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Freitag, 6. September 2013

Magic Slim

Magic Slim

http://www.magicslimblues.com/

I´m a Bluesman


Magic Slim (eigentlich Morris Holt; * 7. August 1937 in Torrence, Mississippi; † 21. Februar 2013 in Philadelphia) war ein US-amerikanischer Blues-Gitarrist, Sänger und Songschreiber. Mit seiner Band "The Teardrops" war er – neben Magic Sam – der bekannteste Vertreter des "West Side Chicago Blues".
Ursprünglich spielte Magic Slim Klavier. Bei einem Unfall verlor er jedoch einen Finger und war daher dazu nicht mehr in der Lage. 1955 spielte er in Chicago einige Zeit in Robert Perkins Band "Mr. Pitiful & the Teardrops", bevor er nach Mississippi zurückkehrte.
1965 versuchte er es mit seinen Brüdern Nick und Lee Baby erneut in Chicago. Als "Magic Slim & the Teardrops" machten sie einige Aufnahmen und hatten beträchtlichen Erfolg. Der große Durchbruch gelang ihnen 1977 mit dem Album Born Under A Bad Sign.
Magic Slim & the Teardrops wurden 2000 mit dem Living Blues Award und 2003 mit einem Handy Award als Bluesband des Jahres ausgezeichnet. Insgesamt hat Magic Slim im Lauf seiner Karriere sechs Handy Awards gewonnen (Stand: 2006).

Er war einer der letzten Alten des Chicago Blues. Magic Slim starb am 21. Februar in einem Krankenhaus in Philadelphia. Bereits seine letzte Europatour im November hatte der 75-jährige Sänger und Gitarrist kurz vor seinem Auftritt bei einem Festival in Idar-Oberstein abbrechen müssen. Mit seiner Band The Teardrops war der hünenhafte Musiker bekannt geworden als unermüdlicher Botschafter eines gitarrenbetonten urbanen Blues, wie er in den 1950er-Jahren in den Clubs der Windy City entstanden war. Das letzte Album „Bad Boy“ war noch im vergangenen Jahr erschienen.
Mit 18 war der als Morris Holt in Grenada, Mississippi, aufgewachsene Slim nach Chicago gezogen und hatte zunächst an der Seite von „Magic Sam“ Maghett, von dessen furioser Gitarentechnik er sich einiges abguckte, Bass gespielt. Weil er zunächst nicht Fuß fassen konnte, ging er wieder zurück in den Süden, bis er dann Mitte der 1960er mit den Teardrops eine Single aufnahm und sich endgültig in Chicago etablierte. Die erste LP erschien 1977. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Magic Slim zwei Dutzend Alben, mehr als die Hälfte davon bei europäischen Labels. Er wurde mehrfach mit Preisen wie dem „WC Handy Award“ ausgezeichnet.


Bad Boy    Magic Slim Audio CD

 

Nachruf auf Magic Slim

Ein ganz Grosser ist gegangen
Mit Magic Slim hat der Blues einen weiteren Vertreter der alten Schule verloren. Er war einer der bedeutesten Interpreten des West Side Chicago Blues. Als Morris Holt kam er am 7. August 1937 in Torrence, Mississippi zur Welt. Er verkörperte den klassischen Bluesman: Seine Eltern waren Sharecropper und er musste schon als Kind mitarbeiten. Früh erlernte er das Pianospiel und sang im Kirchenchor. Im Alter von dreizehn Jahren verlor er beim Arbeiten an einer Cotton Gin einen kleinen Finger und wechselte deswegen zur Gitarre. Sein erstes Instrument bestand aus Draht an einem Besenstiel. Die Familie siedelte 1948 nach Grenada. Mit achtzehn kam er nach Chicago, wo ihn ein Freund aus Grenada, Magic Sam (Samuel Gene Maghett) unter seine Fittiche nahm. Magic Sam liess Ihn Bass in seiner Band spielen und gab ihm auch seinen Übernahmen Magic Slim. Sein Erfolg war mässig und so kehrte ins Delta zurück, und spielte einige Jahre mit seinen jüngeren Brüdern Nick (1940 - 2009) und Douglas «Lee Baby» (1944 - 2006) in Grenada, Charleston und anderen Städten im Delta. Daneben half er seinem Stiefvater in dessen Transportgeschäft und verkaufte Holz und selbstgebrauten Whisky.
1965 zog es ihn erneut nach Chicago und spielte mit Robert «Mr. Pitiful» Perkins & the Teardrops Nachdem Perkins die Band verlassen hatte, übernahm er sie und formte daraus Magic Slim and The Teardrops. Die Band entwickelte sich prächtig und stetig und erreichte bis 1980 den Status als Inbegriff einer Chicago Blues Band. Ab 1976 spielte er unzählige Alben ein und ab 1978 begann er auch in Europa aufzutreten. Der Durchbruch hatte die Band mit dem 1977 erschienenen Album Born Under A Bad Sign. Zwischen1982 und 1995 spielte John Primer in der Band mit. Magic Slim wurde 44 mal für den Blues Music Award (früher W.C. Handy Award)  nominiert und gewann den Preis insgesamt sechs Mal. 2000 wurde er zudem mit dem Living Blues Award der gleichnamigen Zeitschrift ausgezeichnet, die ihn als National Treasure bezeichnete.

Er zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass er einen besonderen Slide Stil entwickelt hatte, der ohne technische Hilfsmittel auskam. Zudem gelang es ihm, aus fast jedem Song einen aufwühlenden Shuffle zu kreieren. Sein Gitarrenspiel war unverkennbar und einzigartig. Trotz gesundheitlicher Probleme tourte er bis zuletzt mit dem Gitarristen und Sänger Jon McDonald, dem Bassisten André Howard und den beiden Schlagzeugern Brian Jones und David Sims. Wir werden ihn vermissen.


 
Magic Slim Slow Blues Mix Tribute R.i.p.

Morris Holt, alias Magic Slim, ist am 21. Februar in einem Krankenhaus in Philadelphia im Alter von 75 Jahren verstorben. Der am 7. August 1937 in Torrence (Mississippi) geborene Gitarrist und Sänger war bereits während seiner Europatournee im Herbst vergangenen Jahres mit Atemproblemen in eine französische Klinik eingeliefert worden und musste seinen einzigen Deutschland-Auftritt beim Festival in Idar-Oberstein absagen. In den USA hatte er vor einigen Wochen wieder Konzerte mit seiner Band The Teardrops gespielt, doch nachdem sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte, musste er erneut stationär behandelt werden. Magic Slim etablierte sich in den 60er-Jahren in der Chicagoer Bluesszene, so spielte er unter anderem in der Band von Bob Perkins, die sich Mr. Pitiful & The Teardrops nannte und die Slim Mitte der 60er übernahm. Er zählte über 50 Jahre zu den dynamischsten Vertretern des Chicago-Blues und verfügte nicht nur wegen seiner Größe von fast zwei Metern über eine enorme Bühnenpräsenz. Zu der trugen auch sein rauer Gesang und ein durchdringender Gitarrenton bei. "The Bad Boy Of Down Home Chicago Blues" lautet die Überschrift zur Titelstory mit Magic Slim in bluesnews 72, auf sechs Seiten lässt Autor Klaus Kilian dort eine lange und beeindruckende Musikerkarriere Revue passieren.



Grand Slam  Magic Slim Audio CD





Magic Slim & The Teardrops - Grand slam

Magic Slim & The Teardrops - Grand slam
Hier die wahrscheinlich wichtigste(und für viele auch die beste) Veröffentlichung von Magic Slim alias Morris Holt. Die Stücke 1-11 stammen aus 1982 und 12-14 als Bonustracks von einer EP aus dem Jahre 1975.
In Mississippi geboren, kam Slim 1955 nach Chicago, aber relativ erfolglos kehrte er der Stadt bis 1965 den Rücken. Erst 1979, im Zuge der Erneuerung des Chicagoblues, kam er zu Ehren und Erfolg.
Seitdem veröffentlicht er CDs in Folge, wobei auch die neueren Produktionen (nur am Rande)wie „Snakebite" oder „Blue Magic" sehr zu empfehlen sind.  Doch die „Grand Slam" bleibt auch für mich die beste CD dieses Mannes, der als lautester Gitarrist Chicagos gilt. ;Ein Vergleich mit Hound Dog Taylor kommt auch nicht von ungefähr, zumal dieser einer der Vorbilder Slims war.
Ähnlich wie bei Taylor ist Slims Sound rau und ungehobelt, sehr trocken, rockig und äußerst „verhallt", wobei seine Gitarre scharf akzentuiert.
Hier unterscheidet er sich dann aber auch von Hound Dog, nämlich als virtuoserer Gitarrist, aber ähnlich wie bei Hound Dog, sehr „beseelt" und ergreifend.  Funkige Klänge(„Slammin'") wechseln sich ab mit Reminiszenzen an den Freund aus der Kinderzeit - Magic Sam-, bei „She belongs to me", und hier als direktem Vergleich zu Hound Dogs Version - „Give me back my wig" gibt es auch hier diesen Titel!
Eingespielt wurde „Grand Slam" mit
Magic Slim, vocals ,lead guitar –
Pete Allen, guitar –
Nick Holt(das ist der Bruder), bass—
Nate Applewhite, drums.


Wer also auf harten, direkten, lauten Chicagoblues(with a feeling) steht, sollte diese Scheibe nicht unbeachtet lassen! 



