Aus bestimmten Gründen beschäftige ich mich im Moment ausgiebig mit dem Blues. Als Erinnerung an meine Studien habe ich dieses Tagebuch (diesen Blog) angelegt. So kann ich meine Suchergebnisse gut abspeichern und Euch daran teilhaben lassen. Für einen Täglichen Bluestip reicht die Zeit leider nicht mehr. Deshalb wird es diese Beiträge in Zukunft unregelmässig geben. Ich tue mein Bestes.
Magic Slim (eigentlich Morris Holt; * 7. August1937 in Torrence, Mississippi; † 21. Februar2013 in Philadelphia) war ein US-amerikanischer Blues-Gitarrist, Sänger und Songschreiber. Mit seiner Band "The Teardrops" war er – neben Magic Sam – der bekannteste Vertreter des "West Side Chicago Blues".
Ursprünglich spielte Magic Slim Klavier. Bei einem Unfall verlor er
jedoch einen Finger und war daher dazu nicht mehr in der Lage. 1955
spielte er in Chicago einige Zeit in Robert Perkins Band "Mr. Pitiful & the Teardrops", bevor er nach Mississippi zurückkehrte.
1965 versuchte er es mit seinen Brüdern Nick und Lee Baby erneut in
Chicago. Als "Magic Slim & the Teardrops" machten sie einige
Aufnahmen und hatten beträchtlichen Erfolg. Der große Durchbruch gelang
ihnen 1977 mit dem Album Born Under A Bad Sign.
Magic Slim & the Teardrops wurden 2000 mit dem Living Blues Award und 2003 mit einem Handy Award
als Bluesband des Jahres ausgezeichnet. Insgesamt hat Magic Slim im
Lauf seiner Karriere sechs Handy Awards gewonnen (Stand: 2006).
Er war einer der letzten Alten des Chicago Blues. Magic Slim starb am 21. Februar
in einem Krankenhaus in Philadelphia. Bereits seine letzte Europatour
im November hatte der 75-jährige Sänger und Gitarrist kurz vor seinem
Auftritt bei einem Festival in Idar-Oberstein abbrechen müssen. Mit
seiner Band The Teardrops war der hünenhafte Musiker bekannt geworden
als unermüdlicher Botschafter eines gitarrenbetonten urbanen Blues, wie
er in den 1950er-Jahren in den Clubs der Windy City entstanden war. Das
letzte Album „Bad Boy“ war noch im vergangenen Jahr erschienen.
Mit
18 war der als Morris Holt in Grenada, Mississippi, aufgewachsene Slim
nach Chicago gezogen und hatte zunächst an der Seite von „Magic Sam“
Maghett, von dessen furioser Gitarentechnik er sich einiges abguckte,
Bass gespielt. Weil er zunächst nicht Fuß fassen konnte, ging er wieder
zurück in den Süden, bis er dann Mitte der 1960er mit den Teardrops eine
Single aufnahm und sich endgültig in Chicago etablierte. Die erste LP
erschien 1977. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Magic Slim zwei
Dutzend Alben, mehr als die Hälfte davon bei europäischen Labels. Er
wurde mehrfach mit Preisen wie dem „WC Handy Award“ ausgezeichnet.
Mit Magic Slim hat der Blues einen weiteren Vertreter der alten Schule verloren. Er war einer der bedeutesten Interpreten des West Side Chicago Blues. Als Morris Holt
kam er am 7. August 1937 in Torrence, Mississippi zur Welt. Er
verkörperte den klassischen Bluesman: Seine Eltern waren Sharecropper
und er musste schon als Kind mitarbeiten. Früh erlernte er das
Pianospiel und sang im Kirchenchor. Im Alter von dreizehn Jahren verlor
er beim Arbeiten an einer Cotton Gin einen kleinen Finger und wechselte
deswegen zur Gitarre. Sein erstes Instrument bestand aus Draht an einem
Besenstiel. Die Familie siedelte 1948 nach Grenada. Mit achtzehn kam er
nach Chicago, wo ihn ein Freund aus Grenada, Magic Sam(Samuel Gene Maghett) unter seine Fittiche nahm. Magic Sam liess Ihn Bass in seiner Band spielen und gab ihm auch seinen Übernahmen Magic Slim. Sein Erfolg war mässig und so kehrte ins Delta zurück, und spielte einige Jahre mit seinen jüngeren Brüdern Nick (1940 - 2009) und Douglas «Lee Baby»
(1944 - 2006) in Grenada, Charleston und anderen Städten im Delta.
Daneben half er seinem Stiefvater in dessen Transportgeschäft und
verkaufte Holz und selbstgebrauten Whisky. 1965 zog es ihn erneut nach Chicago und spielte mit Robert «Mr. Pitiful» Perkins & the Teardrops Nachdem Perkins die Band verlassen hatte, übernahm er sie und formte daraus Magic Slim and The Teardrops.
Die Band entwickelte sich prächtig und stetig und erreichte bis 1980
den Status als Inbegriff einer Chicago Blues Band. Ab 1976 spielte er
unzählige Alben ein und ab 1978 begann er auch in Europa aufzutreten.
Der Durchbruch hatte die Band mit dem 1977 erschienenen Album Born Under A Bad Sign. Zwischen1982 und 1995 spielte John Primer in der Band mit. Magic Slim wurde 44 mal für den Blues Music Award (früher W.C. Handy Award) nominiert und gewann den Preis insgesamt sechs Mal. 2000 wurde er zudem mit dem Living Blues Award der gleichnamigen Zeitschrift ausgezeichnet, die ihn als National Treasure bezeichnete. Er zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass er einen besonderen
Slide Stil entwickelt hatte, der ohne technische Hilfsmittel auskam.
Zudem gelang es ihm, aus fast jedem Song einen aufwühlenden Shuffle zu
kreieren. Sein Gitarrenspiel war unverkennbar und einzigartig. Trotz
gesundheitlicher Probleme tourte er bis zuletzt mit dem Gitarristen und
Sänger Jon McDonald, dem Bassisten André Howard und den beiden
Schlagzeugern Brian Jones und David Sims. Wir werden ihn vermissen.
Morris Holt, alias Magic Slim, ist am 21. Februar in einem Krankenhaus
in Philadelphia im Alter von 75 Jahren verstorben. Der am 7. August 1937
in Torrence (Mississippi) geborene Gitarrist und Sänger war bereits
während seiner Europatournee im Herbst vergangenen Jahres mit
Atemproblemen in eine französische Klinik eingeliefert worden und musste
seinen einzigen Deutschland-Auftritt beim Festival in Idar-Oberstein
absagen. In den USA hatte er vor einigen Wochen wieder Konzerte mit
seiner Band The Teardrops gespielt, doch nachdem sich sein
Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte, musste er erneut
stationär behandelt werden. Magic Slim etablierte sich in den
60er-Jahren in der Chicagoer Bluesszene, so spielte er unter anderem in
der Band von Bob Perkins, die sich Mr. Pitiful & The Teardrops
nannte und die Slim Mitte der 60er übernahm. Er zählte über 50 Jahre zu
den dynamischsten Vertretern des Chicago-Blues und verfügte nicht nur
wegen seiner Größe von fast zwei Metern über eine enorme Bühnenpräsenz.
Zu der trugen auch sein rauer Gesang und ein durchdringender Gitarrenton
bei. "The Bad Boy Of Down Home Chicago Blues" lautet die Überschrift
zur Titelstory mit Magic Slim in bluesnews 72, auf sechs Seiten lässt Autor Klaus Kilian dort eine lange und beeindruckende Musikerkarriere Revue passieren.
Magic Slim & The Teardrops - Grand slam
Hier die wahrscheinlich wichtigste(und für viele auch die beste) Veröffentlichung von Magic Slim alias Morris Holt. Die Stücke 1-11 stammen aus 1982 und 12-14 als Bonustracks von einer EP aus dem Jahre 1975.
In Mississippi geboren, kam Slim 1955 nach Chicago, aber relativ erfolglos kehrte er der Stadt bis 1965 den Rücken. Erst 1979, im Zuge der Erneuerung des Chicagoblues, kam er zu Ehren und Erfolg.
Seitdem veröffentlicht er CDs in Folge, wobei auch die neueren
Produktionen (nur am Rande)wie „Snakebite" oder „Blue Magic" sehr zu
empfehlen sind. Doch die „Grand Slam" bleibt auch für mich die beste CD dieses Mannes, der als lautester Gitarrist Chicagos gilt. ;Ein Vergleich mit Hound Dog Taylor kommt auch nicht von ungefähr, zumal dieser einer der Vorbilder Slims war.
Ähnlich wie bei Taylor ist Slims Sound rau und ungehobelt, sehr trocken,
rockig und äußerst „verhallt", wobei seine Gitarre scharf akzentuiert.
Hier unterscheidet er sich dann aber auch von Hound Dog, nämlich als
virtuoserer Gitarrist, aber ähnlich wie bei Hound Dog, sehr „beseelt"
und ergreifend. Funkige Klänge(„Slammin'") wechseln sich ab mit Reminiszenzen an den
Freund aus der Kinderzeit - Magic Sam-, bei „She belongs to me", und
hier als direktem Vergleich zu Hound Dogs Version - „Give me back my
wig" gibt es auch hier diesen Titel!
