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Freitag, 1. November 2013

Alexander Blume

Alexander Blume




http://www.alexanderblume.de/

 

 
Mr. Alexander Blume aus Deutschland 




Alexander Blume (* 19. Juli 1961 in Eisenach) ist ein deutscher Boogie-Woogie-, Blues- und Jazz-Pianist. In der DDR gehörte Blume neben Jürgen Kerth, Lutz Kowalewski und Waldemar Weiz (ergo, Engerling) zu den bekanntesten Vertretern der Thüringer Bluesszene.
lume erhielt bereits mit acht Jahren Klavierunterricht. Im Jahre 1971 trat er gemeinsam mit seinem Bruder Stanley Blume im Eisenacher Jazzklub, dem ältesten Jazzklub in der DDR, erstmals öffentlich auf und mit 16 Jahren wurde er Mitglied der Travelling Blues Band. Im Jahre 1978 holte ihn Stefan Diestelmann nach Ost-Berlin. Bis zu dessen „Republikflucht“ im Jahre 1983 gehörte Blume der Stefan Diestelmann Folk Blues Band an und ist auf den LPs „Hofmusik“ und „Folk, Blues & Boogie“ am Klavier zu hören.
1985 begann er ein Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, welches er 1986 aus politischen Gründen abbrach.[1] Nachdem sich die Band von Stefan Diestelmann aufgelöst hatte, wechselte Blume zu Zenit. 1987 nahm das DDR-Label Amiga das erste Soloalbum mit Blume auf.
1988 gründete er seiner erste eigene Band, die Intercity Blues Band und arbeitete mit Big Joe Stolle, mit dem er bereits bei Zenit gemeinsam musiziert hatte, zusammen. Zeugnis dieser Zusammenarbeit ist die 1990 veröffentlichte CD „Reflection in Blues“.
Im Jahre 1992 eröffnete Blume eine private Musikschule in Eisenach. Seit Mitte der 1990er Jahre ist er vorwiegend solistisch tätig. Das Soloprogramm ist eine Hommage an die Traditionen berühmter Boogie- und Swing-Pianisten. Ab 1995 führten ihn Gastspielreisen regelmäßig in das Ausland. Er gastierte bereits in Schweden, Tschechien, den USA, Litauen und in der Türkei.
Seit 1998 existiert die Alexander Blume Jazz Family. Zu dieser Formation gehören seine Söhne Maximilian (Schlagzeug), Daniel (Klarinette, Saxophon), Cornelius (Trompete), Michael (Bass) und Gunter Mlynski (Posaune).
Das Alexander Blume Trio gründete er im Jahre 2003. Das Trio, bestehend aus seinem Sohn Maximilian am Schlagzeug und dem Bassisten Andreas Buchmann, sieht sich in der Tradition bluesorientierter Hardbop- und Soul-Pianisten, wie Ray Bryant, Bobby Timmons, Ramsey Lewis und Les McCann und wird gelegentlich durch den Trompeter Daniel Hofmann ergänzt, mit dem er 2003 die CD „I believe in music“ aufnahm.[2]
Zeitweilig arbeitet Blume mit weiteren Musikern und Bands zusammen und war an der Produktion von gemeinsamen Alben beteiligt (Christoph Gottwald, Jana Wiesenthal, Undertaker Blues Band, Mama Blues Projekt, Kasseturm Jazzband Weimar). Neuestes Projekt ist die Iceland Blues Band, mit der er im Jahre 2007 die CD „Iceland Blues“ aufnahm. Zur Band gehören: Alexander Blume (Piano), Daniel Hofmann (Trompete, Flügelhorn), Wieland Götze (Schlagzeug), Christian Patzer (Saxophon) und Ole Rausch (Gitarre).





