diesem Jahr, ein Album, das bedeutend ist und zeitlos, weil es sich auf die Kerntugenden guter Musik beschränkt.
Ben Harper ist wie Charlie Musselwhite ein Roots-Musiker, wenn man seine bisherigen Werke auch mehr in der Sparte R&B findet als beim Blues. Auf dem neuen Albuum, das vor genau einem Jahr veröffentlicht wurde, zeigt er nun tiefe Gefühle und seine bluesige Seite. Der jüngere Kalifornier lernte Bluesveteran Musselwhite aus Mississippi, bzw. Chicago bereits 1996 am Bryon Bay Blues Festival kennen, 1997 gab es für John Lee Hooker eine erste Zusammenarbeit. Mehrere Kooperationen folgten (auf Solomon Burkes Don't Give Up on Me von 2002 und auf Musselwhites eigener Publikation Sanctuary von 2004 sowie der «Gegenbesuch» auf Homeless Child von Harpers Both Sides of the Gun (2006)), und mit Get Up! Gibt es nun eine erste offizielle Veröffentlichung der beiden.
Die Kooperation von Harper mit seiner stark an Marvin Gaye erinnernde Stimme (nicht umsonst macht er eine exzellente Version von Sexual Healing) und dem tiefen Blues von Musselwhite, der Raum und Gestaltungsfreiheit für seine Harmonica hat, wie es einem Grandseigneur gebührt. Die Musik ist Roots-Sound, nicht immer Blues-Schema, aber stets bluesig im Feeling. Die Songs sind wütend, nicht nur der Anti-Kriegstitel I Ride at Dawn, der einem gefallenen Freund gewidmet ist. Insgesamt sind die Titel wütend, stark, emotional und roh. Das macht jeden Titel besonders, das überträgt sich auf der Aufnahme. Perfekt.
Diese Musik ist das Produkt von Verständnis, von Seelenverwandtschaft und von einem Prozess des musikalischen Austausches. Heute werden viele Aufnahmen zusammengestückelt aus Schnipseln, die zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Studios eingespielt wurden, aber hier ist die Live-Atmosphäre der Aufnahme zu spüren, das Feuer zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig antreiben und zu Höchstleistungen anspornen. Das funktioniert eben nicht bei Gastauftritten, die als eingespielte Spur ihren Platz in einer Aufnahme finden. Hier geht es nicht um Star-Power, sondern um Gefühle. Blues-Gefühle.
Gemeinsam mit Gitarrist Jason Mozersky, Bassist Jesse Ingalls und Schlagzeuger Jordan Richardson spielen Harper und Musselwhite ein feines transparentes Album ein, das von 2013 sein könnte, aber auch von 1983 oder 1963. Das ist zeitlose Musik, weil sie die menschlichen Emotionen transportiert. Diese Emotionen sind in Blues verpackt, der wie früher Chicago-Sound klingt, anderer entspricht mehr einem Rap-Funk-artigen Setting. Die Musik ist vielseitig und doch stets Blues. Bemerkenswert das beinahe eine Viertelstunde in Anspruch nehmende Don’t Look Twice.
Schön, wurde dieses Album mit dem Grammy geehrt, eine gute Wahl für eine CD mit diesem bestimmten Extra. Die Cd liegt in zwei Versionen vor, die Deluxe-Version hat noch eine DVD mit Auftritten von wenigen Titeln, die CD selbst enthält 10 Songs und ein Making of.
Ben Harper & Charlie Musselwhite Get Up! (2013)
Ben Harper (Gesang, Gitarre, Produktion)
Charlie Musselwhite (Harmonica, Gesang)
Jason Mozersky (Gitarre)
Jesse Ingalls (Bass)
Jordan Richardson (Schlagzeug)
Sheldon Gomberg (Technik)
Chris Goldsmith (Produktion)
CD
1. Don't Look Twice 13:13
2. I'm In I'm Out and I'm Gone 4:37
3. We Can't End This Way 1 3:34
4. I Don't Believe a Word You Say 3:17
5. You Found Another Lover (I Lost Another Friend) 4:13
6. I Ride At Dawn 4:42
7. Blood Side Out 2:52
8. Get Up! 6:17
9. She Got Kick 2:56
10. All That Matters Now 4:55

http://www.bluesnews.ch/index.php/Musik/Rezensionen-CDs/Ben-Harper-und-Charlie-Musselwhite-Get-Up.html 