Eingespielt wurde „Grand Slam" mit
Magic Slim, vocals ,lead guitar –
Pete Allen, guitar –
Nick Holt(das ist der Bruder), bass—
Nate Applewhite, drums.
Wer also auf harten, direkten, lauten Chicagoblues(with a feeling) steht, sollte diese Scheibe nicht unbeachtet lassen!
Geboren in Memphis, wuchs Wells in Arkansas
auf. Bereits im Alter von sieben Jahren spielte er Mundharmonika, die
ihm von seinem Cousin Junior Parker und Sonny Boy Williamson beigebracht
wurde.[1]
1948 ging er nach Chicago. Mit 18 Jahren spielte er in der Band von
Muddy Waters, mit der er auch seine ersten Plattenaufnahmen machte. In
den 1960ern arbeitete er vor allem mit Buddy Guy.
Die bekanntesten Songs von Junior Wells sind Messin’ With the Kid und Little By Little, sein bekanntestes Album ist Hoodoo Man Blues von 1965.
Einen Auftritt hatte er im Film Blues Brothers 2000,
der kurz nach seinem Tod in die Kinos kam. Junior Wells starb 1998 an
einem Herzinfarkt, während er sich in Krebsbehandlung befand. Er wurde
auf dem Oak Woods Cemetery in Chicago beigesetzt. Bei seinem Begräbnis
spielten Billy Branch, Sugar Blue und Harmonica Hinds einen Trauermarsch.[2]
Jede Musikrichtung hat unbesungene
Helden, auch der BIues._Bluesgrößen wie B.B. King oder Buddy Guy
hielten Earl Hooker für einen der besten Bluesgitarristen der
Nachkriegszeit. Diese Anerkennung war Earl Hooker jedoch zu seinen
Lebzeiten nicht vergönnt. Sein früher Tod setzte der Partnerschaft
mit dem Mundharmonika-As Junior Wells ein trauriges Ende.
Ruhm und Ehre können nicht an Geld
oder am Einkommen gemessen werden, ebenso wie kom-merzieller Erfolg
nicht unbedingt ein Zeichen von Können ist. In der Welt des Blues,
in der sich viele einer einmal etablierten Stilrichtung anpassen und
ihr treu bleiben, sind Interpreten, die ihrer Vorstellungskraft
freien Lauf lassen und sich über Traditionen hinwegsetzen, selten.
Earl Hooker gehörte zu solchen Freigeistern. Dieser talentierte
Gitarrist ließ sich sowohl von Jazz, Country und populärer Musik
sowie dem Blues inspirieren. Ehe es Verstärker gab, benutzten
Bluesmusiker ihre Gitarre als Rhythmus-lnstrument, die Melodie eines
Songs wurde hauptsächlich durch die Verse bestimmt. Zusätzliche
Verzierungen erreichte man durch die Verwendung eines Bottlenecks,
wodurch man der Gitarre Töne entlockte, die Ähnlichkeit mit einer
menschlichen Stimme hatten. Man darf nicht Vergessen, daß nur wenige
Bluesmusiker eine solide musikalische Ausbildung
durchlaufen hatten. Eine bemerkenswerte
Ausnahme unter ihnen war Lonnie Johnson, der nicht nur die Gitarre,
sondern auch die Geige beherrschte. Schon auf seinen ersten Aufnahmen
verblüfft
seine unglaubliche Technik, mit der er
simplen Blues mit der Jazzmusik von Duke Ellington und Louis
Armstrong kombiniert.
Auch viele andere Pioniere der
E-Gitarre hatten ihre Wurzeln im Jazz, wie Eddie Durham, Charlie
Christian und Georges Barnes. Barnes fungierte auch als
Begleitmusiker auf Blues-Sessions von Big Bill Broonzy und Jazz
Gillum. In der zweiten Hälfte der 40er Jahre tauchte T-Bone Walker
auf, der Mann, der praktisch den Sound der modernen Bluesgitarre
kreierte. Die Vertreter des Chicago Blues eigneten sich diese neue
Stilrichtung allerdings nur langsam an, da sie sich zwischen dem
traditionellen Blues von Willie Lacey, dem Hausgitarristen der
Bluebird-Sessions, und der rohen Power der Slide Gitarre von Muddy
Waters nicht entscheiden konnten. Jahre später transformierte Robert
Junior den Sound der Chess Blues-Sessions mit einem Stil, in dem er
Blues-Rhythmen mit einer vom Jazz beeinflußten melodischen
Phrasierung verband.
Als die 50er Jahre voranschritten,
übernahmen Otis Rush, Magic Sam, Freddie King und Buddy Guy die
Techniken von T-Bone Walker und B.B. King und veränderten so den
Chicago Backbeat. Manche heutige Rock-Gitarristen, die sich auf der
Bühne wie wild ins Zeug legen, haben diese Intensität solchen
einstigen Blues-Größen abgeguckt. Zu jener Zeit gab es jedoch einen
Musiker, der sich weigerte, sich diesem Stil anzupassen - Earl
Hooker. Earl Zebedee Hooker kam am 15. Januar 1929 in Clarksdale,
Mississippi, zur Welt. Die Eltern waren Profis im Showbusineß: Earl
Senior spielte Mundharmonika, Geige und
Gitarre, Mutter Mary Blair war ein Mitglied der Rabbit Foot Minstrels
gewesen. 1930 zog die Familie Hooker nach Chicago. Earl Junior wuchs
im Getto heran, und wenn er nicht auf seiner Gitarre herumzupfte,
machte er mit einer Gang die Straßen unsicher. Zu einem seiner
“Straßenopfer” zählte der Gitarrist Louis Myers: “Sie
überfielen uns ein-
mal in der 35th Street - und das
nächste Mal, als ich Hooker wiederbegegnete, spielte er an einer
Straßenecke Gitarre” Hooker erstand seine erste Gitarre von Sears
& Roebuck. Mit ihr unterm Arm verließ er im Alter von 13 Jahren
das Elternhaus in Chicago und kehrte nach Clarksdale zurück, wo er
vor Robert Nighthawks Musikladen herumlungerte und den Bluesmusikern
zuhörte, die sich um ihren Meister (Nighthawk) versammelt hatten.
Von Nighthawk lernte er, wie man ein Bottleneck benutzt. Dieser
wiederum hatte es Houston Stackhouse abgeguckt, stand aber auch unter
dem Einfluß von Tampa Reds Slide Gitarre, der er glasklare Töne
entlocken konnte. Hooker übernahm diese Technik und erweiterte sie
dadurch, daß er sein Instrument in der üblichen Stimmung der
Gitarre, nicht der offenen der Slide Gitarre, stimmte. Hooker war
jedoch nicht nur wegen seines
Gitarrenspiels bekannt, sondern auch
als Gelegenheitsdieb, und das war der Grund, warum ihm Nighthawk
schließlich verbot, seinen Laden je wieder zu betreten. Also zog
Hooker weiter und landete in Helena, Arkansas, wo er sich Houston
Stackhouse, Robert “Dudlow” Taylor und James “Peck” Curtis -
den King Biscuit Boys - anschloß. In den folgenden zwei Jahren, die
er in Helena verbrachte, trat er im Rahmen der Feiern der 2000.
Sendung der King Biscuit Time des Rundfunk-senders KFFA auf und
spielte mit Joe Willie “Pinetop” Perkins, Lee Kizart, Boyd
Gilmore und dem jungen lke Turner. Danach zwangen ihn seine
Ruhelosigkeit und seine Neigung zum Stehlen wieder zum Reisen. Im
Juli 1950 wurden Hooker, der Pianist Ernest Lane und der Schlagzeuger
Kansas City Red zu sechs Monaten Gefängnis (im Vandalia State
Prison) verurteilt, nachdem im Palms Hotel in Cairo, Illinois, einige
Lautsprecher verschwunden waren. Viele seiner Freunde sind überzeugt
davon, daß sich durch diesen Gefängnisaufenthalt die Tuberkulose,
die er sich als Teenager zugezogen hatte, verschlimmerte. Ein Jahr
später spielte er bei Chess vor, doch es kam nicht zu Aufnahmen im
Studio, da er abermals verhaftet wurde. Big Jim Wade, ein Promoter
aus Cairo, hatte ihn des Vertragsbruches angeklagt.
earl hooker - blue guitar
RUHELOSER VAGABUND
Anfang der 50er Jahre reiste er
regelmäßig nach Chicago, um dort Musiker für Tourneen durch die
Südstaaten anzuheuern. “Ich kenne niemanden, der soviel durchs
Land zog wie Earl Hooker”, sagte der Pianist Billy Emerson. “Er
schmiß seinen Job hin und machte sich in eine andere Stadt auf, wo
er bereits am nächsten Abend auftrat." Emerson lernte Hooker
1952 in Bradenton, Florida, kennen, als Hooker dort im November seine
Debut-Session für das King-Label machte, und zwar vier
lnstrumentalstücke, die später auf einem Album seines Cousins John
Lee Hooker veröffentlicht wurden.