Alexander Blume Boogie Woogie Piano Sunday Morning Blues


Travelling Blues
... war eine Band aus Eisenach. Gegründet wurde sie Anfang 1974 von Dieter Gasde. Zur Urbesetzung gehörten neben Gasde: Christoph Martin Neumann (g, bg), Mike Ullrich (dr), Hans Peter Beck (voc) und Rudolf Schmidt (g). Schon ein Jahr später zum ersten Thüringer Bluesfestival spielte man vor
3 000 Zuschauern und wurde gefeiert. Obwohl auch diese Band eine zeitlang mit verschiedenen musikalischen Stilrichtungen experimentierte, fühlte sich Travelling, wie fast alle Thüringer Bands, dem tiefschwarzen, traditionellem Blues verbunden. Im Repertoir hatte die Band auch Eigenkompositionen mit Texten von Heinrich Heine.

1976 wurde die Band von Sänger Peter Montag neuformiert und wurde kurze später als "Hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR" ausgezeichnet, woraufhin Travelling zunehmend überregionale Bedeutung erlangte. Man gab bis zu siebzig Konzerte im Jahr. 
Nach anfänglich häufig wechselnder Besetzung spielte Travelling ab 1980 in der Besetzung:
Dieter  Gasde (voc, harm, sax, fl)
Rudolf Schmidt (g)
Thomas Kögel (dr)
Erich Fenske (p)
Karl Aschenbach (voc, bg, g).
Auch Alexander Blume gehörte der Band eine zeitlang als Pianist an.

Die Band erfreute sich besonders im Thüringer Raum großer Beliebtheit und blieb, bis auf wenige Rundfunkproduktionen, eine Live-Band. Im Rahmen des American Folk Blues Festivals begleitete die Band Louisiana Red, nahm am Festival "Rock für den Frieden" teil und bekam sogar die Möglickeit im östlichen Ausland zu gastieren. Mit der Wende in der DDR kam auch für diese Band praktisch das Ende. Offiziell aufgelöst wurde sie jedoch erst 1999 nach dem Tod von Fenske.
Gasde verfolgte jedoch schon ab der 1980er Jahre eigene Projekte, trat nebenher mit Neuman als Duo "Bluesong" auf, sang bei „Prima Klima“, arbeitete zeitweilig mit Stefan Diestelmann, Alexander Blume und Thomas Stelzer zusammen. Gemeinsam mit Hendrik Kleditz tritt er als „Good News“ auf, gehörte dem „Thüringer Blueszirkus“ an und spielte im "Leonard Exson Trio".
Schmidt, auch als „Blues-Schmidt“ bekannt ist heute Mitglied der "Alex Exson Band".
„Kalle“ Aschenbach, eigentlich Karl-Gustav Reinhold Aschenbach, kam von „Liederjahn“, wo er von 1979 bis 1981 spielte, hatte ab 1989 diverse Projekte und  spielt heute vor allem bei „Pocket Jazz“ und „Jazz Cube“.
Zum Bluesfasching in Apolda in 2010 stand die Band wieder auf der Bühne. Die aktuelle Besetzung: Christoph Gottwald (bg, tuba), Frank Müller (dr), Boris Tautorat (g), Kate Daniels (voc), Dieter Gasde (voc, sax, fl, harm) und Andreas "Andi" Geyer (org, p).



Reflection In Blues    Intercity Bluesband, Alexander BlumeMP3-Download

http://www.amazon.de/Reflection-Blues-Alexander-Intercity-Bluesband/dp/B002XKHDV4/ref=sr_1_1?s=dmusic&ie=UTF8&sr=1-1&keywords=alexander+blume 