 

 

Alle bisherigen Gewinner

Gewinner und nominierte Künstler

Jahr Künstler / Band Nationalität Werk Weitere nominierte Künstler Bilder
der Künstler
2012
12. Februar 2012
Tedeschi Trucks Band Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Revelator Derek Trucks & Susan Tedeschi, 2007
2013
10. Februar 2013
Dr. John Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Locked Down Dr. John, 2007
2014
26. Januar 2014
Ben Harper und Charlie Musselwhite Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Get Up! Ben Harper, 2003

http://de.wikipedia.org/wiki/Grammy_Award_for_Best_Blues_Album

Dienstag, 27. August 2013

Chicago Blues


 Chicago Blues

 

http://www.chicagobluesguide.com/index.html

http://www.chicagobluesalivinghistory.com/usa/ 

 

Chicago Blues, Live Vol.1

Der Chicago Blues ist ein Blues-Stil, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zuge der Abwanderung der verarmten schwarzen Arbeiterbevölkerung aus dem Süden der USA in die Großstädte des mittleren Westens entstanden ist. Die Entwicklung des Chicago-Blues vollzog sich im Wesentlichen in zwei Schritten.
Pre-War-Phase: Von der Mitte der 1920er-Jahre bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich ein am Jazz orientierter, städtischer Blues-Stil (Urban Blues). Er vereinte den „klassischen“ Blues des Vaudeville mit dem traditionellen Country Blues des Südens. Im Vergleich zum Delta Blues war der Chicago-Stil jedoch eleganter und weniger archaisch.
Der weiße Produzent Lester Melrose war zu dieser Zeit die beherrschende Figur des Chicago Blues. Nachdem er zu Anfang Jelly Roll Morton und King Oliver als selbstständiger Geschäftsmann produziert hatte, stieg er bald zum Produzenten des RCA-Bluebird-Labels auf. Daher wird der frühe Chicago Blues auch als Bluebird Beat bezeichnet. Während seiner Zeit bei Bluebird nahm Melrose unter anderem Big Bill Broonzy, Tampa Red, Jazz Gillum und Sonny Boy Williamson I. auf. Das Piano entwickelte sich neben der Gitarre zu einem prägenden Instrument dieses Stils. Der Piano-Blues-Style war eine Verbindung zwischen dem rauen Barrelhouse Piano (Dirty Dozen) aus dem Süden der USA und dem Ragtime.
Post-War-Phase: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Chicago-Blues zur elektrifizierten Variante des akustischen Delta Blues weiterentwickelt. Ein Großteil der in einer zweiten Welle aus dem Süden nach Chicago zugewanderten Afroamerikaner fand sich im Bluebird Beat der Vorkriegszeit nicht wieder. Die Zeit von 1947 bis 1957 gilt als Blütezeit des Chicago Blues. In dieser Zeit prägten Blueser wie Muddy Waters, Little Walter, Howlin’ Wolf, John Brim, J. B. Hutto und andere den neuen, harten, elektrischen Delta Blues. Charakteristisch für den Combo-Blues aus der „Windy City“ Chicago ist die Besetzung mit Gitarre, Blues-Harp, Piano, Schlagzeug und Kontrabass oder E-Bass.
Majorlabels wie RCA gaben das Bluesgeschäft aufgrund ständig zurückgehender Plattenverkäufe auf und überließen den Markt auf den neuen Sound spezialisierten Labels wie Chess Records und Vee-Jay. Mit Beginn der 1960er-Jahre begann der Niedergang des Chicago Blues. Die beiden Platzhirsche Chess und Vee-Jay orientierten sich eher am neu aufkommenden und gewinnträchtigeren Soul oder gingen pleite. Kleine Independent-Label wie Alligator und Delmark Records nahmen noch Blues für ein vornehmlich europäisches Publikum auf.