IM PLATTENRAUSCH
1953 machte Hooker zwei
Aufnahme-Sessions: Im April spielte er in Miami, Florida, für das
Rockin`-Label “Sweet Black Angel" und “On the Hook” ein;
im Juli nahm er zusammen mit “Pinetop” Perkins und Boyd Gilmore
ein paar Songs für Sun Records auf, darunter eine Version von “Blue
Guitar". Keine dieser Platten erschien zu seinen Lebzeiten,
obwohl Sam Philips sehr von ihnen beeindruckt war. Während Otis Rush
und die anderen “Blues-Neulinge” dabei waren, dem Chicago Blues
einen neuen Stil zu verpassen, blieben ihm Hooker, Kansas City Red
und der Multi-Instrumentalist Johnny “Big Moose” Walker treu und
zogen weiterhin als fahrende Bluesmen durchs Land. Doch wenn immer
Hooker in Chicago auftauchte, zollten ihm seine zeitgenössischen
Kollegen in Chicago großen Respekt. “Nachdem ich Earl Hooker auf
der Slide Gitarre gehört hatte, steckte ich das, was ich zum
Saitenanschlagen benutzte, in die Tasche", erinnert sich Buddy
Guy. “Seine Technik war irre." Ende der 50er Jahre schien
Hookers Ruhelosigkeit nachgelassen zu haben, und er verbrachte sehr
viel Zeit in Chicago. Er spielte die Single “Frog Hop” für das
Argo- Label ein und begleitete die Dells und Arbee Stidham auf ihren
Sessions. lm Mai 1959 nahm er für
C.J. Records “Senorita Juanita”
auf, und Ende des Jahres spielte er auf einer Session für Mel
Londons Profile-Label als
Begleitmusiker von Junior Wells, einem jungen Mundharmonikaspieler,
der in Muddy Waters' Band den Platz von Little Walter eingenommen
hatte. Wells kam als Amos Blackmore am 9. Dezember 1934 in Memphis,
Tennessee, zur Welt und wuchs auf einer Farm am Rande von Marion
heran. Noch vor seinem 10. Geburtstag konnte man ihn bereits auf den
Straßen des ,drei Meilen entfernten West Memphis Mundharmonika
spielen hören. Dort lernte er auch
Herman “Little Junior” Parker
kennen. Wells und Parker verdanken beide ihren Stil Howlin' Wolf und
Sonny Boy Williamson ll, die zu jener Zeit in der Gegend um Memphis
zum täglichen Straßenbild gehörten.
1946 zog Wells mit seiner Mutter nach
Chicago, wo sie sich in der Nähe der 22nd und Prairie Street
niederließen. Wells schwänzte häufig die Schule und trieb sich
lieber, ebenso wie Hooker, mit seiner Gang auf den Straßen Chicagos
herum. War er zu Hause, übte er, zum Ärger seiner Nachbarn,
unaufhörlich auf seiner Mundharmonika. Zu diesen Nachbarn gehörten
auch die Brüder und Bluesgitarristen Dave und Louis Myers, die
schließlich von ihm Notiz nahmen. Sie rekrutierten
“Junior”, und eine Band war
enstanden. “Die Leute mochten uns, da wir ein viel schnelleres
Tempo hinlegten als die anderen", sagte Louis Myers, “deshalb
gaben sie uns den Namen “The Little Chicago Devils'.”
juniior wells - messin´with the kid
DIE ASSE
Später nannten sie sich “The Three
Deuces”, und als sie immer beliebter wurden, wandelten sie das in
“The Three Aces” um. 1951 drängte sie Muddy Waters' Schlagzeuger
Elgin Edmonds, es einmal mit Fred Below zu versuchen, einem
Schlagzeuger, der gerade vom Militärdienst in Deutschland
zurückgekehrt war. Below war im Jazz verwurzelt und hatte
Schwierigkeiten mit dem Blues. “Ich
hab' einfach nicht kapiert, was die
spielten", sagte er. Doch Louis Myers gab nicht auf: “Below
brauchte nicht mal zwei Wochen, um das Nötigste zu lernen, aber er
mußte sich einarbeiten und seinen eigenen Beat kreieren." Mit
dieser vierten Trumphkarte eroberten sich die Asse Chicago im Sturm.
Viele Musiker hätten gern mit dieser “Superband” gespielt.
Little Walter schaffte es. Er verließ die Muddy Waters Band und
wurde (im gegenseitigen Einverständnis mit Waters) durch Junior
Wells ersetzt. Der Weg war frei - Little Walter schloß sich,
anscheinend zur allgemeinen Zufriedenheit aller Beteiligten, den Aces
an. Nebenher verwirklichten sowohl Walter als auch Wells den Traum
einer Solo-Karriere. Wells nahm im Juni 1953 seine Debut-Single “Cut
That Out” für States Records auf, begleitet von den Myers-Brüdern
und Elmore James. Seine zweite Single,
“Hoodoo Man”, von derselben
Session, war zwar nur ein mäßiger, lokaler Hit, wurde jedoch zu
seiner Erkennungsmelodie. Seine zweite Session fand im April 1954 mit
dem Line-up Muddy Waters, Otis Spann und Fred Below statt, als sich
Wells unerlaubt vom Militärdienst entfernt hatte. Im folgenden Jahr
wurde er aus der Armee entlassen, doch seine nächsten Aufnahmen
ließen bis
zum Herbst 1957 auf sich warten. Auf
dieser Session, auf der er Vier Titel für Mel Londons
Chief-Label einspielte, entstanden
“Lovey Dovey Lovey One” und das Instrumentalstück “Cha Cha Cha
in Blue”. Keine dieser Platten erregte großes Aufsehen, genauso
wenig wie die 1959 für das New Yorker Label Shad aufgenommene Single
“So Tired”/“Can't Live without You Baby".
Ende 1959 spielte er seine erste Single
für Profile ein. “Little by Little” ist vielleicht das
typischste Beispiel dafür, was die jüngeren Chicago Bluesmen jener
Zeit erreichen wollten: einen am Blues orientierten Song, jedoch
kommerziell genug, um sich gut zu verkaufen.
GEZÄHLTE TAGE
Wells war zu der Zeit auch regelmäßig
im Theresa Lounge-Club zu hören, wo er zusammen mit Buddy Guy
auftrat. lm Dezember begleitete er Guy auf dessen Chess-Session, auf
der “Let Me Love You Baby” und “Ten Years Ago” entstanden,
und spielte in eigener Sache “Messin` with the Kid” für Chief
ein - das Muddy Waters zu seinem “Messin` with the Man” anregte.
Junior Wells und Earl Hooker waren inzwischen zu Mel Londons
“Bestsellern” avanciert. Sie arbeiteten zusammen auf “Calling
All Blues", “Universal Rock” und “Galloping Horses a Lazy
Mule”. Hooker ist außerdem noch auf Lillian Offits “Will My Man
Be Home Tonight” zu hören. Während der 60er Jahre war Earl Hooker
auch weiterhin viel unterwegs. Als “Stützpunkte” dienten ihm
Städte wie Waterloo (Iowa). Louis McTizic erinnert sich an Hookers
Stippvisiten: “Manchmal blieb er zwei Wochen an einem Ort, doch
dann sah man ihn eine ganze Weile nicht mehr - bis er plötzlich
wieder im DeSoto auftauchte, mit der ganzen Band.“ Meistens setzte
sich die Band aus Andrew “Voice” Odom, “Big Moose” Walker,
Little Smokey Smothers und dem Schlagzeuger Bobby Little zusammen.
Hookers Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch zunehmend, und
er mußte
seine Aktivitäten reduzieren. “Wenn
er auf seinen Streifzügen durch die Gegend krank wurde",
erinnerte sich Smothers, “kam er in die Stadt zurück, und sie
lieferten ihn ins Krankenhaus ein. Doch dann stand er sofort wieder
vor meiner Tür und wollte weiterziehen." Während dieser Zeit
machte Hooker unzählige Aufnahmen für Jim Kirchsteins Cuca-Label in
Sauk City, Wisconsin. Zwischen 1964 und 1967 spielte er für Cuca
drei Singles und ein Album ein sowie eine weitere Single für CJ.