Magic Slim & The Teardrops: Hard Luck Blues (1995)

Donnerstag, 5. September 2013

Earl Hooker & Junior Wells

Earl Hooker & Junior Wells

Earl Hooker (* 15. Januar 1929 oder 1930 in Clarksdale, Mississippi; † 21. April 1970 in Chicago, Illinois), mit vollem Namen Earl Zebedee Hooker, war ein US-amerikanischer Bluesmusiker und ein Cousin der Blues-Legende John Lee Hooker.[1]Mit 10 begann er Gitarre zu spielen und ging 1941 in Chicago in die Lyon and Healy School of Music. Mitte der 40er nahm er bei Robert Nighthawk Gitarrenunterricht. Im Oktober 1969 kam er im Rahmen einer Tour mit dem American Folk Blues Festival nach Europa. Jedoch schien diese Tournee ihn körperlich überanstrengt zu haben, da Hooker nach einigen Auftritten im November und Dezember 1969 in Chicago ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er dann aufgrund von Komplikationen seiner Tuberkuloseerkrankung verstarb.[2] Er ist in Chicago begraben.

Junior Wells (* 9. Dezember 1934 in Memphis, Tennessee, USA; † 15. Januar 1998 in Chicago, Illinois), eigentlich Amos Blackmore, war ein US-amerikanischer Blues-Musiker. Sein Instrument war die Mundharmonika. Er spielte mit Muddy Waters, Buddy Guy, Magic Sam, Lonnie Brooks und den Rolling Stones.
Geboren in Memphis, wuchs Wells in Arkansas auf. Bereits im Alter von sieben Jahren spielte er Mundharmonika, die ihm von seinem Cousin Junior Parker und Sonny Boy Williamson beigebracht wurde.[1] 1948 ging er nach Chicago. Mit 18 Jahren spielte er in der Band von Muddy Waters, mit der er auch seine ersten Plattenaufnahmen machte. In den 1960ern arbeitete er vor allem mit Buddy Guy.

Die bekanntesten Songs von Junior Wells sind Messin’ With the Kid und Little By Little, sein bekanntestes Album ist Hoodoo Man Blues von 1965.

Einen Auftritt hatte er im Film Blues Brothers 2000, der kurz nach seinem Tod in die Kinos kam. Junior Wells starb 1998 an einem Herzinfarkt, während er sich in Krebsbehandlung befand. Er wurde auf dem Oak Woods Cemetery in Chicago beigesetzt. Bei seinem Begräbnis spielten Billy Branch, Sugar Blue und Harmonica Hinds einen Trauermarsch.[2]

Earl Hooker & Junior Wells / You Dont Care
Blues Partners

Jede Musikrichtung hat unbesungene Helden, auch der BIues._Bluesgrößen wie B.B. King oder Buddy Guy hielten Earl Hooker für einen der besten Bluesgitarristen der Nachkriegszeit. Diese Anerkennung war Earl Hooker jedoch zu seinen Lebzeiten nicht vergönnt. Sein früher Tod setzte der Partnerschaft mit dem Mundharmonika-As Junior Wells ein trauriges Ende.

Ruhm und Ehre können nicht an Geld oder am Einkommen gemessen werden, ebenso wie kom-merzieller Erfolg nicht unbedingt ein Zeichen von Können ist. In der Welt des Blues, in der sich viele einer einmal etablierten Stilrichtung anpassen und ihr treu bleiben, sind Interpreten, die ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lassen und sich über Traditionen hinwegsetzen, selten. Earl Hooker gehörte zu solchen Freigeistern. Dieser talentierte Gitarrist ließ sich sowohl von Jazz, Country und populärer Musik sowie dem Blues inspirieren. Ehe es Verstärker gab, benutzten Bluesmusiker ihre Gitarre als Rhythmus-lnstrument, die Melodie eines Songs wurde hauptsächlich durch die Verse bestimmt. Zusätzliche Verzierungen erreichte man durch die Verwendung eines Bottlenecks, wodurch man der Gitarre Töne entlockte, die Ähnlichkeit mit einer menschlichen Stimme hatten. Man darf nicht Vergessen, daß nur wenige Bluesmusiker eine solide musikalische Ausbildung
durchlaufen hatten. Eine bemerkenswerte Ausnahme unter ihnen war Lonnie Johnson, der nicht nur die Gitarre, sondern auch die Geige beherrschte. Schon auf seinen ersten Aufnahmen verblüfft
seine unglaubliche Technik, mit der er simplen Blues mit der Jazzmusik von Duke Ellington und Louis Armstrong kombiniert.

Earl Hooker & Junior Wells / Lazy Mule 



IM JAZZ VERANKERT

Auch viele andere Pioniere der E-Gitarre hatten ihre Wurzeln im Jazz, wie Eddie Durham, Charlie Christian und Georges Barnes. Barnes fungierte auch als Begleitmusiker auf Blues-Sessions von Big Bill Broonzy und Jazz Gillum. In der zweiten Hälfte der 40er Jahre tauchte T-Bone Walker auf, der Mann, der praktisch den Sound der modernen Bluesgitarre kreierte. Die Vertreter des Chicago Blues eigneten sich diese neue Stilrichtung allerdings nur langsam an, da sie sich zwischen dem traditionellen Blues von Willie Lacey, dem Hausgitarristen der Bluebird-Sessions, und der rohen Power der Slide Gitarre von Muddy Waters nicht entscheiden konnten. Jahre später transformierte Robert Junior den Sound der Chess Blues-Sessions mit einem Stil, in dem er Blues-Rhythmen mit einer vom Jazz beeinflußten melodischen Phrasierung verband.

Come on in This House   Junior Wells Audio CD


Als die 50er Jahre voranschritten, übernahmen Otis Rush, Magic Sam, Freddie King und Buddy Guy die Techniken von T-Bone Walker und B.B. King und veränderten so den Chicago Backbeat. Manche heutige Rock-Gitarristen, die sich auf der Bühne wie wild ins Zeug legen, haben diese Intensität solchen einstigen Blues-Größen abgeguckt. Zu jener Zeit gab es jedoch einen Musiker, der sich weigerte, sich diesem Stil anzupassen - Earl Hooker. Earl Zebedee Hooker kam am 15. Januar 1929 in Clarksdale, Mississippi, zur Welt. Die Eltern waren Profis im Showbusineß: Earl
Senior spielte Mundharmonika, Geige und Gitarre, Mutter Mary Blair war ein Mitglied der Rabbit Foot Minstrels gewesen. 1930 zog die Familie Hooker nach Chicago. Earl Junior wuchs im Getto heran, und wenn er nicht auf seiner Gitarre herumzupfte, machte er mit einer Gang die Straßen unsicher. Zu einem seiner “Straßenopfer” zählte der Gitarrist Louis Myers: “Sie überfielen uns ein-
mal in der 35th Street - und das nächste Mal, als ich Hooker wiederbegegnete, spielte er an einer Straßenecke Gitarre” Hooker erstand seine erste Gitarre von Sears & Roebuck. Mit ihr unterm Arm verließ er im Alter von 13 Jahren das Elternhaus in Chicago und kehrte nach Clarksdale zurück, wo er vor Robert Nighthawks Musikladen herumlungerte und den Bluesmusikern zuhörte, die sich um ihren Meister (Nighthawk) versammelt hatten. Von Nighthawk lernte er, wie man ein Bottleneck benutzt. Dieser wiederum hatte es Houston Stackhouse abgeguckt, stand aber auch unter dem Einfluß von Tampa Reds Slide Gitarre, der er glasklare Töne entlocken konnte. Hooker übernahm diese Technik und erweiterte sie dadurch, daß er sein Instrument in der üblichen Stimmung der Gitarre, nicht der offenen der Slide Gitarre, stimmte. Hooker war jedoch nicht nur wegen seines
Gitarrenspiels bekannt, sondern auch als Gelegenheitsdieb, und das war der Grund, warum ihm Nighthawk schließlich verbot, seinen Laden je wieder zu betreten. Also zog Hooker weiter und landete in Helena, Arkansas, wo er sich Houston Stackhouse, Robert “Dudlow” Taylor und James “Peck” Curtis - den King Biscuit Boys - anschloß. In den folgenden zwei Jahren, die er in Helena verbrachte, trat er im Rahmen der Feiern der 2000. Sendung der King Biscuit Time des Rundfunk-senders KFFA auf und spielte mit Joe Willie “Pinetop” Perkins, Lee Kizart, Boyd Gilmore und dem jungen lke Turner. Danach zwangen ihn seine Ruhelosigkeit und seine Neigung zum Stehlen wieder zum Reisen. Im Juli 1950 wurden Hooker, der Pianist Ernest Lane und der Schlagzeuger Kansas City Red zu sechs Monaten Gefängnis (im Vandalia State Prison) verurteilt, nachdem im Palms Hotel in Cairo, Illinois, einige Lautsprecher verschwunden waren. Viele seiner Freunde sind überzeugt davon, daß sich durch diesen Gefängnisaufenthalt die Tuberkulose, die er sich als Teenager zugezogen hatte, verschlimmerte. Ein Jahr später spielte er bei Chess vor, doch es kam nicht zu Aufnahmen im Studio, da er abermals verhaftet wurde. Big Jim Wade, ein Promoter aus Cairo, hatte ihn des Vertragsbruches angeklagt.

 earl hooker - blue guitar

RUHELOSER VAGABUND

Anfang der 50er Jahre reiste er regelmäßig nach Chicago, um dort Musiker für Tourneen durch die Südstaaten anzuheuern. “Ich kenne niemanden, der soviel durchs Land zog wie Earl Hooker”, sagte der Pianist Billy Emerson. “Er schmiß seinen Job hin und machte sich in eine andere Stadt auf, wo er bereits am nächsten Abend auftrat." Emerson lernte Hooker 1952 in Bradenton, Florida, kennen, als Hooker dort im November seine Debut-Session für das King-Label machte, und zwar vier lnstrumentalstücke, die später auf einem Album seines Cousins John Lee Hooker veröffentlicht wurden.