Typische Vertreter


Chicago Blues, Live Vol.2


Blues Jam In Chicago - Volume 1 (Expanded Edition) [Original Recording Remastered] 
Fleetwood Mac Audio CD 


 Wahrscheinlich hat kein anderer Bluesstil einen so hohen Wieder- erkennungswert in Form, Feeling und Sound, wie der Chicago Blues. Es ist die Musik, die am meisten nach dem Rhythm & Blues/Rock’n Roll der 50er Jahre klingt. Wenn man einen TV-Werbespot sieht und hört, der mit Blues unterlegt ist, handelt es sich immer um den Chicago-Stil. Es ist der Klang von verstärkten Harmonicas, elektrischen Slide-Guitars, einem mächtigen Boogie-Piano, einer entfesselten Rhythmusgruppe und eindringlichem Gesang. Es ist der Genius von Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Elmore James und Little Walter, der ein urbanes Publikum begeisterte und es mit auf eine Reise nahm in eine verrauchte, lärmende Kneipe in der South Side von Chicago. Es ist der ansteckende Boogie von Hound Dog Taylor, Jimmy Reed, Joe Carter und Robert Nighthawk, die, wie die unzähligen kleinen Combos, am Sonntagmorgen auf dem Markt in der Maxwell Street spielten. Und es ist der Single-Note-Stil von B.B. King, Otis Rush, Magic Sam und Buddy Guy.

Der Chicago Blues basiert auf dem unkomplizierten, rauhen und direkten Delta Blues, der in Kontakt mit dem städtischen Leben kam und nun elektrisch verstärkt wurde. Chicago Blues ist der erste Bluesstil, der ein Massenpublikum erreichte und, nach einer gewissen Zeit, ebenso ein Weltweites.

Obwohl die „Windy City“ schon vor dem 2. Weltkrieg eine rege Bluesszene besaß (ein von Lester Melrose gepushter, weichgespülter Bigband-Blues), ist es die Kombination verschiedener Elemente, die den Chicago Blues nach dem Krieg richtig in Bewegung brachten.

Zuerst müssen die sozialen Umstände nach dem 2. Weltkrieg genannt werden. Die Schwarzen packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und zogen nach Norden, wo sie für sich ein besseres Leben und besser bezahlte Jobs erhofften. Es war für sie verlockender, in einem Chicagoer Schlachthof zu arbeiten, als irgendwo auf einer Farm in Mississippi hinter einem Maulesel zu stehen. 