Records. lm November 1968 machte der Besitzer von Arhoolie Records,
Chris
Strachwitz, in Chicago mit Hooker und
seiner Band Aufnahmen, bei denen das Album Two Bugs and a Roach
entstand, mit dem Hooker bewies, daß er nichts von seinem Können
und Talent verloren hatte. Im Sommer 1969 trat die Hooker-Band in
verschiedenen Städten und Clubs in Kalifornien auf, doch um Hookers
Gesundheit stand es nicht zum besten. “Wenn wir irgendwo
bergauf gehen mußten“, so Big Moose
Walker, “mußte ich ihn von hinten schieben. Allein schaffte er es
nicht mehr. Er sagte dann immer 'Opa, dafür bin ich dir wirklich
dankbar'.” Doch das hinderte Hooker nicht daran, zwischen Mai und
September jenes Jahres zehn Alben einzuspielen, darunter vier eigene.
earl hooker - huckle bug
EUROPA-TOURNEE
Kurz nach den letzten Aufnahmen reiste
er mit Magic Sam, Juke Boy Bonner und Clifton Chenier im Rahmen des
American Folk Blues Festivals nach Europa. Tragischerweise kam Magic
Sam kurz nach seiner Rückkehr in die USA ums Leben, und Earl Hooker
wurde Anfang 1970 wieder einmal ins Krankenhaus eingeliefert. Er war
inzwischen so geschwächt, daß er sich von einer Lungen-entzündung
nicht mehr erholen sollte. Im Krankenhaus erhielt er Besuch von dem
eminenten Ma-
nager Dick Waterman, der ihn für die
weltweite Tournee der Rolling Stones in jenem Jahr enga-gieren
wollte. Hooker sollte zusammen mit Junior Wells die Vorband bilden.
Hooker war jedoch viel zu krank, um an einen Bühnenauftritt zu
denken. Waterman wandte sich an Buddy Guy, der zustimmte, mit Junior
Wells aufzutreten. Dies war der Anfang einer musikalischen
Partnerschaft, die fast 20 Jahre andauern und dem Duo weltweite
Anerkennung bringen sollte. Buddy Guy ist heute einer der größten
Stars des Blues, während Junior Wells nur selten ins Rampenlicht
tritt.
Hooker, gerade 41 Jahre alt, starb am
Morgen des 21. Aprils 1970 im Krankenhaus, nachdem er in der Nacht
zuvor versucht hatte, einen Krankenwagen zu stehlen, um seine letzten
Stunden im Haus seiner Mutter verbringen zu können. Walker sagte
nach seinem Tod: “Seine Gitarre hielt Earl Hooker zehn Jahre lang
am Leben. Als er ins Krankenhaus mußte, brachten wir ihm seine
Gitarre, und er legte sie in Reichweite aufs Bett. Er wußte, solange
er sie anfassen konnte, konnte er auch spielen. Seine Gitarre war
sein Leben."
Earl Hooker / Two Bugs And A Roach
Wir haben diese wunderbare Veröffentlichung Buddy Guy zu verdanken, als dieser dem Betreiber des Plattenlabels Arhoolie, Chris Strachwitz, vorschlug, doch Aufnahmen mit Earl Hooker zu machen.
Das Resultat dieser fruchtbaren Zusammenarbeit zeigte sich hier erstmalig auf den 1968 eingespielten Aufnahmen.
Im Gegensatz zu vielen früheren Studioproduktionen Hookers,
die teilweise unter den beschränkten Studiomöglichkeiten litten, konnte
er sich hier nun voll entfalten, was dazu führte, dass einige der
besten Aufnahmen des Gitarristen entstanden.
Unter den Chicagoer Gitarristen seiner Generation als 'Superstar', dem
schwer das Wasser zu reichen war, gehandelt, blieb er doch relativ
unbekannt, und seine wenigen frühen Plattenaufnahmen waren eben auch
nicht immer vom Feinsten.
Hooker war mehr der typische Livekünstler, wo er wohl all' sein Können zeigen und seine 'Trümpfe' ausspielen konnte.
Original erschien diese LP mit acht Stücken, aufgenommen am 12., 14. und
15.11.1968. Die CD füllte man dann noch mit zwei Stücken aus den
Arhoolie-Sessions, aus 1968 und 1969, auf, und fügte vier frühe Stücke
von 1952 und 1953 hinzu.
"Two Bugs And A Roach" ist ein Zwiegespräch zwischen Hooker und Andrew 'B.B.jr.' Odom, wobei sich die beiden zur Musik über Hookers schlimme TBC-Erkrankung unterhalten. Ein feines funkiges Stück.
Im "Wah Wah Blues" zeigt Hooker, wie er mit neuer Technologie gekonnt umgehen konnte, und mit verschiedenen Spielarten aufwartet - vgl. hier auch z.B. Hendrix auf seinem "All Along The Watchtower", wo auch er verschiedene Spielarten präsentiert. Hat Hooker es dort gar abgeschaut?
Das Wah Wah-Pedal setzt er auch auf dem shuffelnden "You Don't Want Me" ein, und auf "Anna Lee" spielt er die Slide im besten Robert Nighthawk-Stil. Perfekt.
Neben dem "Wah Wah Blues" ist "Off The Hook" ein weiteres Instrumentalstück, wo Hooker sein Können demonstriert und dabei leicht jazzig daherkommt.
Auf dem "Earl Hooker Blues" zeigt er darüber
hinaus, dass auch Country-Einflüsse in seine Musik Einzug hielten. Die
übrigen Stücke zeigen einen Vergleich, wie sich Hooker entwickelt
hat, und wie leicht und locker er mittlerweile doch mit dem Griffbrett
umging und dabei ein hohes Maß an Sensibilität aufwies, wie ich es so
sehr schätze.
Bei den frühen Stücken ist auch schon Pinetop Perkins dabei und Willie Nix bedient die Drums. Auf "Sweet Black Angel" zeigt Hooker auch wieder einmal deutlich, wie sehr er von Robert Nighthawk
beeinflusst wurde. "I'm Going Down The Line" sowie der "Earl's Boogie
Woogie" sind rockende Zeugnisse seines früheren Schaffens von hoher
Qualität.
Alles in allem also eine rundum gelungene und
sehr abwechslungsreiche Angelegenheit, die sich von Bluesalben anderer,
bekannterer Künstler wohltuend abhebt.
Zusätzlichen Reiz bietet die Hinzunahme von Freddie Roulette an der Steel Guitar, ein im Blues eher ungewöhnliches Instrument - zu der Zeit war allenfalls Hop Wilson dafür bekannt.
Eine wichtige Veröffentlichung des Chicago Blues!
Line-up:
Earl Hooker (guitar, vocals - #1,5,8,12)
Freddie Roulette (steel guitar)
Andrew 'B.B.jr.' Odom (vocals - #1,3)
Louis Myers (harmonica - #5)
Carey Bell (harmonica - #7 , vocals - #7)
Joe Willie Perkins (piano)
Geno Skaggs (bass)
Levi Warren (drums - #3,4,6,8, 10)
Williams (drums - #1,2,5,7)
Louis Myers (harmonica - #5,9)
Steve Miller (piano - #9)
Bobby Johnson (drums - #9)
Joe Willie 'Pine Top' Perkins (organ - #1-8, piano - #1-8,10-14)
Willie Nix (drums - #11,13,14)
Unknown (bass - #13)
Unknown (drums - #12)
Unknown (harmonica - #12)
"Wahre amerikanische Musik"
nennt Clarence "Gatemouth" Brown die Mischung aus Blues,
Jazz, Bluegrass, Country &Western und Cajun Musik, die sein
musikalisches Schaffen seit den 70er Jahren kennzeichnet und die sich
aus seiner früheren Mixtur aus Blues und Big Band Jazz sowie seiner
extravaganten Bühnenshow heraus entwickelt hatte. Seine Virtuosität
auf der Gitarre hat viele seiner texanischen Kollegen inspiriert.
Clarence Brown kam am 18. April 1924 in
Vinton, Louisiana, zur Welt. Als er gerade drei Wochen alt war, zog
die Familie Brown jedoch nach Orange, Texas. Sein Vater, Clarence
Senior, arbeitete als Ingenieur für die Southern Pacific Eisenbahn,
an Wochenenden jedoch als Musiker, der die Gitarre, das Banjo, die
Mandoline und die Fiddle gleichermaßen beherrschte. Clarence Senior
spielte in einer String Band auf Partys und Picknicks, jedoch nicht
nur den Blues, sondern auch weiße Country Musik und “französische”
Musik, d.h. die Musik, die sowohl von Weißen als auch von Schwarzen
im Südwesten von Louisiana und im Osten von Texas gemacht wurde.
Clarence Junior wuchs in einem Haus
auf, wo Musik zum täglichen Leben gehörte und wo musikalische
Vielseitigkeit, was Instrumente wie Stilrichtungen betraf, für
selbstverständlich gehalten und von allen Familienmitgliedern
gewissermaßen erwartet wurde.
Ob er nun singt, auf seiner Gitarre herzzerreißende Blues-Soli spielt
oder seiner kreolischen Fiedel unbändige Schreie entlockt, er ist ein
amerikanischer Meister", schrieb Jon Pareles in der "New York Times".
"Clarence "Gatemouth" Brown ist vielleicht der fundamentalste Musiker
der Golfküste."
Clarence "Gatemouth" Brown stilistisch in eine Schublade einzuordnen,
ist ein hoffnungsloses Unterfangen. In den über 50 Jahren seiner
Karriere wechselte die 1924 in Vinson/Louisiana geborene Musiklegende
immer wieder von einem musikalischen Lager ins andere, ohne irgendwo
definitiv Wurzeln zu schlagen. Ob Blues, Jazz, Cajun, Bluegrass, Zydeco,
Country, Rhythm?n?Blues, Soul oder Swing: Clarence ?Gatemouth? Brown
fühlt sich überall zuhause und drückt jedem Genre seinen persönlichen
Stempel auf. Doch nicht nur in stilistischer Hinsicht liebt Clarence
"Gatemouth" Brown die Abwechslung, auch als Instrumentalist legt er sich
kaum Beschränkungen auf, spielt neben Gitarre u.a. auch Mundharmonika,
Mandoline, Geige und Viola. Ganz getreu seinem Motto: "Abwechslung ist
die Würze des Lebens."