IM PLATTENRAUSCH

1953 machte Hooker zwei Aufnahme-Sessions: Im April spielte er in Miami, Florida, für das Rockin`-Label “Sweet Black Angel" und “On the Hook” ein; im Juli nahm er zusammen mit “Pinetop” Perkins und Boyd Gilmore ein paar Songs für Sun Records auf, darunter eine Version von “Blue Guitar". Keine dieser Platten erschien zu seinen Lebzeiten, obwohl Sam Philips sehr von ihnen beeindruckt war. Während Otis Rush und die anderen “Blues-Neulinge” dabei waren, dem Chicago Blues einen neuen Stil zu verpassen, blieben ihm Hooker, Kansas City Red und der Multi-Instrumentalist Johnny “Big Moose” Walker treu und zogen weiterhin als fahrende Bluesmen durchs Land. Doch wenn immer Hooker in Chicago auftauchte, zollten ihm seine zeitgenössischen Kollegen in Chicago großen Respekt. “Nachdem ich Earl Hooker auf der Slide Gitarre gehört hatte, steckte ich das, was ich zum Saitenanschlagen benutzte, in die Tasche", erinnert sich Buddy Guy. “Seine Technik war irre." Ende der 50er Jahre schien Hookers Ruhelosigkeit nachgelassen zu haben, und er verbrachte sehr viel Zeit in Chicago. Er spielte die Single “Frog Hop” für das Argo- Label ein und begleitete die Dells und Arbee Stidham auf ihren Sessions. lm Mai 1959 nahm er für
C.J. Records “Senorita Juanita” auf, und Ende des Jahres spielte er auf einer Session für Mel
Londons Profile-Label als Begleitmusiker von Junior Wells, einem jungen Mundharmonikaspieler, der in Muddy Waters' Band den Platz von Little Walter eingenommen hatte. Wells kam als Amos Blackmore am 9. Dezember 1934 in Memphis, Tennessee, zur Welt und wuchs auf einer Farm am Rande von Marion heran. Noch vor seinem 10. Geburtstag konnte man ihn bereits auf den Straßen des ,drei Meilen entfernten West Memphis Mundharmonika spielen hören. Dort lernte er auch
Herman “Little Junior” Parker kennen. Wells und Parker verdanken beide ihren Stil Howlin' Wolf und Sonny Boy Williamson ll, die zu jener Zeit in der Gegend um Memphis zum täglichen Straßenbild gehörten.
1946 zog Wells mit seiner Mutter nach Chicago, wo sie sich in der Nähe der 22nd und Prairie Street niederließen. Wells schwänzte häufig die Schule und trieb sich lieber, ebenso wie Hooker, mit seiner Gang auf den Straßen Chicagos herum. War er zu Hause, übte er, zum Ärger seiner Nachbarn, unaufhörlich auf seiner Mundharmonika. Zu diesen Nachbarn gehörten auch die Brüder und Bluesgitarristen Dave und Louis Myers, die schließlich von ihm Notiz nahmen. Sie rekrutierten
“Junior”, und eine Band war enstanden. “Die Leute mochten uns, da wir ein viel schnelleres Tempo hinlegten als die anderen", sagte Louis Myers, “deshalb gaben sie uns den Namen “The Little Chicago Devils'.”


juniior wells - messin´with the kid


DIE ASSE

Später nannten sie sich “The Three Deuces”, und als sie immer beliebter wurden, wandelten sie das in “The Three Aces” um. 1951 drängte sie Muddy Waters' Schlagzeuger Elgin Edmonds, es einmal mit Fred Below zu versuchen, einem Schlagzeuger, der gerade vom Militärdienst in Deutschland zurückgekehrt war. Below war im Jazz verwurzelt und hatte Schwierigkeiten mit dem Blues. “Ich
hab' einfach nicht kapiert, was die spielten", sagte er. Doch Louis Myers gab nicht auf: “Below brauchte nicht mal zwei Wochen, um das Nötigste zu lernen, aber er mußte sich einarbeiten und seinen eigenen Beat kreieren." Mit dieser vierten Trumphkarte eroberten sich die Asse Chicago im Sturm. Viele Musiker hätten gern mit dieser “Superband” gespielt. Little Walter schaffte es. Er verließ die Muddy Waters Band und wurde (im gegenseitigen Einverständnis mit Waters) durch Junior Wells ersetzt. Der Weg war frei - Little Walter schloß sich, anscheinend zur allgemeinen Zufriedenheit aller Beteiligten, den Aces an. Nebenher verwirklichten sowohl Walter als auch Wells den Traum einer Solo-Karriere. Wells nahm im Juni 1953 seine Debut-Single “Cut That Out” für States Records auf, begleitet von den Myers-Brüdern und Elmore James. Seine zweite Single,
“Hoodoo Man”, von derselben Session, war zwar nur ein mäßiger, lokaler Hit, wurde jedoch zu seiner Erkennungsmelodie. Seine zweite Session fand im April 1954 mit dem Line-up Muddy Waters, Otis Spann und Fred Below statt, als sich Wells unerlaubt vom Militärdienst entfernt hatte. Im folgenden Jahr wurde er aus der Armee entlassen, doch seine nächsten Aufnahmen ließen bis
zum Herbst 1957 auf sich warten. Auf dieser Session, auf der er Vier Titel für Mel Londons
Chief-Label einspielte, entstanden “Lovey Dovey Lovey One” und das Instrumentalstück “Cha Cha Cha in Blue”. Keine dieser Platten erregte großes Aufsehen, genauso wenig wie die 1959 für das New Yorker Label Shad aufgenommene Single “So Tired”/“Can't Live without You Baby".
Ende 1959 spielte er seine erste Single für Profile ein. “Little by Little” ist vielleicht das typischste Beispiel dafür, was die jüngeren Chicago Bluesmen jener Zeit erreichen wollten: einen am Blues orientierten Song, jedoch kommerziell genug, um sich gut zu verkaufen.

GEZÄHLTE TAGE

Wells war zu der Zeit auch regelmäßig im Theresa Lounge-Club zu hören, wo er zusammen mit Buddy Guy auftrat. lm Dezember begleitete er Guy auf dessen Chess-Session, auf der “Let Me Love You Baby” und “Ten Years Ago” entstanden, und spielte in eigener Sache “Messin` with the Kid” für Chief ein - das Muddy Waters zu seinem “Messin` with the Man” anregte. Junior Wells und Earl Hooker waren inzwischen zu Mel Londons “Bestsellern” avanciert. Sie arbeiteten zusammen auf “Calling All Blues", “Universal Rock” und “Galloping Horses a Lazy Mule”. Hooker ist außerdem noch auf Lillian Offits “Will My Man Be Home Tonight” zu hören. Während der 60er Jahre war Earl Hooker auch weiterhin viel unterwegs. Als “Stützpunkte” dienten ihm Städte wie Waterloo (Iowa). Louis McTizic erinnert sich an Hookers Stippvisiten: “Manchmal blieb er zwei Wochen an einem Ort, doch dann sah man ihn eine ganze Weile nicht mehr - bis er plötzlich wieder im DeSoto auftauchte, mit der ganzen Band.“ Meistens setzte sich die Band aus Andrew “Voice” Odom, “Big Moose” Walker, Little Smokey Smothers und dem Schlagzeuger Bobby Little zusammen. Hookers Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch zunehmend, und er mußte
seine Aktivitäten reduzieren. “Wenn er auf seinen Streifzügen durch die Gegend krank wurde", erinnerte sich Smothers, “kam er in die Stadt zurück, und sie lieferten ihn ins Krankenhaus ein. Doch dann stand er sofort wieder vor meiner Tür und wollte weiterziehen." Während dieser Zeit machte Hooker unzählige Aufnahmen für Jim Kirchsteins Cuca-Label in Sauk City, Wisconsin. Zwischen 1964 und 1967 spielte er für Cuca drei Singles und ein Album ein sowie eine weitere Single für CJ. Records. lm November 1968 machte der Besitzer von Arhoolie Records, Chris
Strachwitz, in Chicago mit Hooker und seiner Band Aufnahmen, bei denen das Album Two Bugs and a Roach entstand, mit dem Hooker bewies, daß er nichts von seinem Können und Talent verloren hatte. Im Sommer 1969 trat die Hooker-Band in verschiedenen Städten und Clubs in Kalifornien auf, doch um Hookers Gesundheit stand es nicht zum besten. “Wenn wir irgendwo
bergauf gehen mußten“, so Big Moose Walker, “mußte ich ihn von hinten schieben. Allein schaffte er es nicht mehr. Er sagte dann immer 'Opa, dafür bin ich dir wirklich dankbar'.” Doch das hinderte Hooker nicht daran, zwischen Mai und September jenes Jahres zehn Alben einzuspielen, darunter vier eigene.