Chicago Blues, Live Vol.3




Chicago Blues, Live Vol.4



Chicago Blues, Live Vol.5


Freitag, 26. Juli 2013

Charlie Musselwhite

Charlie Musselwhite

Charlie Musselwhite (* 31. Januar 1944 in Kosciusko, Mississippi) ist ein US-amerikanischer Blues-Musiker (Mundharmonika, Gitarre). Sein Markenzeichen ist sein ausdrucksstarkes und zugleich technisch hervorragendes Mundharmonikaspiel, das ihn weltweit zu einem der besten Mundharmonikaspieler werden lässt. Er wurde das Vorbild für Dan Aykroyd's „Blues Brother Elwood“.[1]
Musselwhite erlebte Memphis, als dort der Rock'n'Roll geboren wurde. Unter dem Eindruck von Musikern wie Elvis Presley und Jerry Lee Lewis lernte er Mundharmonika und Gitarre spielen. Will Shade von der Memphis Jug Band wurde sein musikalischer Ziehvater. Sein Geld verdiente Musselwhite mit Whiskeyschmuggel.
Mit 18 zog Musselwhite nach Chicago, wo er Arbeit zu finden hoffte. Hier kam er mit dem "elektrischen" Blues in Berührung. Er spielte mit Legenden wie Muddy Waters, Howlin' Wolf und John Lee Hooker. Big Walter Horton, selbst ein Schüler von Will Shade, nahm ihn unter seine Fittiche.
1967 nahm Musselwhite mit eigener Band sein Debütalbum Stand Back! auf. Der Erfolg führte ihn nach Kalifornien, wo er blieb und die Hippieszene in und um San Francisco mit seinem Blues bereicherte.
Im Laufe seiner Karriere hat Charlie Musselwhite über 20 eigene Alben aufgenommen und war an zahlreichen Aufnahmen bekannter Kollegen beteiligt, darunter Bonnie Raitt, Tom Waits und INXS. Musselwhite spielte häufig mit John Lee Hooker, der auch sein Trauzeuge war.
Charlie Musselwhite erhielt etliche Auszeichnungen, darunter 14 W. C. Handy Awards und 6 Grammy-Nominierungen. 2010 wurde er in die Blues Hall of Fame der Blues Foundation aufgenommen.


Charlie Musselwhite "Gone Too Long"

Well   Charlie Musselwhite Audio CD




Homepage von Charlie:  http://www.charliemusselwhite.com/


Charlie Musselwhite @ Green Hills in Blues 2011 

Kassel. „So muss es sein!“, frohlockte Theaterstübchen-Macher Markus Knierim angesichts seines proppenvollen Clubs am Freitagabend. Blues Blend aus Frankfurt und zweifellos Charlie Musselwhite plus USA-Band waren die Verursacher des Besucherandrangs.
Damit darf man auch rechnen, wenn eine lebende Legende auf dem Spielplan steht.
Mit eher traditionellem, jazzbeeinflusstem Roots-Blues hatten die fünf technisch versierten Musiker von Blues Blend den Boden bereitet für den Star des Abends, der sich sympathischerweise nicht als solcher gerierte.
Nachdem Stehbass und Vollresonanz-Klampfe gegen Brettgitarren ausgetauscht waren, ließen Musselwhite und seine drei Sidemen ab dem ersten Ton nicht den geringsten Zweifel daran, wohin die Reise mit ihnen gehen würde. Kraftvoll treibender elektrischer Bluesrock in einer transparenten, nie zu lauten Soundabmischung ließen das Konzert zu einer akustischen Delikatesse für das begeisterte, immer wieder mit Zwischenapplaus reagierende Publikum geraten.
Der mehrfach Grammy-nominierte Musselwhite intonierte seine Songs wie etwa „Sad and beautiful world“ mit besonders in den Höhen kraftvoller Stimme. Highlights waren jedoch seine eindringlichen und ausgefeilten Bluesharp-Soli - wen wundert’s, gilt er doch als einer der weltbesten Mundharmonika-Spieler.
Aus einem Alukoffer holte er das jeweils passende Instrument hervor. Mit seinem kongenialen Partner an der E-Gitarre, Matt Stubbs, spielte Musselwhite sich wie selbstverständlich die Bälle zu. Das ständig pulsierende Fundament lieferten Drummer June Core und Mike Phillips am Bass. Mit einem Slow Blues als Zugabe wurde das höchst zufriedene Publikum verabschiedet.



Charlie Musselwhite / The Well

Das Jahr 2010 scheint ein gutes für Charlie Musselwhite gewesen zu sein. Zumindest war es ein sehr arbeitsreiches für den inzwischen 66 Jahre alten Bluesmann, denn neben seinen 'normalen' Terminen in den Vereinigten Staaten von Amerika absolvierte er auch wieder eine Tour durch Europa, bei der ich ihn für unsere Redaktion auch endlich mal live bei seinem Gig in Isernhagen erleben durfte.