Mit zehn Jahren lernte Clarence Geige
spielen, doch später sollte er sich auch erfolgreich am Schlagzeug
und an der Gitarre versuchen - Instrumente, die seine beiden Brüder
Bobby und James spielten. Eine typische Angewohnheit der ganzen
Brown-Familie war ein breites Grinsen, und so wie Clarence zu
“Gatemouth” wurde, hate auch Bruder James sehr bald seinen
Spitznamen “Widemouth” Brown weg. Unter diesem Pseudonym
veröffentlichte James 1951 seine einzige, aber inzwischen klassische
Single, deren A-Seite “Boogie Woogie Nighthawk” noch immer eines
der
beliebtesten Bluesstücke des ebenfalls
aus Texas stammenden Gitarristen Johnny Copeland ist.
Gatemouth fügte seiner
Instrumentenpalette noch die Mundharmonika und die Mandoline hinzu
und sspiration in der Country Musik, die er lange vor dem Blues
entdeckt hatte. Was den Blues betraf, so hörte er sich nicht nur
Clarence Seniors Platten von Tampa Red und Blind Boy Fuller an. Er
sagte einmal: “Ich habe nie sehr viel reinen Blues gehört. Ich
stand eigentlich immer mehr auf Big Bands - Count Basie, Lionel
Hampton, Woodie Herman. Mein Ziel war es, einen Stil zu ent-
wickeln, der meine Gitarre wie ein
Blasinstrument klingen ließ." Seine Karriere begann als
Schlagzeuger in einer lokalen Band, den Gay Swingsters. Als er 16
war, schloß er sich den durchs
Land ziehenden William M. Bimbo”s
Brownskin Models an. Die Truppe kam jedoch nicht weiter als Norfolk,
Virginia, wo ihr Manager sich aus dem Staub machte. Gatemouth nahm
gezwungener-maßen einen Job als Schlagzeuger im Eldorado Club in
Norfolk an, um zumindest die Heimreise der Brownskin Models bezahlen
zu können.
1941 wurde er zur Armee eingezogen,
doch bereits nach fünf Monaten wieder entlassen, da er sich dem
militärischen Leben nicht anpassen konnte. Er ließ sich in San
Antonio nieder und wurde der “singende Schlagzeuger” in Hoyt
Hughes' Orchester, das sich aus 23 Musikern zusammensetzte und im
Keyhole Club auftrat.
INSTRUMENTALER WECHSEL
Doch schon damals liebäugelte Gate mit
der Gitarre, da er in diesem Instrument das geeignetste
Ausdrucksmittel für seine Extrovertiertheit sah. 1947 sollte er dann
den Wunsch in die Tat umsetzen. Er trampte die ca. 300 km nach
Houston, um sich bei Don Robey vorzustellen, einem
schwarzen Geschäftsmann, dem der
Bronze Peacock Club gehörte, Houstons nobelster afro-amerikanischer
Club. Zu jener Zeit trat dort T-Bone Walker auf, damals der heißeste
Blues-Tip, der allerdings von einem Magengeschwür geplagt wurde.
Canned Heat with Clarence Gatemouth Brown - Worried Life Blues
DIE CHANCE SEINES
LEBENS
Als Walker vor lauter Schmerzen nicht
mehr weiterspielen konnte und sich in die Garderobe begab, während
die Band und seine Gitarre auf der Bühne zurückblieben, sah
Gatemouth seine Chance gekommen: "lch stand auf und ging auf die
Bühne, ergriff seine Gitarre und reimte mir schnell
einen Song zusammen, den ich “Gatemouth
Boogie' nannte In nur einer Viertelstunde hatte ich 600 Dollar
verdient - und das war nur das, was mir das Publikum gegeben hatte!”
Der über diesen Vorfall nicht gerade
sehr erfreute Walker erholte sich schnell, und die langwährende
Rivalität zwischen den beiden Bluesmen begann. “T-Bone brachte
mich dazu, über meinen Stil nachzudenken", gibt Gatemouth zu,
“aber er war zu langsam, und ihm fehlte jegliche Vorstel-
lungskraft.” Nun war dies eine wenig
zutreffende Beschreibung von Walker, der als einer der subtilsten und
innovativsten Bluesgitarristen in die Geschichte einging. Was
Gatemouth wohl indirekt damit sagen wollte, war, daß er sich
weigerte, als Bluesgitarrist abgestempelt zu werden. Außerdem ist es
gut möglich, daß Gatemouth nicht zugeben wollte, was für einen
großen Einfluß T-Bone Walker in Wirklichkeit auf ihn ausübte. Don
Robey erkannte an jenem Abend, daß mit Gatemouth Geld zu verdienen
war, und ernannte sich zu seinem Manager. Er kaufte ihm ein Dutzend
Anzüge und für 750 Dollar eine Gitarre. lm August 1947 fuhr er7 mit
Gate zu Platten-aufnahmen nach Los Angeles, wo dieser vier Titel für
Aladdin einspielte. Sie verkauften sich allerdings nicht so gut, wie
Robey es sich vorgestellt ,hatte. Er überlegte sich, wie dem abge-
holfen werden könnte ~ und gründete
Ende 1948 sein eigenes Label, Peacock Records (benannt nach seinem
Nachtclub), um seinen Schützling zu promoten.
UNTER NEUEM LABEL
Robeys uncl Gatemouths Zusammenarbeit
sollte bis 1961 anhalten. Gemeinsam produzierten sie viele Klassiker
des Texas Rhythm ”n' Blues. Gates dritte Single, “My Time Is
Expensive"/“Mary ls Fine” wurde ein bundesweiter Hit in den
Staaten und illustriert beispielhaft seinen Stil - ein rasanter
Boogie, gemischt mit langsamen, intensiven Blues-Passagen. Ebenfalls
typisch war sein Line-up (bestehend aus Houstons besten schwarzen
Studiomusikern) von Trompete, Posaune, einer Saxophon-Gruppe,
Klavier, Baß und Schlagzeug. Die fein ausgeklügelten Arrangements
stammten von Studiomusikern wie Joe Scott (Trompete), Pluma Davis
(Posaune) und Bill Harvey (Tenorsaxo-
phon). Wenn man bedenkt, daß die Auf-
nahmen damals normalerweise mit Hilfe von nur zwei Mikrofonen - einem
für Gatemouth und dem zweiten für die Backing Band - gemacht
wurden, dann
muß man vor den Arrangeuren, den
Musikern und dem Produktionsteam gleichermaßen den Hut ziehen. Einer
der wichtigsten Begleitmusiker war der Posaunist Al Grey, der die Big
Band zu-
sammenstellte, mit der Gatemouth
1952/53 auf eine von Robeys Buffalo Booking Agency organisierte
Tournee ging. Der Song “You Got Money” entstand, nachdem Gate von
Robey eine Aufstellung der Tantiemen verlangt hatte. Als Antwort
zückte Robey einen Revolver. Gate ließ
sich dadurch jedoch nicht
einschüchtern. Er entwendete Robey die Waffe und verprügelte ihn:
“You may have more money
but you won't be havin' it long
l'll still be around Buddy
when you`re dead and gone.”
(“Kann sein, daß du
mehr Geld hast, aber nicht mehr lang. Wenn du tot bist, werde
ich immer noch am Leben
sein.”)
Obwohl er sich dagegen wehrt, ist nicht
zu überhören, daß die Musik, die Gatemouth in den 50er Jahren
machte, stark von T-Bone Walker beeinflußt war. Aller- dings fehlte
ihm der “Weltschmerz” von Texas-Bluesmen wie Walker, die nach
Kalifornien gezogen waren, um den Emigranten aus dem Süden ein Stück
Heimat zu bringen. Gates Sound war bestimmt von der ungeheuren
Energie des Kansas City Jazz, dessen ungebundenen Rhythmen und
perfekten Harmonien.
Clarence"Gatemouth"Brown / Frosty
RASANTE TÖNE
Gatemouth zupfte die Gitarrensaiten mit
den Fingern, nicht mit einem Plektrum, und benutzte einen Kapotaster,
um die Akkorde zu ändern, d.h. er mußte sie nicht alle beherrschen.
Das ermöglichte es ihm, ein ungeheures Tempo hinzulegen, wenn ihm
danach zumute war, bedeutet aber nicht, daß sein Spiel oberflächlich
war. Auf gesungenen Titeln paßte sich seine Gitarre wundervoll den
Lyrics an, und die Instrumentalstücke strotzen von der Begeisterung
und Freude, die er an seinem eigenen
Spiel hat. In grüne oder rote Anzüge
gekleidet, versetzte er sein Publikum gekonnt in Exstase.