earl hooker - huckle bug


EUROPA-TOURNEE

Kurz nach den letzten Aufnahmen reiste er mit Magic Sam, Juke Boy Bonner und Clifton Chenier im Rahmen des American Folk Blues Festivals nach Europa. Tragischerweise kam Magic Sam kurz nach seiner Rückkehr in die USA ums Leben, und Earl Hooker wurde Anfang 1970 wieder einmal ins Krankenhaus eingeliefert. Er war inzwischen so geschwächt, daß er sich von einer Lungen-entzündung nicht mehr erholen sollte. Im Krankenhaus erhielt er Besuch von dem eminenten Ma-
nager Dick Waterman, der ihn für die weltweite Tournee der Rolling Stones in jenem Jahr enga-gieren wollte. Hooker sollte zusammen mit Junior Wells die Vorband bilden. Hooker war jedoch viel zu krank, um an einen Bühnenauftritt zu denken. Waterman wandte sich an Buddy Guy, der zustimmte, mit Junior Wells aufzutreten. Dies war der Anfang einer musikalischen Partnerschaft, die fast 20 Jahre andauern und dem Duo weltweite Anerkennung bringen sollte. Buddy Guy ist heute einer der größten Stars des Blues, während Junior Wells nur selten ins Rampenlicht tritt.
Hooker, gerade 41 Jahre alt, starb am Morgen des 21. Aprils 1970 im Krankenhaus, nachdem er in der Nacht zuvor versucht hatte, einen Krankenwagen zu stehlen, um seine letzten Stunden im Haus seiner Mutter verbringen zu können. Walker sagte nach seinem Tod: “Seine Gitarre hielt Earl Hooker zehn Jahre lang am Leben. Als er ins Krankenhaus mußte, brachten wir ihm seine Gitarre, und er legte sie in Reichweite aufs Bett. Er wußte, solange er sie anfassen konnte, konnte er auch spielen. Seine Gitarre war sein Leben."


Earl Hooker / Two Bugs And A Roach

Wir haben diese wunderbare Veröffentlichung Buddy Guy zu verdanken, als dieser dem Betreiber des Plattenlabels Arhoolie, Chris Strachwitz, vorschlug, doch Aufnahmen mit Earl Hooker zu machen.
Das Resultat dieser fruchtbaren Zusammenarbeit zeigte sich hier erstmalig auf den 1968 eingespielten Aufnahmen.

Im Gegensatz zu vielen früheren Studioproduktionen Hookers, die teilweise unter den beschränkten Studiomöglichkeiten litten, konnte er sich hier nun voll entfalten, was dazu führte, dass einige der besten Aufnahmen des Gitarristen entstanden.
Unter den Chicagoer Gitarristen seiner Generation als 'Superstar', dem schwer das Wasser zu reichen war, gehandelt, blieb er doch relativ unbekannt, und seine wenigen frühen Plattenaufnahmen waren eben auch nicht immer vom Feinsten.

Two Bugs And A Roach (LP)Hooker war mehr der typische Livekünstler, wo er wohl all' sein Können zeigen und seine 'Trümpfe' ausspielen konnte.
Original erschien diese LP mit acht Stücken, aufgenommen am 12., 14. und 15.11.1968. Die CD füllte man dann noch mit zwei Stücken aus den Arhoolie-Sessions, aus 1968 und 1969, auf, und fügte vier frühe Stücke von 1952 und 1953 hinzu.

"Two Bugs And A Roach" ist ein Zwiegespräch zwischen Hooker und Andrew 'B.B.jr.' Odom, wobei sich die beiden zur Musik über Hookers schlimme TBC-Erkrankung unterhalten. Ein feines funkiges Stück.
Im "Wah Wah Blues" zeigt Hooker, wie er mit neuer Technologie gekonnt umgehen konnte, und mit verschiedenen Spielarten aufwartet - vgl. hier auch z.B. Hendrix auf seinem "All Along The Watchtower", wo auch er verschiedene Spielarten präsentiert. Hat Hooker es dort gar abgeschaut?

Das Wah Wah-Pedal setzt er auch auf dem shuffelnden "You Don't Want Me" ein, und auf "Anna Lee" spielt er die Slide im besten Robert Nighthawk-Stil. Perfekt.
Neben dem "Wah Wah Blues" ist "Off The Hook" ein weiteres Instrumentalstück, wo Hooker sein Können demonstriert und dabei leicht jazzig daherkommt.

Auf dem "Earl Hooker Blues" zeigt er darüber hinaus, dass auch Country-Einflüsse in seine Musik Einzug hielten. Die übrigen Stücke zeigen einen Vergleich, wie sich Hooker entwickelt hat, und wie leicht und locker er mittlerweile doch mit dem Griffbrett umging und dabei ein hohes Maß an Sensibilität aufwies, wie ich es so sehr schätze.

Bei den frühen Stücken ist auch schon Pinetop Perkins dabei und Willie Nix bedient die Drums. Auf "Sweet Black Angel" zeigt Hooker auch wieder einmal deutlich, wie sehr er von Robert Nighthawk beeinflusst wurde. "I'm Going Down The Line" sowie der "Earl's Boogie Woogie" sind rockende Zeugnisse seines früheren Schaffens von hoher Qualität.

Alles in allem also eine rundum gelungene und sehr abwechslungsreiche Angelegenheit, die sich von Bluesalben anderer, bekannterer Künstler wohltuend abhebt.
Zusätzlichen Reiz bietet die Hinzunahme von Freddie Roulette an der Steel Guitar, ein im Blues eher ungewöhnliches Instrument - zu der Zeit war allenfalls Hop Wilson dafür bekannt.

Eine wichtige Veröffentlichung des Chicago Blues!

Line-up:
Earl Hooker (guitar, vocals - #1,5,8,12)
Freddie Roulette (steel guitar)
Andrew 'B.B.jr.' Odom (vocals - #1,3)
Louis Myers (harmonica - #5)
Carey Bell (harmonica - #7 , vocals - #7)
Joe Willie Perkins (piano)
Geno Skaggs (bass)
Levi Warren (drums - #3,4,6,8, 10)
Williams (drums - #1,2,5,7)
Louis Myers (harmonica - #5,9)
Steve Miller (piano - #9)
Bobby Johnson (drums - #9)
Joe Willie 'Pine Top' Perkins (organ - #1-8, piano - #1-8,10-14)
Willie Nix (drums - #11,13,14)
Unknown (bass - #13)
Unknown (drums - #12)
Unknown (harmonica - #12) 
 Earl Hooker & Junior Wells / Universal Rock



 

 


Dienstag, 3. September 2013

Clarence "Gatemouth" Brown

Clarence "Gatemouth" Brown



Clarence „Gatemouth“ Brown (* 18. April 1924 in Vinton, Calcasieu Parish, Louisiana; † 10. September 2005 in Orange, Texas) war ein US-amerikanischer Blues-Gitarrist, der jedoch auch andere Instrumente und Musikstile beherrschte.
 Neben der Gitarre spielte er auch Violine, Mundharmonika, Piano, Mandoline, Viola und Schlagzeug. Neben dem Blues war er auch im Jazz, Bluegrass, Zydeco, Cajun und Calypso zu Hause. Gatemouth Brown bezeichnete seine Musik selbst als „American music, Texas style“. Er beeinflusste so unterschiedliche Musiker wie Albert Collins, Frank Zappa, Lonnie Brooks, Eric Clapton und Joe Louis Walker.



Smooth Allrounder

"Wahre amerikanische Musik" nennt Clarence "Gatemouth" Brown die Mischung aus Blues, Jazz, Bluegrass, Country &Western und Cajun Musik, die sein musikalisches Schaffen seit den 70er Jahren kennzeichnet und die sich aus seiner früheren Mixtur aus Blues und Big Band Jazz sowie seiner extravaganten Bühnenshow heraus entwickelt hatte. Seine Virtuosität auf der Gitarre hat viele seiner texanischen Kollegen inspiriert.

Clarence Brown kam am 18. April 1924 in Vinton, Louisiana, zur Welt. Als er gerade drei Wochen alt war, zog die Familie Brown jedoch nach Orange, Texas. Sein Vater, Clarence Senior, arbeitete als Ingenieur für die Southern Pacific Eisenbahn, an Wochenenden jedoch als Musiker, der die Gitarre, das Banjo, die Mandoline und die Fiddle gleichermaßen beherrschte. Clarence Senior spielte in einer String Band auf Partys und Picknicks, jedoch nicht nur den Blues, sondern auch weiße Country Musik und “französische” Musik, d.h. die Musik, die sowohl von Weißen als auch von Schwarzen im Südwesten von Louisiana und im Osten von Texas gemacht wurde.
Clarence Junior wuchs in einem Haus auf, wo Musik zum täglichen Leben gehörte und wo musikalische Vielseitigkeit, was Instrumente wie Stilrichtungen betraf, für selbstverständlich gehalten und von allen Familienmitgliedern gewissermaßen erwartet wurde.