Außerdem nahm die Bluesharp-Legende mit "The Well" auch sein nächstes Studio-Album auf, das er in den Sunset Sound Studios, Hollywood und den Big Fish Studios, Olivenhain, Kalifornien einspielte. Ein ganz schön straffes Programm, zumal Musselwhite mit ganz anderen Begleitmusikern auf Tour ging, als denjenigen, die auf dem neuen Longplayer vertreten sind.

Doch dass dieser absolute Profi beides perfekt auf die Reihe bekam und dabei seine jahrzehntelange Erfahrung in die Waagschale warf, davon konnte ich mich mit eigenen Augen und Ohren überzeugen.

Stimmte bei dem Konzert schon jede Kleinigkeit, so passt auch auf "The Well" alles zusammen. Die dreizehn Eigenkompositionen (auch das ist ein Novum bei Charlie Musselwhite) auf dieser bei Alligator Records erschienenen CD wirken allesamt ausgereift und wohl durchdacht. Die Band unterstützt Charlie optimal und legt ein enormes Bluesfeeling an den Tag, wobei bei jedem Song genau die richtige Dosierung an Druck verbreitet wird.

Musselwhite selbst greift bei zwei Stücken auch mal selbst zur Gitarre, konzentriert sich ansonsten aber auf seine Harmonika, die er natürlich perfekt und immer mit dem richtigen Timing einsetzt. So verbreiten die Songs durchweg eine sehr relaxte Atmosphäre und swingen und shuffeln sich ganz locker über die Zeit. Alle Titel weisen eine Spieldauer zwischen 2:23 und 4:25 Minuten auf, enthalten also keine längeren Solo-Passagen. Und trotzdem gibt es jede Menge kleine Feinheiten im Zusammenspiel der Instrumente, die ein genaueres Hinhören sehr lohnenswert machen. Die Wechsel von Gitarre und Mundharmonika als bestimmendes Lead-Instrument und die filigrane Arbeit an elektrischem und Kontrabass geben dem Album das gewisse Etwas und belegen, wie man mit ganz minimalem musikalischen Aufwand ein maximales Hörerlebnis erreichen kann.

Auch textlich arbeitet Charlie Musselwhite in den Songs so einige Punkte aus seinem Leben auf. So befasst er sich im Titelsong mit seiner Alkoholsucht, die er seit zweiundzwanzig Jahren überwunden hat, geht bei "Sad And Beautiful World" auf die Ermordung seiner Mutter im Jahr 2005 ein und nimmt eine seiner zahlreichen Verhaftungen in Chicago aufs Korn ("Cook County Blues"). Weiterhin erinnert er sich an seine Kindheit in Clarksdale ("Clarksdale Getaway"), der Stadt, zu der er noch immer eine ganz besondere Beziehung hat und beschreibt seine Faszination für die Hoodoo Priesterin Marivcon Laveau, die als 'Dr. John' in die Geschichte einging ("Hoodoo Queen") und deren Grab er schon 1957 besuchte. Man sieht also, auch textlich ist "The Well" ein Blues-Album im wahrsten Sinne des Wortes geworden.

Dass meine Anspieltipps mit "Sorcerer's Dream" und "Good Times" ausgerechnet die beiden Titel sind, auf denen Charlie Musselwhite auch die Gitarre spielt, würde ich mal als reinen Zufall betrachten, denn Dave Gonzales macht bei den anderen Songs einen prima Job.

Mit "The Well" ist ein unaufdringliches aber qualitativ hochwertiges Album entstanden, das die ganze Klasse von Charlie Musselwhite an der Bluesharp aufzeigt. Dieser Mann ist wirklich schon zu Lebzeiten eine Legende!
 Charlie Musselwhite & Big Wolter Horton. Chicago Fest 81. 

Charlie Musselwhite 2009 Chicago Blues Festival "River Hip Mama"