“Ich halte nichts von deprimierender
Musik”, erklärte er einmal. “Das Publikum ist schließlich nicht
gekommen, um sich mies zu fühlen Mit dieser Art von traurigem Blues
habe ich nichts am Hut."
Während der 50er Jahre bemühte sich
Gatemouth ständig, seinen Stil über das zwölftaktige Schema des
Blues hinaus zu erweitern. Auf lnstrumentals wie dem klassischen
“Okie Dokie Stomp” spielt er rasante einzelne Noten, die auf
Jazztrompete und -saxophon basieren, und zieht immer häufiger seine
Geige hinzu. ' “Auf Platte gepreßt” erscheint seine Violine
allerdings erst nach seinen letzten
Aufnahmen für Peacock (1959 und 1961)
und zwar auf drei Titeln, darunter “Just before Dawn", einem
Stück mit einer geradezu unheimlichen Atmosphäre, das weder
eindeutig als Blues oder als Country Musik noch als irgendeine andere
Richtung klassifiziert werden kann.
DAS ENDE EINER
BEZIEHUNG
Die Zusammenarbeit mit Robey wurde
langsam immer schwieriger. Das Publikum verlangte nach anderer Musik,
und Robey kümmerte sich mehr und mehr um die aufsteigenden Stars
seines Labels – Bobby Bland und Junior Parker. Zwischen 1956 und
1959 machte Gatemouth keine einzige Aufnahme für Peecock, und 1961
drehte er dem Label ganz den Rücken zu. Er spielte für ein paar
kleine Label in Houston noch ein paar Titel ein, ehe er nach New
Mexico zog. In den 60er Jahren ging es mit Gatemouths
Platten-Karriere bergab. Er selbst behauptet, Robey hätte seine
Kontakte im
Musikgeschäft dazu genutzt, andere
Label davon abzubringen, ihn unter Vertrag zu nehmen. Er fand andere
Wege, um seine Familie durchzubringen, und arbeitete unter anderem
eine Zeitlang als Hilfssheriff in San Juan County.
ERNEUTER AUFSCHWUNG
Nach einer Europa-Tournee 1971 nahm
seine Karriere jedoch wieder Aufschwung. Er trat überall in den
Vereinigten Staaten bei Konzerten und Festivals auf und machte
Aufnahmen mit unterschied-lichster Musik, darunter ein interessantes
Cajun Blues-Album und eine hervorragende Country Musik-LP mit dem
bekannten Nashville-Veteranen Roy Clark.
Seine 1982 erschienene erste LP für
Rounder Records, Alright Againl, brachte ihm einen Grammy ein. Daß
er inzwischen auf Konzerten und Festivals in den USA wie auch im
Ausland (Afrika, Japan, China, der ehemaligen UdSSR sowie Südamerika)
eine so vertraute Figur geworden ist, verdankt er dem cleveren
Management von Jim Bateman, der ihn seit 1976 betreut. Statt
grellbunter Anzüge trägt er heute eine Cowboy-Ausrüstung und
spielt hauptsächlich Geige, wobei er von Keybord und einem Phaser
begleitet wird. Bluesmusik bildet nur einen Teil seiner Show, in sein
Bühnenrepertoire hat er auch Bluegrass, Country und Cajun Musik
genommen.
THE SHOW MUST GO ON
“Ich schau” nicht zurück und
versuche nicht, so wie vor zehn Jahren zu klingen sagt er. “Ich
such” mir schon mal so alte Melodie aus, spiele sie aber auf so
völlig andere Weise, daß sie kaum wieder
zuerkennen ist. Ich entwickle meinen
Stil immer noch weiter, bleib' nicht auf Erfolgen sitzen”
Als er 1994 seinen 70. Geburtstag
feierte, hatte er sich in New Orleans niedergelassen, wo er jedoch in
keinster Weise „festsitzt". Er tritt nach wie vor auf, wann
und wo immer er gefragt ist, und macht weiterhin kreative, innovative
Musik.
Clarence"Gatemouth"Brown New Orleans 1984
Clarence "Gatemouth" Brown , 81. Dass ihn die Leute wegen seines breiten
Grinsens "Riesenklappe" nannten, hat ihn nie gestört; aber als
Bluesbarde mit Gitarre wollte er nicht eingeordnet werden: Denn Brown
beherrschte ein halbes Dutzend Instrumente und fühlte sich in der
Country-, Cajun- und Jazzmusik genauso zu Hause wie im Blues. Sogar
Polkas hatte er in seiner Jugend in Texas gespielt. Später intonierte
Brown seine "True American Music" gern in Cowboy-Kleidung. Europa
entdeckte den eigenwilligen Künstler in den siebziger Jahren. Statt in
verrauchten Kaschemmen trat Brown nun beim Jazz-Festival in Montreux und
in der Londoner Royal Albert Hall auf. Als Hurrikan "Katrina" nahte,
flüchtete der in New Orleans lebende Brown ins texanische Orange. Dort
starb Clarence Brown am 10. September.
Beim Montreux Festival 2004 präsentierte Carlos Santana drei Blues-Legenden: Bobby Parker, Clarence 'Gatemouth' Brown und Buddy Guy.
Fast vier Stunden Blues auf drei DVDs. Auf jeder sind Carlos Santana und weitere Gäste zu hören und zu sehen.
Also denkbar gute Vorraussetzungen für ein Happening der besonderen Art.
Was es alles zu berichten gibt, soll in den Einzelrezensionen
vermittelt werden…
Einen Krimi beginnt man ja auch nicht in der Mitte oder gar am Ende des Buches. Folglich geht es zunächst um DVD 1: Bobby Parker.
Die Band eröffnet ihr Konzert mit Thelonious Monks Instrumental
"Straight Up No Chaser". Auch wenn es etwas jazzig beginnt, sind wir
recht schnell in einer bluesigen Interpretation des Songs.Ken Wenzel (saxophone) und der Harper Dane Paul Russel ergänzen sich perfekt und Steve Cecil spielt ein feines Keyboardsolo.
Mit "Break It Up" geht es schon mehr in die Vollen. Bobby Parker beeindruckt durch ein fließendes Gitarrenspiel und der Sound seines Arbeitsgerätes ist so richtig schön druckvoll. Wenzel und Russel
stehen wieder verdächtig nahe beieinander und spielen abermals unisono.
Das klingt super und mal schauen, ob es noch weitere Kostproben davon
gibt?
Noch 'ne Schüppe wird draufgelegt, wenn "Breaking Up Somebody's Home" von Albert King gespielt wird. Parker ist auf Betriebstemperatur gekommen und nutzt den Platz auf der riesigen Bühne. Jawoll, sein Solo spielt Parker am Bühnenrand und ist im nächsten Moment schon wieder am Mikro. Dann ist auch er im Einklang mit Wenzel und Russel. Das klingt famos.
In "Nothing But The Blues" hebt der Saxophonist zu einem überirdischen
Solo an und der Mann an der Harmonika folgt ihm auf dem Fuß. Steve Cecil hat den 'Schweineorgel'-Sound eingelegt und ist in seinem Element, wenn er von Parker
'angefeuert wird'.
Yeh, nothing but the Blues…
Ach ja, das Publikum: Die haben relativ wenig Möglichkeit, sich in Szene
zu setzten, denn die einzelnen Tracks reihen sich fast ohne Pause
aneinander. Dennoch hören wir den Applaus.
Tja, und "So Glad I Found You" macht es deutlich: Bobby Parker kann einerseits eine Gitarre wie Guitar Shorty, andererseits wie Jody Williams
spielen.
Abwechslung ist angesagt: "It's Unfair", von seinem hervorragenden Album
"Shine Me Up", bewegt sich in funkigen Gefilden. Dafür sorgt alleine
schon der komplett andere Keyboardsound. Parker ist immer noch in
Bewegung und ein weiteres Mal fließen die Töne aus seiner Gitarre.
Mann, er feiert 2007 seinen 70. Geburtstag und ist fit, wie ein
Turnschuh.
In the 1960s he played more R&B music, working with Otis Clay, Denise LaSalle, and Garland Green.
He also had his own group from the early 1960s, and by the late 1960s
he had released his first single. By 1974 he had returned to blues
playing, working with Jimmy Dawkins and touring Japan with Otis Rush in 1975.[2]
His first solo material appeared on Alligator Records and Delmark Records in 1978-79, when he was fifty years old. He was an award-winner at the first Blues Music Awards held in Memphis in November 1980. His career continued to pick up until December 2, 1988, when his touring van crashed in Indiana, killing his keyboardistSt. James Bryant and bassistLarry Exum.[2] Johnson was injured and took an extended hiatus from the music industry, but returned to record for Verve Records in 1994. In 2002, he recorded with his brother, Syl. He remained active and among other things toured Europe in 2009, playing both the UK as well as Copenhagen Blues Festival in Denmark.