Clarence "Gatemouth" Brown - I've Got My Mojo Working (From "Blue

Back to Bogalusa   Clarence "Gatemouth" Brown Audio CD




http://www.amazon.de/Back-Bogalusa-Clarence-Gatemouth-Brown/dp/B00005LANH/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1376902059&sr=8-6&keywords=Clarence+%22Gatemouth%22+Brown7


Clarence "Gatemouth" Brown: Back To Bogalusa

Ob er nun singt, auf seiner Gitarre herzzerreißende Blues-Soli spielt oder seiner kreolischen Fiedel unbändige Schreie entlockt, er ist ein amerikanischer Meister", schrieb Jon Pareles in der "New York Times". "Clarence "Gatemouth" Brown ist vielleicht der fundamentalste Musiker der Golfküste."
Clarence "Gatemouth" Brown stilistisch in eine Schublade einzuordnen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. In den über 50 Jahren seiner Karriere wechselte die 1924 in Vinson/Louisiana geborene Musiklegende immer wieder von einem musikalischen Lager ins andere, ohne irgendwo definitiv Wurzeln zu schlagen. Ob Blues, Jazz, Cajun, Bluegrass, Zydeco, Country, Rhythm?n?Blues, Soul oder Swing: Clarence ?Gatemouth? Brown fühlt sich überall zuhause und drückt jedem Genre seinen persönlichen Stempel auf. Doch nicht nur in stilistischer Hinsicht liebt Clarence "Gatemouth" Brown die Abwechslung, auch als Instrumentalist legt er sich kaum Beschränkungen auf, spielt neben Gitarre u.a. auch Mundharmonika, Mandoline, Geige und Viola. Ganz getreu seinem Motto: "Abwechslung ist die Würze des Lebens."

weiterlesen: http://www.jazzecho.de/aktuell/news/artikel/article:64671/clarence-gatemouth-brown-back-to-bogalusa


BIG BAND-FAN

Mit zehn Jahren lernte Clarence Geige spielen, doch später sollte er sich auch erfolgreich am Schlagzeug und an der Gitarre versuchen - Instrumente, die seine beiden Brüder Bobby und James spielten. Eine typische Angewohnheit der ganzen Brown-Familie war ein breites Grinsen, und so wie Clarence zu “Gatemouth” wurde, hate auch Bruder James sehr bald seinen Spitznamen “Widemouth” Brown weg. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte James 1951 seine einzige, aber inzwischen klassische Single, deren A-Seite “Boogie Woogie Nighthawk” noch immer eines der
beliebtesten Bluesstücke des ebenfalls aus Texas stammenden Gitarristen Johnny Copeland ist.
Gatemouth fügte seiner Instrumentenpalette noch die Mundharmonika und die Mandoline hinzu und sspiration in der Country Musik, die er lange vor dem Blues entdeckt hatte. Was den Blues betraf, so hörte er sich nicht nur Clarence Seniors Platten von Tampa Red und Blind Boy Fuller an. Er sagte einmal: “Ich habe nie sehr viel reinen Blues gehört. Ich stand eigentlich immer mehr auf Big Bands - Count Basie, Lionel Hampton, Woodie Herman. Mein Ziel war es, einen Stil zu ent-
wickeln, der meine Gitarre wie ein Blasinstrument klingen ließ." Seine Karriere begann als Schlagzeuger in einer lokalen Band, den Gay Swingsters. Als er 16 war, schloß er sich den durchs
Land ziehenden William M. Bimbo”s Brownskin Models an. Die Truppe kam jedoch nicht weiter als Norfolk, Virginia, wo ihr Manager sich aus dem Staub machte. Gatemouth nahm gezwungener-maßen einen Job als Schlagzeuger im Eldorado Club in Norfolk an, um zumindest die Heimreise der Brownskin Models bezahlen zu können.
1941 wurde er zur Armee eingezogen, doch bereits nach fünf Monaten wieder entlassen, da er sich dem militärischen Leben nicht anpassen konnte. Er ließ sich in San Antonio nieder und wurde der “singende Schlagzeuger” in Hoyt Hughes' Orchester, das sich aus 23 Musikern zusammensetzte und im Keyhole Club auftrat.

INSTRUMENTALER WECHSEL

Doch schon damals liebäugelte Gate mit der Gitarre, da er in diesem Instrument das geeignetste Ausdrucksmittel für seine Extrovertiertheit sah. 1947 sollte er dann den Wunsch in die Tat umsetzen. Er trampte die ca. 300 km nach Houston, um sich bei Don Robey vorzustellen, einem
schwarzen Geschäftsmann, dem der Bronze Peacock Club gehörte, Houstons nobelster afro-amerikanischer Club. Zu jener Zeit trat dort T-Bone Walker auf, damals der heißeste Blues-Tip, der allerdings von einem Magengeschwür geplagt wurde.

Canned Heat with Clarence Gatemouth Brown - Worried Life Blues

DIE CHANCE SEINES LEBENS

Als Walker vor lauter Schmerzen nicht mehr weiterspielen konnte und sich in die Garderobe begab, während die Band und seine Gitarre auf der Bühne zurückblieben, sah Gatemouth seine Chance gekommen: "lch stand auf und ging auf die Bühne, ergriff seine Gitarre und reimte mir schnell
einen Song zusammen, den ich “Gatemouth Boogie' nannte In nur einer Viertelstunde hatte ich 600 Dollar verdient - und das war nur das, was mir das Publikum gegeben hatte!”
Der über diesen Vorfall nicht gerade sehr erfreute Walker erholte sich schnell, und die langwährende Rivalität zwischen den beiden Bluesmen begann. “T-Bone brachte mich dazu, über meinen Stil nachzudenken", gibt Gatemouth zu, “aber er war zu langsam, und ihm fehlte jegliche Vorstel-
lungskraft.” Nun war dies eine wenig zutreffende Beschreibung von Walker, der als einer der subtilsten und innovativsten Bluesgitarristen in die Geschichte einging. Was Gatemouth wohl indirekt damit sagen wollte, war, daß er sich weigerte, als Bluesgitarrist abgestempelt zu werden. Außerdem ist es gut möglich, daß Gatemouth nicht zugeben wollte, was für einen großen Einfluß T-Bone Walker in Wirklichkeit auf ihn ausübte. Don Robey erkannte an jenem Abend, daß mit Gatemouth Geld zu verdienen war, und ernannte sich zu seinem Manager. Er kaufte ihm ein Dutzend Anzüge und für 750 Dollar eine Gitarre. lm August 1947 fuhr er7 mit Gate zu Platten-aufnahmen nach Los Angeles, wo dieser vier Titel für Aladdin einspielte. Sie verkauften sich allerdings nicht so gut, wie Robey es sich vorgestellt ,hatte. Er überlegte sich, wie dem abge-
holfen werden könnte ~ und gründete Ende 1948 sein eigenes Label, Peacock Records (benannt nach seinem Nachtclub), um seinen Schützling zu promoten.

UNTER NEUEM LABEL

Robeys uncl Gatemouths Zusammenarbeit sollte bis 1961 anhalten. Gemeinsam produzierten sie viele Klassiker des Texas Rhythm ”n' Blues. Gates dritte Single, “My Time Is Expensive"/“Mary ls Fine” wurde ein bundesweiter Hit in den Staaten und illustriert beispielhaft seinen Stil - ein rasanter Boogie, gemischt mit langsamen, intensiven Blues-Passagen. Ebenfalls typisch war sein Line-up (bestehend aus Houstons besten schwarzen Studiomusikern) von Trompete, Posaune, einer Saxophon-Gruppe, Klavier, Baß und Schlagzeug. Die fein ausgeklügelten Arrangements stammten von Studiomusikern wie Joe Scott (Trompete), Pluma Davis (Posaune) und Bill Harvey (Tenorsaxo-
phon). Wenn man bedenkt, daß die Auf- nahmen damals normalerweise mit Hilfe von nur zwei Mikrofonen - einem für Gatemouth und dem zweiten für die Backing Band - gemacht wurden, dann
muß man vor den Arrangeuren, den Musikern und dem Produktionsteam gleichermaßen den Hut ziehen. Einer der wichtigsten Begleitmusiker war der Posaunist Al Grey, der die Big Band zu-
sammenstellte, mit der Gatemouth 1952/53 auf eine von Robeys Buffalo Booking Agency organisierte Tournee ging. Der Song “You Got Money” entstand, nachdem Gate von Robey eine Aufstellung der Tantiemen verlangt hatte. Als Antwort zückte Robey einen Revolver. Gate ließ
sich dadurch jedoch nicht einschüchtern. Er entwendete Robey die Waffe und verprügelte ihn:
“You may have more money but you won't be havin' it long
l'll still be around Buddy when you`re dead and gone.”
(“Kann sein, daß du mehr Geld hast, aber nicht mehr lang. Wenn du tot bist, werde
ich immer noch am Leben sein.”)
Obwohl er sich dagegen wehrt, ist nicht zu überhören, daß die Musik, die Gatemouth in den 50er Jahren machte, stark von T-Bone Walker beeinflußt war. Aller- dings fehlte ihm der “Weltschmerz” von Texas-Bluesmen wie Walker, die nach Kalifornien gezogen waren, um den Emigranten aus dem Süden ein Stück Heimat zu bringen. Gates Sound war bestimmt von der ungeheuren Energie des Kansas City Jazz, dessen ungebundenen Rhythmen und perfekten Harmonien.


Clarence"Gatemouth"Brown / Frosty

RASANTE TÖNE

Gatemouth zupfte die Gitarrensaiten mit den Fingern, nicht mit einem Plektrum, und benutzte einen Kapotaster, um die Akkorde zu ändern, d.h. er mußte sie nicht alle beherrschen. Das ermöglichte es ihm, ein ungeheures Tempo hinzulegen, wenn ihm danach zumute war, bedeutet aber nicht, daß sein Spiel oberflächlich war. Auf gesungenen Titeln paßte sich seine Gitarre wundervoll den Lyrics an, und die Instrumentalstücke strotzen von der Begeisterung und Freude, die er an seinem eigenen
Spiel hat. In grüne oder rote Anzüge gekleidet, versetzte er sein Publikum gekonnt in Exstase.
“Ich halte nichts von deprimierender Musik”, erklärte er einmal. “Das Publikum ist schließlich nicht gekommen, um sich mies zu fühlen Mit dieser Art von traurigem Blues habe ich nichts am Hut."
Während der 50er Jahre bemühte sich Gatemouth ständig, seinen Stil über das zwölftaktige Schema des Blues hinaus zu erweitern. Auf lnstrumentals wie dem klassischen “Okie Dokie Stomp” spielt er rasante einzelne Noten, die auf Jazztrompete und -saxophon basieren, und zieht immer häufiger seine Geige hinzu. ' “Auf Platte gepreßt” erscheint seine Violine allerdings erst nach seinen letzten
Aufnahmen für Peacock (1959 und 1961) und zwar auf drei Titeln, darunter “Just before Dawn", einem Stück mit einer geradezu unheimlichen Atmosphäre, das weder eindeutig als Blues oder als Country Musik noch als irgendeine andere Richtung klassifiziert werden kann.

DAS ENDE EINER BEZIEHUNG

Die Zusammenarbeit mit Robey wurde langsam immer schwieriger. Das Publikum verlangte nach anderer Musik, und Robey kümmerte sich mehr und mehr um die aufsteigenden Stars seines Labels – Bobby Bland und Junior Parker. Zwischen 1956 und 1959 machte Gatemouth keine einzige Aufnahme für Peecock, und 1961 drehte er dem Label ganz den Rücken zu. Er spielte für ein paar kleine Label in Houston noch ein paar Titel ein, ehe er nach New Mexico zog. In den 60er Jahren ging es mit Gatemouths Platten-Karriere bergab. Er selbst behauptet, Robey hätte seine Kontakte im
Musikgeschäft dazu genutzt, andere Label davon abzubringen, ihn unter Vertrag zu nehmen. Er fand andere Wege, um seine Familie durchzubringen, und arbeitete unter anderem eine Zeitlang als Hilfssheriff in San Juan County.

ERNEUTER AUFSCHWUNG

Nach einer Europa-Tournee 1971 nahm seine Karriere jedoch wieder Aufschwung. Er trat überall in den Vereinigten Staaten bei Konzerten und Festivals auf und machte Aufnahmen mit unterschied-lichster Musik, darunter ein interessantes Cajun Blues-Album und eine hervorragende Country Musik-LP mit dem bekannten Nashville-Veteranen Roy Clark.
Seine 1982 erschienene erste LP für Rounder Records, Alright Againl, brachte ihm einen Grammy ein. Daß er inzwischen auf Konzerten und Festivals in den USA wie auch im Ausland (Afrika, Japan, China, der ehemaligen UdSSR sowie Südamerika) eine so vertraute Figur geworden ist, verdankt er dem cleveren Management von Jim Bateman, der ihn seit 1976 betreut. Statt grellbunter Anzüge trägt er heute eine Cowboy-Ausrüstung und spielt hauptsächlich Geige, wobei er von Keybord und einem Phaser begleitet wird. Bluesmusik bildet nur einen Teil seiner Show, in sein Bühnenrepertoire hat er auch Bluegrass, Country und Cajun Musik genommen.

THE SHOW MUST GO ON

“Ich schau” nicht zurück und versuche nicht, so wie vor zehn Jahren zu klingen sagt er. “Ich such” mir schon mal so alte Melodie aus, spiele sie aber auf so völlig andere Weise, daß sie kaum wieder
zuerkennen ist. Ich entwickle meinen Stil immer noch weiter, bleib' nicht auf Erfolgen sitzen”
Als er 1994 seinen 70. Geburtstag feierte, hatte er sich in New Orleans niedergelassen, wo er jedoch in keinster Weise „festsitzt". Er tritt nach wie vor auf, wann und wo immer er gefragt ist, und macht weiterhin kreative, innovative Musik.


Clarence"Gatemouth"Brown New Orleans 1984

Clarence "Gatemouth" Brown , 81. Dass ihn die Leute wegen seines breiten Grinsens "Riesenklappe" nannten, hat ihn nie gestört; aber als Bluesbarde mit Gitarre wollte er nicht eingeordnet werden: Denn Brown beherrschte ein halbes Dutzend Instrumente und fühlte sich in der Country-, Cajun- und Jazzmusik genauso zu Hause wie im Blues. Sogar Polkas hatte er in seiner Jugend in Texas gespielt. Später intonierte Brown seine "True American Music" gern in Cowboy-Kleidung. Europa entdeckte den eigenwilligen Künstler in den siebziger Jahren. Statt in verrauchten Kaschemmen trat Brown nun beim Jazz-Festival in Montreux und in der Londoner Royal Albert Hall auf. Als Hurrikan "Katrina" nahte, flüchtete der in New Orleans lebende Brown ins texanische Orange. Dort starb Clarence Brown am 10. September.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41834821.html

http://www.musicline.de/de/artist_bio/Brown,+Clarence+%2522gatemouth%2522/3520 

Carlos Santana
Presents Blues At Montreux 2004


Beim Montreux Festival 2004 präsentierte Carlos Santana drei Blues-Legenden: Bobby Parker, Clarence 'Gatemouth' Brown und Buddy Guy.
Fast vier Stunden Blues auf drei DVDs. Auf jeder sind Carlos Santana und weitere Gäste zu hören und zu sehen.
Also denkbar gute Vorraussetzungen für ein Happening der besonderen Art. Was es alles zu berichten gibt, soll in den Einzelrezensionen vermittelt werden…
Einen Krimi beginnt man ja auch nicht in der Mitte oder gar am Ende des Buches. Folglich geht es zunächst um DVD 1: Bobby Parker.

Die Band eröffnet ihr Konzert mit Thelonious Monks Instrumental "Straight Up No Chaser". Auch wenn es etwas jazzig beginnt, sind wir recht schnell in einer bluesigen Interpretation des Songs.
Ken Wenzel (saxophone) und der Harper Dane Paul Russel ergänzen sich perfekt und Steve Cecil spielt ein feines Keyboardsolo.
Mit "Break It Up" geht es schon mehr in die Vollen. Bobby Parker beeindruckt durch ein fließendes Gitarrenspiel und der Sound seines Arbeitsgerätes ist so richtig schön druckvoll. Wenzel und Russel stehen wieder verdächtig nahe beieinander und spielen abermals unisono. Das klingt super und mal schauen, ob es noch weitere Kostproben davon gibt?
Noch 'ne Schüppe wird draufgelegt, wenn "Breaking Up Somebody's Home" von Albert King gespielt wird. Parker ist auf Betriebstemperatur gekommen und nutzt den Platz auf der riesigen Bühne. Jawoll, sein Solo spielt Parker am Bühnenrand und ist im nächsten Moment schon wieder am Mikro. Dann ist auch er im Einklang mit Wenzel und Russel. Das klingt famos.
In "Nothing But The Blues" hebt der Saxophonist zu einem überirdischen Solo an und der Mann an der Harmonika folgt ihm auf dem Fuß. Steve Cecil hat den 'Schweineorgel'-Sound eingelegt und ist in seinem Element, wenn er von Parker 'angefeuert wird'. Yeh, nothing but the Blues… Ach ja, das Publikum: Die haben relativ wenig Möglichkeit, sich in Szene zu setzten, denn die einzelnen Tracks reihen sich fast ohne Pause aneinander. Dennoch hören wir den Applaus.
Tja, und "So Glad I Found You" macht es deutlich: Bobby Parker kann einerseits eine Gitarre wie Guitar Shorty, andererseits wie Jody Williams spielen. Abwechslung ist angesagt: "It's Unfair", von seinem hervorragenden Album "Shine Me Up", bewegt sich in funkigen Gefilden. Dafür sorgt alleine schon der komplett andere Keyboardsound. Parker ist immer noch in Bewegung und ein weiteres Mal fließen die Töne aus seiner Gitarre. Mann, er feiert 2007 seinen 70. Geburtstag und ist fit, wie ein Turnschuh. 