Nachdem er jahrelang Soul in den Bars
seines Stadtviertels gespielt hatte, fiel es Jimmy Johnson auf einmal
ein, nach musikalischen Zeitgenossen Ausschau zu halten - und er
beschloß, sich ihnen anzuschließen. Das Ergebnis war, daß sein
Name heute in einem Atemzug mit dem Buddy Guys
oder Luther Allisons genannt wird.
Johnson hat sich zu einem der besten Soulsänger und
Blues-gitarristen der Chicagoer Bluesszene entwickelt und wurde in
den 90er Jahren auch international bekannt.
Im Jahre 1978 schrieb Jim O`Neal,
Chefredakteur der Zeitschrift Living Blues: “Zu den wichtigsten
Ereignissen, die in den 70er Jahren in der Chicagoer Blues-Szene
stattfanden, gehört die 'Verwand-lung' Jimmy Johnsons, der sich im
Alter von 45 dazu entschloß, Bluesman zu werden. Und was für einer!
Heute zählt er zu den eindrucksvollsten Sängern und Gitarristen des
modernen Chicago Blues. Sein progressiver Stil verbindet technisches
Know-How mit umwerfenden, vom Gospel beeinflußten Vocals” Mit
diesen Worten feiert O'Neal Johnsons amerikanisches Platten-Debut:
Jimmy bestritt zu einem Drittel das erste Album in der vom
Alligator-Label herausgegebenen Serie Living Chicago Blues. Johnson
glänzte darauf mit Percy Mayfields Titel “Serves Me Right to
Suffer“, dem Südstaaten-Soulklassiker
“Feel Like Breaking Up Somebody”s Home” und zwei weiteren
R&B-Standards. Viele Kritiker hielten seinen Beitrag für den
besten des Albums. “Umwerfend”, so ihr Urteil. “Eine
Offenbarung. Das Juwel der Serie”
Innerhalb der nächsten zwei Jahre
spielte Johnson für das Chicagoer Delmark-Label zwei weitere Alben
ein, die wiederum auf hohes Lob der Kritiker stießen. Er gab mehrere
Konzerte in Europa und machte dort eine LP für das französische
Label Blue Phoenix (die in den USA später bei Alli-gator erschien).
Johnson war schon immer in Frankreich populär gewesen: 1993 widmete
ihm das französische Musik-Magazin Soul Bag eine 'Cover Story, und
1994 brachte er im Auftrag der
französischen Niederlassung von
Polygram Records sein Album I 'm a Jockey heraus.
Jimmy Johnson , Chicago Blues Legend , Sky is Crying
EINFACHE HERKUNFT
Jimmy Johnson wurde am 25. November
1928 in Holly Springs, Mississippi, geboren. In dem
Interview mit Soul Bag berichtete er:
“Meine Kindheit verbrachte ich damit, Baumwolle zu
pflücken und Korn zu pflanzen, denn
wir lebten auf einer Farm. In meiner Heimat spielte fast jeder
Gitarre, aber in meiner Familie gab es kein einziges Instrument, denn
wir waren zu arm. Mein Vater konnte allerdings trotzdem ein bißchen
Mundharmonika und Gitarre spielen." In der Schule lernte Jimmy
Klavier spielen; außerdem sang er in einer Gospel-Gruppe namens
United Five. Jimmy: “Als ich das Licht der Welt erblickte, hab' ich
wohl gleich zu meiner Mutter gesagt: 'Wo ist das Mikrophon?' Mit dem
ersten Schrei lernte ich zugleich singen. Bin zum Sänger geboren.
Kann
mich gar nicht mehr erinnern, in wie
vielen Gospel-Gruppen ich gesungen habe." 1950 zog er nach
Chicago und schloß sich dort der Gruppe Golden Jubilaires an, zu der
auch der große Soulsänger Otis Clay einmal gehört hatte. ln
Chicago wohnte Jimmy bei einem Onkel. Dieser war Geistlicher und
hatte etwas dagegen, daß Jimmy Gitarre spielen lernte. In einem
Interview mit Living Blues im Jahre l980 erinnerte Jimmy sich wie
folgt an diese Zeit: “Ich hatte dann also großer Krach mit meinem
Onkel wegen dem Gitarrespielen. Ich sagte zu ihm: “Mann, ich bin
jetzt erwachsen, und komme, was da will ich werd' mir früher oder
später “ne Gitarre besorgen, ob du mich rausschmeißt oder nicht.
Da hat er klein beigegeben, und ich durfte bleiben. Aber er sagte
mir: “Wenn du Scha-den an deiner Seele nehmen willst dann tu”s.'”
Im Januar 1959 erstand Jimmy seine
erste Gitarre - von Billy Boy Arnold. “Und meinen ersten Auftritt
hatte ich am 4. Juli (dem amerikanischen Unabhängigkeitstag). Ich
hatte zwar in den sechs Monaten bis dahin was gelernt, aber längst
nicht genug. Ich tat mich dann mit Slim Willis, einem
Mundharmonikaspieler, zusammen, und wir kriegten auch Engagements.
Willis sagte zu mir: 'Du spielst zwar noch nicht sehr gut Gitarre,
aber du hast zweifellos Talent. Kannst bleiben. Und so blieben wir
anderthalb Jahre zusammen, und ich machte große Fortschritte”
Jimmy wußte allerdings, daß er immer noch viel zu lernen hatte, und
sah sich deshalb nach Musiklehrern um. Aus den Gelben Seiten holte er
sich die Adresse des Boston Music College, hatte aber dort kein
Glück. “Ich lernte zwar Grundbegriffe wie Notenlesen und Akkorde
greifen, aber der Lehrer war'n Weißer, der mir nur Hillbilly Songs
beibringen wollte. Daran hatte ich natürlich kein Interesse. Der Typ
hatte von Jazz und Blues und so keine Ahnung. Als ich also hörte,
daß Reggie Boyd (der Studio-gitarrist bei Chess Records) Unterricht
gab, da ging ich gleich zu ihm. Zwei Jahre lang hat er mir einmal pro
Woche Stunden gegeben." Auf Jimmys Partnerschaft mit Slim Willis
folgte seine Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Johnny Hi-Fi und mit
Earl Hooker. Durch Kontakt zu dem Schlagzeuger Jump Jackson kam es
dazu, daß er einen Song zu einer Demo-Kassette beitrug, die in den
60er Jahren nach Europa gelangte. Daraufhin wurden etliche andere
Musiker, die auf der Kas-
sette zu hören waren (wie Memphis Slim
oder Shakey Jake) zum American Folk Blues Festival eingeladen und
reisten nach Europa. Aber “Long About Midnight", der Song von
Jimmy Thomspon, fand keinerlei Echo. “Jimmy Thompson”? So lautete
Jimmys eigentlicher Name. Zu “Johnson” kam es wie folgt: Jimmys
Bruder Syl, der neun Jahre jünger war als er, kam 1959 zu King
Records, um Aufnahmen zu machen. Dem Label gefiel der Name “Syl
Thompson" nicht, und man machte daraus “Syl Johnson". Das
“Johnson” blieb auch an Jimmy haften. Syl, der kleine Bruder,
machte sich mit Hits wie “Come on Sock it to Me” und “lt's
Because I'm Black" auf der
Chicagoer Soulszene einen Namen.
CHICAGO CLUBS
In den 60er Jahren arbeitete Jimmy
Johnson fast ausschließlich in den Clubs von Chicago. Jimmy: “Zu
der Zeit war's leicht, Engagements zu finden. Es gab buchstäblich
Hunderte und Aberhunderte von Musikclubs in Chicago - wie z.B. Blue
Flame, Brass Rail, Happy Home, usw." Jimmy schien allerdings gar
nicht soviel in der Szene herumgekommen zu sein, denn er hatte fünf
Jahre lang ein
festes Engagement im Blue Flame und
dann jeweils ein zweieinhalbjähriges im Happy Home und im White Rose
in Phoenix, Illinois. “Wir spielten nicht nur reinen Blues. Wir
brachten auch Bobby Blue Band Blues, der sehr modern ist, und B.B.
King und Little Milton, und dann Sachen von Hank Ballard, Chubby
Checker, Jaclde Wilson, Chuck Johnson und von den Impressions, den
Tempta-
tions, von Marvin Gaye, James Brown,
Wilson Pickett, Otis Redding Solche Songs eben, die man eher als
“Soul` bezeichnen kann. Hab” auch Luther Allison kennengelernt.
Der war`n toller Gitarrist, spielte wie B.B. King. War auch “n
guter Sänger, was nie schaden kann. Denn in unserer Szene, da kann
man vielleicht “n mittelmäßiger Gitarrist sein, ohne daß es was
ausmacht, aber singen können muß man. Wenn man “ne gute Stimme
hat, dann braucht man sich nicht hinter sei-
ner Gitarre zu verschanzen."
Während seines Engagements im Happy
Home holte sich Jimmy seinen Bruder zu seiner Band dazu - und zwar
nicht Syl, sondern Mac. Mac war sechs Jahre jünger als Jimmy. Er
behielt als einziger der drei Brüder den Familiennamen “Thompson”
bei. Er spielte Baß in Jimmys Band, die sich noch
um zwei Saxophonspieler, einen
Trompeter und einen Posaunisten vergrößerte. “Ich war der erste,
in dessen Band zwei Bläser spielten“, prahlte Jimmy. “Alle
anderen kamen mit einem aus oder holten sich höchstens noch “ne
Mundharmonika dazu. Und wir waren gut, Mann! Wir wußten, wo's lang
ging."