Clarence "Gatemouth" Brown - Let the good times roll.wmv

Montag, 2. September 2013

Jimmy Johnson

Jimmy Johnson


Jimmy Johnson (born James Earl Thompson,[1] November 25, 1928) is an American blues guitarist and singer.
Born in Holly Springs, Mississippi, United States, several of Johnson's brothers had careers in music; among them are soul musician Syl Johnson and Magic Sam bassist Mack Thompson. In his younger years he played piano and sang in gospel groups. He and his family moved to Chicago in 1950, where he worked as a welder and played guitar in his spare time. He began playing professionally with Slim Willis in 1959, changing his last name to Johnson like his brother Syl. As a guitarist he was influenced by both Buddy Guy and Otis Rush and he played with Freddy King, Albert King, Magic Sam, Otis Rush, and Eddy Clearwater among others.
In the 1960s he played more R&B music, working with Otis Clay, Denise LaSalle, and Garland Green. He also had his own group from the early 1960s, and by the late 1960s he had released his first single. By 1974 he had returned to blues playing, working with Jimmy Dawkins and touring Japan with Otis Rush in 1975.[2]
His first solo material appeared on Alligator Records and Delmark Records in 1978-79, when he was fifty years old. He was an award-winner at the first Blues Music Awards held in Memphis in November 1980. His career continued to pick up until December 2, 1988, when his touring van crashed in Indiana, killing his keyboardist St. James Bryant and bassist Larry Exum.[2] Johnson was injured and took an extended hiatus from the music industry, but returned to record for Verve Records in 1994. In 2002, he recorded with his brother, Syl. He remained active and among other things toured Europe in 2009, playing both the UK as well as Copenhagen Blues Festival in Denmark.




Soul Brother

Nachdem er jahrelang Soul in den Bars seines Stadtviertels gespielt hatte, fiel es Jimmy Johnson auf einmal ein, nach musikalischen Zeitgenossen Ausschau zu halten - und er beschloß, sich ihnen anzuschließen. Das Ergebnis war, daß sein Name heute in einem Atemzug mit dem Buddy Guys
oder Luther Allisons genannt wird. Johnson hat sich zu einem der besten Soulsänger und Blues-gitarristen der Chicagoer Bluesszene entwickelt und wurde in den 90er Jahren auch international bekannt.

Im Jahre 1978 schrieb Jim O`Neal, Chefredakteur der Zeitschrift Living Blues: “Zu den wichtigsten Ereignissen, die in den 70er Jahren in der Chicagoer Blues-Szene stattfanden, gehört die 'Verwand-lung' Jimmy Johnsons, der sich im Alter von 45 dazu entschloß, Bluesman zu werden. Und was für einer! Heute zählt er zu den eindrucksvollsten Sängern und Gitarristen des modernen Chicago Blues. Sein progressiver Stil verbindet technisches Know-How mit umwerfenden, vom Gospel beeinflußten Vocals” Mit diesen Worten feiert O'Neal Johnsons amerikanisches Platten-Debut: Jimmy bestritt zu einem Drittel das erste Album in der vom Alligator-Label herausgegebenen Serie Living Chicago Blues. Johnson glänzte darauf mit Percy Mayfields Titel “Serves Me Right to
Suffer“, dem Südstaaten-Soulklassiker “Feel Like Breaking Up Somebody”s Home” und zwei weiteren R&B-Standards. Viele Kritiker hielten seinen Beitrag für den besten des Albums. “Umwerfend”, so ihr Urteil. “Eine Offenbarung. Das Juwel der Serie”
Innerhalb der nächsten zwei Jahre spielte Johnson für das Chicagoer Delmark-Label zwei weitere Alben ein, die wiederum auf hohes Lob der Kritiker stießen. Er gab mehrere Konzerte in Europa und machte dort eine LP für das französische Label Blue Phoenix (die in den USA später bei Alli-gator erschien). Johnson war schon immer in Frankreich populär gewesen: 1993 widmete ihm das französische Musik-Magazin Soul Bag eine 'Cover Story, und 1994 brachte er im Auftrag der
französischen Niederlassung von Polygram Records sein Album I 'm a Jockey heraus.


Jimmy Johnson , Chicago Blues Legend , Sky is Crying


EINFACHE HERKUNFT

Jimmy Johnson wurde am 25. November 1928 in Holly Springs, Mississippi, geboren. In dem
Interview mit Soul Bag berichtete er: “Meine Kindheit verbrachte ich damit, Baumwolle zu
pflücken und Korn zu pflanzen, denn wir lebten auf einer Farm. In meiner Heimat spielte fast jeder Gitarre, aber in meiner Familie gab es kein einziges Instrument, denn wir waren zu arm. Mein Vater konnte allerdings trotzdem ein bißchen Mundharmonika und Gitarre spielen." In der Schule lernte Jimmy Klavier spielen; außerdem sang er in einer Gospel-Gruppe namens United Five. Jimmy: “Als ich das Licht der Welt erblickte, hab' ich wohl gleich zu meiner Mutter gesagt: 'Wo ist das Mikrophon?' Mit dem ersten Schrei lernte ich zugleich singen. Bin zum Sänger geboren. Kann
mich gar nicht mehr erinnern, in wie vielen Gospel-Gruppen ich gesungen habe." 1950 zog er nach Chicago und schloß sich dort der Gruppe Golden Jubilaires an, zu der auch der große Soulsänger Otis Clay einmal gehört hatte. ln Chicago wohnte Jimmy bei einem Onkel. Dieser war Geistlicher und hatte etwas dagegen, daß Jimmy Gitarre spielen lernte. In einem Interview mit Living Blues im Jahre l980 erinnerte Jimmy sich wie folgt an diese Zeit: “Ich hatte dann also großer Krach mit meinem Onkel wegen dem Gitarrespielen. Ich sagte zu ihm: “Mann, ich bin jetzt erwachsen, und komme, was da will ich werd' mir früher oder später “ne Gitarre besorgen, ob du mich rausschmeißt oder nicht. Da hat er klein beigegeben, und ich durfte bleiben. Aber er sagte mir: “Wenn du Scha-den an deiner Seele nehmen willst dann tu”s.'”
Im Januar 1959 erstand Jimmy seine erste Gitarre - von Billy Boy Arnold. “Und meinen ersten Auftritt hatte ich am 4. Juli (dem amerikanischen Unabhängigkeitstag). Ich hatte zwar in den sechs Monaten bis dahin was gelernt, aber längst nicht genug. Ich tat mich dann mit Slim Willis, einem Mundharmonikaspieler, zusammen, und wir kriegten auch Engagements. Willis sagte zu mir: 'Du spielst zwar noch nicht sehr gut Gitarre, aber du hast zweifellos Talent. Kannst bleiben. Und so blieben wir anderthalb Jahre zusammen, und ich machte große Fortschritte” Jimmy wußte allerdings, daß er immer noch viel zu lernen hatte, und sah sich deshalb nach Musiklehrern um. Aus den Gelben Seiten holte er sich die Adresse des Boston Music College, hatte aber dort kein Glück. “Ich lernte zwar Grundbegriffe wie Notenlesen und Akkorde greifen, aber der Lehrer war'n Weißer, der mir nur Hillbilly Songs beibringen wollte. Daran hatte ich natürlich kein Interesse. Der Typ hatte von Jazz und Blues und so keine Ahnung. Als ich also hörte, daß Reggie Boyd (der Studio-gitarrist bei Chess Records) Unterricht gab, da ging ich gleich zu ihm. Zwei Jahre lang hat er mir einmal pro Woche Stunden gegeben." Auf Jimmys Partnerschaft mit Slim Willis folgte seine Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Johnny Hi-Fi und mit Earl Hooker. Durch Kontakt zu dem Schlagzeuger Jump Jackson kam es dazu, daß er einen Song zu einer Demo-Kassette beitrug, die in den 60er Jahren nach Europa gelangte. Daraufhin wurden etliche andere Musiker, die auf der Kas-
sette zu hören waren (wie Memphis Slim oder Shakey Jake) zum American Folk Blues Festival eingeladen und reisten nach Europa. Aber “Long About Midnight", der Song von Jimmy Thomspon, fand keinerlei Echo. “Jimmy Thompson”? So lautete Jimmys eigentlicher Name. Zu “Johnson” kam es wie folgt: Jimmys Bruder Syl, der neun Jahre jünger war als er, kam 1959 zu King Records, um Aufnahmen zu machen. Dem Label gefiel der Name “Syl Thompson" nicht, und man machte daraus “Syl Johnson". Das “Johnson” blieb auch an Jimmy haften. Syl, der kleine Bruder, machte sich mit Hits wie “Come on Sock it to Me” und “lt's Because I'm Black" auf der
Chicagoer Soulszene einen Namen.

CHICAGO CLUBS

In den 60er Jahren arbeitete Jimmy Johnson fast ausschließlich in den Clubs von Chicago. Jimmy: “Zu der Zeit war's leicht, Engagements zu finden. Es gab buchstäblich Hunderte und Aberhunderte von Musikclubs in Chicago - wie z.B. Blue Flame, Brass Rail, Happy Home, usw." Jimmy schien allerdings gar nicht soviel in der Szene herumgekommen zu sein, denn er hatte fünf Jahre lang ein
festes Engagement im Blue Flame und dann jeweils ein zweieinhalbjähriges im Happy Home und im White Rose in Phoenix, Illinois. “Wir spielten nicht nur reinen Blues. Wir brachten auch Bobby Blue Band Blues, der sehr modern ist, und B.B. King und Little Milton, und dann Sachen von Hank Ballard, Chubby Checker, Jaclde Wilson, Chuck Johnson und von den Impressions, den Tempta-
tions, von Marvin Gaye, James Brown, Wilson Pickett, Otis Redding Solche Songs eben, die man eher als “Soul` bezeichnen kann. Hab” auch Luther Allison kennengelernt. Der war`n toller Gitarrist, spielte wie B.B. King. War auch “n guter Sänger, was nie schaden kann. Denn in unserer Szene, da kann man vielleicht “n mittelmäßiger Gitarrist sein, ohne daß es was ausmacht, aber singen können muß man. Wenn man “ne gute Stimme hat, dann braucht man sich nicht hinter sei-
ner Gitarre zu verschanzen."
Während seines Engagements im Happy Home holte sich Jimmy seinen Bruder zu seiner Band dazu - und zwar nicht Syl, sondern Mac. Mac war sechs Jahre jünger als Jimmy. Er behielt als einziger der drei Brüder den Familiennamen “Thompson” bei. Er spielte Baß in Jimmys Band, die sich noch
um zwei Saxophonspieler, einen Trompeter und einen Posaunisten vergrößerte. “Ich war der erste, in dessen Band zwei Bläser spielten“, prahlte Jimmy. “Alle anderen kamen mit einem aus oder holten sich höchstens noch “ne Mundharmonika dazu. Und wir waren gut, Mann! Wir wußten, wo's lang ging."