FUNKY STUFF
Etwa 1968 erschien unter dem Namen
Jimmy Johnson & The Lucky Hearts eine Single beim
Stuff-Label mit dem Titel “Work Your
Thing". Es handelte sich um ein “funky” Instrumental,
das jedoch keinerlei Erfolg hatte. Aber
im gleichen Jahr kam noch ein Instrumental heraus, “Sock it to Me",
bei Syl Johnsons Shama-Label. Offiziell stammte es von den Deacons,
aber dazu gehörte auch Jimmy Johnson. Er hatte seinen Bandleader-Job
geschmissen und arbeitete jetzt in der Backing Band seines Bruders,
außerdem als Begleitmusiker: “Ich spielte mit vielen R&B-Musikern,
wie Otis Clay, Denise LaSalle, Garland Green und Walter Jackson. Wir
traten in erstklassigen Clubs auf, von denen es heute kaum noch
welche gibt. Mehrere hundert Leute kamen zu unseren Shows. Ich konnte
damals von meiner Musik leben und brauchte keinen Tagesjob als
Schweißer mehr."
“Von der Musik leben", hieß in
Jimmys Fall “von der Gitarre leben". “Ich mußte jede Woche
mit anderen Solisten spielen. Wenn man da nur eine Note nicht richtig
hinkriegte, dann haben sie dich zur Sau gemacht. Also mußte man sich
konzentrieren." Jahrelang stellte Jimmy nun seine Vocals zurück,
und als in den 70er Jahren der Soul immer weniger populär wurde,
konnte er auch vom Gitarrespielen allein nicht mehr leben. Er mußte
sich nun sein Geld als Taxifahrer verdienen.
Jimmy Johnson You Don't Know What Love Is
WIE NEUGEBOREN
Etwa 1974 schloß er sich wieder der
Musikszene an ~ diesmal als Bluesman. “Ich sah mir Buddy [Guy] an,
und Luther [Allison] und Mighty Joe [Young]. Mann, wir sind praktisch
mit der Musik der anderen aufgewachsen. Die spielten immer noch ihren
Blues, und was machte ich? Also dachte ich mir, spiel' ich auch mal
Blues.“ Er trat ein paarmal mit Johnny Young, dem Schlagzeuger
Willie Williams, mit Sunnyland Slim oder den Aces auf, aber erst
Jimmy Dawkins, wie Johnson Gitarrist, gab ihm den entscheidenden
Schubs. “Er hat mich ein Jahr lang bequatscht, denn er mochte
meinen Stil. Aber ich glaube, er hat mich nur deswegen angeheuert,
weil er 'ne Soulband haben wollte. Denn wenn man mal genau hinhört,
dann haben alle Titel, die er an einem Abend spielt, “nen Touch von
Soul." Steve Tomashefsky, der als Co-Produzent bei Delmark für
Johnsons Aufnahmen verant-
wortlich war, erinnerte sich, wie
Johnson und Dawkins zum ersten Mal zusammenspielten:
“Das war bei “ner Party in 'nem
Loft. Nach einem besonders heißen Gitarrensolo sagte ich zu Wes Race
[einem anwesenden Blues-Fan], daß die Band eigentlich keine zwei
Star-Gitarristen brauchte Er aber meinte, das sei schon richtig so,
und er hatte recht." Auf die Zusammenarbeit mit Dawkins folgte
eine Tournee mit Otis Rush im Jahre 1975 in Japan. Als er im Oktober
wieder zurück nach
Chicago kam, erhielt er einen
überraschenden Besuch des französischen Plattenproduzenten
Mar-celle Morgantini, der fünf Johnson-Songs, begleitet von Dawkins'
Band, mit ihm aufnahm. Am nächsten Tag tauschten er und Dawkins die
Rollen, und Jimmy begleitete Dawkins. Das Ergebnis bestand in dem
Album Ma Bea 's Rock (MCM), auf dem sich auch drei Titel des Sängers
und Gitarristen Luther Johnson Jr. befanden. Ma Bea 's Rock machte
Jimmy in Europa bekannt. Zwei Jahre später spielte Johnson ein
weiteres Album ein, Tobacco Road (MCM), das ausschließlich aus
seiner eigenen Musik bestand. Er kehrte in die USA zurück und nahm
für den Plattenproduzenten Nat Meadows ein paar Soul-Titel auf, und
für den Veteranen unter den Bluesproduzenten, Ralph Bass, machte er
ebenfalls eine Session. Nichts davon wurde veröffentlicht, aber die
für Bass einge-
spielten Titel tauchten schließlich in
Großbritannien wieder auf (vier davon sind auf unserer Blues
Collection CD enthalten). Es folgte das besser vermarktete Album
Living Chicago Blues (Alligator), das für einen Grammy nominiert
wurde, und das etwas verrückte, aber ansprechende Delmark-Album
Johnson's Whacks. Ende der 70er Jahre hatte Johnson zwei weitere
Europatour-neen hinter sich, und es sah endlich so aus, als befände
er sich auf dem Weg zum Ruhm.
MIT BEIDEN FÜSSEN AUF
DER ERDE
Da er so lange auf den Erfolg hatte
wartet müssen, gab sich Johnson keinerlei Illusionen mehr hin: “lch
mache nicht mehr aus Spaß Musik. Die Musik ist mein Beruf. Wenn ich
damit kein Geld verdienen kann, spiele ich eben nicht.” Und er
hatte auch seiner Musik selbst gegenüber eine kühle, praktische
Haltung “Wenn man Musik macht, dann spielt man normalerweise die,
die man am liebsten mag. Aber im Blues geht das nicht. Man muß sich
an die Vorschriften halten." Trotzdem konnte er mit Stolz von
sich behaupten: “Mein Blues hat ungeheures Feeling. Und ich meine,
daß
ich mit meinem Blues den besten Typen
in der Branche Konkurrenz machen kann."
Dennoch schien ihm der ganz große
Durchbruch nicht zu gelingen. Sein zweites Delmark-Album,
North/South, kam 1982 heraus Es enthielt neun Johnson-Originaltitel
und war seine bisher beste LP. Der Texter Doc Pomus hatte recht
behalten, wenn er sich wie folgt über Jimmy Johnson äußerte: “Er
war immer “funky` und gleichzeitig echt. Es ist beinahe unheimlich,
was für eine Fähigkeit er
besitzt, genau die richtigen Songs zur
richtigen Zeit zu schreiben Er trifft genau das Herz des Publikums."
Jimmy gründete eine Band mit eindrucksvoller Besetzung: mit Larry
Burton (Rhyth
musgitarre), James Bryant (Keyboards),
Larry Exum (Baß) und Fred Grady (Schlagzeug). Sie erhielten jede
Menge Angebote aus Eurpa, und nichts schien schief gehen zu können.
Aber dann passierte das Unglück: Im Winter 1988 kamen sie früh
morgens von einem Auftritt zurück, als ihr Kleinbus von der Straße
abkam, in Brand geriet und schließlich in einem Graben steckenblieb.
Burton, Grady und Johnson waren nur leicht verletzt, aber Bryant und
Exum starben auf dem Weg
ins Krankenhaus.
ZURÜCK INS LEBEN
Jimmy erholte sich nur langsam von dem
Unfall - zum Teil deswegen, weil seine Verletzungen aus Brandwunden
an den Händen bestanden hatten. Aber im Sommer 1993, als er fast 35
Jahre in der Musikbranche hinter sich hatte, gelang ihm schließlich
der große Wurf: Eine Aufnahme-Session mit einem großen
Platten-Label und einem Etat, von dem er vorher nur hätte träumen
können. Der bekannte Chicagoer Arrangeur Gene Barge wurde
angeheuert, dazu vier Bläser, die seine Arrange-ments spielten. Das
Album trug den Titel I'm a Jockey (Birdology), und außer Johnson
geben darauf der Mundharmonikaspieler Billy Branch und der Pianist
und Gitarrist Lucky Peterson eine Einlage.
Mitte der 90er Jahre befand sich Jimmy
Johnson auf dem Höhepunkt seiner Karriere und konnte sich seiner
musikalischen Fähigkeiten absolut sicher sein. “Mir liegt die
Musik im Blut”, sagt er. “Ich hab” immer neue Ideen. Aber ich
muß in den Grenzen des Blues bleiben, und die sind ziemlich eng.
Wenn man sich über die Grenzen hinauswagt, dann gerät man leicht
ins Feld der Popmusik, und da ist die Konkurrent einfach
unwahrscheinlich groß. Ich will nicht in die gleiche Kategorie wie
z.B. Al Jarreau gehören. Der ist für mich ein toller Sänger, einer
der besten, den es gibt. Aber das ist kein Blues mehr. Wenn ich gegen
jemand antrete, dann gegen Leute wie Jo Louis Walker oder Robert
Cray.”