FUNKY STUFF

Etwa 1968 erschien unter dem Namen Jimmy Johnson & The Lucky Hearts eine Single beim
Stuff-Label mit dem Titel “Work Your Thing". Es handelte sich um ein “funky” Instrumental,
das jedoch keinerlei Erfolg hatte. Aber im gleichen Jahr kam noch ein Instrumental heraus, “Sock it to Me", bei Syl Johnsons Shama-Label. Offiziell stammte es von den Deacons, aber dazu gehörte auch Jimmy Johnson. Er hatte seinen Bandleader-Job geschmissen und arbeitete jetzt in der Backing Band seines Bruders, außerdem als Begleitmusiker: “Ich spielte mit vielen R&B-Musikern, wie Otis Clay, Denise LaSalle, Garland Green und Walter Jackson. Wir traten in erstklassigen Clubs auf, von denen es heute kaum noch welche gibt. Mehrere hundert Leute kamen zu unseren Shows. Ich konnte damals von meiner Musik leben und brauchte keinen Tagesjob als Schweißer mehr."
“Von der Musik leben", hieß in Jimmys Fall “von der Gitarre leben". “Ich mußte jede Woche mit anderen Solisten spielen. Wenn man da nur eine Note nicht richtig hinkriegte, dann haben sie dich zur Sau gemacht. Also mußte man sich konzentrieren." Jahrelang stellte Jimmy nun seine Vocals zurück, und als in den 70er Jahren der Soul immer weniger populär wurde, konnte er auch vom Gitarrespielen allein nicht mehr leben. Er mußte sich nun sein Geld als Taxifahrer verdienen.


Jimmy Johnson You Don't Know What Love Is

WIE NEUGEBOREN

Etwa 1974 schloß er sich wieder der Musikszene an ~ diesmal als Bluesman. “Ich sah mir Buddy [Guy] an, und Luther [Allison] und Mighty Joe [Young]. Mann, wir sind praktisch mit der Musik der anderen aufgewachsen. Die spielten immer noch ihren Blues, und was machte ich? Also dachte ich mir, spiel' ich auch mal Blues.“ Er trat ein paarmal mit Johnny Young, dem Schlagzeuger Willie Williams, mit Sunnyland Slim oder den Aces auf, aber erst Jimmy Dawkins, wie Johnson Gitarrist, gab ihm den entscheidenden Schubs. “Er hat mich ein Jahr lang bequatscht, denn er mochte meinen Stil. Aber ich glaube, er hat mich nur deswegen angeheuert, weil er 'ne Soulband haben wollte. Denn wenn man mal genau hinhört, dann haben alle Titel, die er an einem Abend spielt, “nen Touch von Soul." Steve Tomashefsky, der als Co-Produzent bei Delmark für Johnsons Aufnahmen verant-
wortlich war, erinnerte sich, wie Johnson und Dawkins zum ersten Mal zusammenspielten:
“Das war bei “ner Party in 'nem Loft. Nach einem besonders heißen Gitarrensolo sagte ich zu Wes Race [einem anwesenden Blues-Fan], daß die Band eigentlich keine zwei Star-Gitarristen brauchte Er aber meinte, das sei schon richtig so, und er hatte recht." Auf die Zusammenarbeit mit Dawkins folgte eine Tournee mit Otis Rush im Jahre 1975 in Japan. Als er im Oktober wieder zurück nach
Chicago kam, erhielt er einen überraschenden Besuch des französischen Plattenproduzenten Mar-celle Morgantini, der fünf Johnson-Songs, begleitet von Dawkins' Band, mit ihm aufnahm. Am nächsten Tag tauschten er und Dawkins die Rollen, und Jimmy begleitete Dawkins. Das Ergebnis bestand in dem Album Ma Bea 's Rock (MCM), auf dem sich auch drei Titel des Sängers und Gitarristen Luther Johnson Jr. befanden. Ma Bea 's Rock machte Jimmy in Europa bekannt. Zwei Jahre später spielte Johnson ein weiteres Album ein, Tobacco Road (MCM), das ausschließlich aus seiner eigenen Musik bestand. Er kehrte in die USA zurück und nahm für den Plattenproduzenten Nat Meadows ein paar Soul-Titel auf, und für den Veteranen unter den Bluesproduzenten, Ralph Bass, machte er ebenfalls eine Session. Nichts davon wurde veröffentlicht, aber die für Bass einge-
spielten Titel tauchten schließlich in Großbritannien wieder auf (vier davon sind auf unserer Blues Collection CD enthalten). Es folgte das besser vermarktete Album Living Chicago Blues (Alligator), das für einen Grammy nominiert wurde, und das etwas verrückte, aber ansprechende Delmark-Album Johnson's Whacks. Ende der 70er Jahre hatte Johnson zwei weitere Europatour-neen hinter sich, und es sah endlich so aus, als befände er sich auf dem Weg zum Ruhm.

MIT BEIDEN FÜSSEN AUF DER ERDE

Da er so lange auf den Erfolg hatte wartet müssen, gab sich Johnson keinerlei Illusionen mehr hin: “lch mache nicht mehr aus Spaß Musik. Die Musik ist mein Beruf. Wenn ich damit kein Geld verdienen kann, spiele ich eben nicht.” Und er hatte auch seiner Musik selbst gegenüber eine kühle, praktische Haltung “Wenn man Musik macht, dann spielt man normalerweise die, die man am liebsten mag. Aber im Blues geht das nicht. Man muß sich an die Vorschriften halten." Trotzdem konnte er mit Stolz von sich behaupten: “Mein Blues hat ungeheures Feeling. Und ich meine, daß
ich mit meinem Blues den besten Typen in der Branche Konkurrenz machen kann."
Dennoch schien ihm der ganz große Durchbruch nicht zu gelingen. Sein zweites Delmark-Album, North/South, kam 1982 heraus Es enthielt neun Johnson-Originaltitel und war seine bisher beste LP. Der Texter Doc Pomus hatte recht behalten, wenn er sich wie folgt über Jimmy Johnson äußerte: “Er war immer “funky` und gleichzeitig echt. Es ist beinahe unheimlich, was für eine Fähigkeit er
besitzt, genau die richtigen Songs zur richtigen Zeit zu schreiben Er trifft genau das Herz des Publikums." Jimmy gründete eine Band mit eindrucksvoller Besetzung: mit Larry Burton (Rhyth
musgitarre), James Bryant (Keyboards), Larry Exum (Baß) und Fred Grady (Schlagzeug). Sie erhielten jede Menge Angebote aus Eurpa, und nichts schien schief gehen zu können. Aber dann passierte das Unglück: Im Winter 1988 kamen sie früh morgens von einem Auftritt zurück, als ihr Kleinbus von der Straße abkam, in Brand geriet und schließlich in einem Graben steckenblieb. Burton, Grady und Johnson waren nur leicht verletzt, aber Bryant und Exum starben auf dem Weg
ins Krankenhaus.

ZURÜCK INS LEBEN

Jimmy erholte sich nur langsam von dem Unfall - zum Teil deswegen, weil seine Verletzungen aus Brandwunden an den Händen bestanden hatten. Aber im Sommer 1993, als er fast 35 Jahre in der Musikbranche hinter sich hatte, gelang ihm schließlich der große Wurf: Eine Aufnahme-Session mit einem großen Platten-Label und einem Etat, von dem er vorher nur hätte träumen können. Der bekannte Chicagoer Arrangeur Gene Barge wurde angeheuert, dazu vier Bläser, die seine Arrange-ments spielten. Das Album trug den Titel I'm a Jockey (Birdology), und außer Johnson geben darauf der Mundharmonikaspieler Billy Branch und der Pianist und Gitarrist Lucky Peterson eine Einlage.
Mitte der 90er Jahre befand sich Jimmy Johnson auf dem Höhepunkt seiner Karriere und konnte sich seiner musikalischen Fähigkeiten absolut sicher sein. “Mir liegt die Musik im Blut”, sagt er. “Ich hab” immer neue Ideen. Aber ich muß in den Grenzen des Blues bleiben, und die sind ziemlich eng. Wenn man sich über die Grenzen hinauswagt, dann gerät man leicht ins Feld der Popmusik, und da ist die Konkurrent einfach unwahrscheinlich groß. Ich will nicht in die gleiche Kategorie wie z.B. Al Jarreau gehören. Der ist für mich ein toller Sänger, einer der besten, den es gibt. Aber das ist kein Blues mehr. Wenn ich gegen jemand antrete, dann gegen Leute wie Jo Louis Walker oder Robert Cray.”

Bar room preacher