Alexander Blume Boogie Woogie Piano Honky Tonk Train Blues




Als Kind war es mein sehnlichster Wunsch, neben Schlagzeug auch Klavier spielen zu können. Leider bekam ich nie die Chance es zu lernen. Immerhin brachte ich mir selbst den "Flohwalzer" bei, doch damit waren meine künstlerischen Vorstöße auch schon erschöpft. Einer, der es tausendfach besser kann, für den das Klavier so etwas wie "das zweite Ich" darstellt, lebt im thüringischen Eisenach - leider weitgehend unbeachtet von der überregionalen Öffentlichkeit. Dabei hätte er durchaus die große Bühne verdient, denn er ist einer der begnadetsten und besten Pianisten in deutschen Landen. Sein musikalisches Herz schlägt für den Boogie Woogie, den er so begeisternd und hingebungsvoll interpretiert wie kaum ein Zweiter. Der Blues wohnt ebenso in ihm wie die Liebe zur Jazzmusik, was er nach wie vor immer wieder bei seinen Konzerten eindrucksvoll beweist.
Natürlich kann es hier nur um einen gehen: ALEXANDER BLUME. Manch einer wird jetzt fragend gucken und rätseln, wo er den Namen schon mal gehört hat. Vermutlich wird ihm dann einfallen, dass die Lösung bereits mehr als dreißig Jahre zurückliegt, denn da begann ALEXANDER BLUME als gerade mal 17-jähriger Bursche in STEFAN DIESTELMANNs Folk Blues Band erste Anerkennung für sein Klavierspiel zu ernten. Als nächstes strandete er dann bei BIG JOE STOLLE's Band ZENIT, ehe er sich dazu entschied, zunächst als Solist weiterzumachen und im Laufe der Jahre diverse musikalische Projekte anzugehen.
In unserem Interview zeichnen wir ALEXANDER BLUMEs facettenreichen Weg als exzellenter Musiker nach, erhalten interessante Einblicke über seine Zeit bei und mit Stefan Diestelmann, erfahren etwas über sein Engagement als Musikpädagoge, welche Rolle das ferne Jordanien in seinem Leben spielt und vieles mehr...

Samstag, 31. August 2013

Otis Spann

Otis Spann



Otis Spann (* 21. März 1930 in Jackson, Mississippi; † 24. April 1970 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Blues-Pianist und -Sänger.




Otis Spann - Blues Don't Like Nobody

Ebony and Ivory Blues [Doppel-CD]  Otis Spann Audio CD 

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The Sideman

Otis Spanns mitreißender Klavierstil ist aus dem Chicago Blues der 50er Jahre nicht wegzudenken. Er begleitete Bluesgrößen wie Muddy Waters, Howlin' Wolf, Buddy Guy, Little Walter, Bo Diddley und Sonny Boy Williamson ll bei unzähligen Sessions. Außerdem wirkte er 15 Jahre lang in der Muddy Waters'-Band mit. Seine vielversprechende Solo-Karriere endete 1970 nach nur zweijähriger Dauer, als er an Krebs starb.

In seinen Eigenschaften als Bandleader und -mitglied hat Otis Spann einen beispiellosen Beitrag zum Chicago Piano-Blues geliefert. Seine Musik gehörte zu einer Sparte des Blues, die sich seit den
90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kon- tinuierlich entwickelt hatte. Denn der Piano-Blues hatte seine Wurzeln in einer anderen Tradition als in der, die Gitarristen und Banjospieler inspirierte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Klavier von den exakten Synkopen des Ragtime bestimmt. Die meisten “Ragtimer” - angeführt von Scott Joplin - waren ausgebildete Musiker. Aber viele der nachfolgenden Pianisten, die sich von Joplin inspirieren ließen, hatten keinerlei syste-matische musikalische Ausbildung durchlaufen. Sie kreierten einen Stil, der die strengen Gesetze des Ragtime sprengte und Raum für Inspiration zuließ.

KEIN VORNEHMES MILLIEU

Diese Musiker hatten nie eine Konzerthalle von innen gesehen. Sie spielten vielmehr in Etablisse-ments, die nicht gerade der geistigen Erbauung dienten: Es gibt Hinweise darauf, daß der Piano Blues in den Work-Camps von Louisiana und Texas seinen Ursprung hatte. Ein rauhes Milieu erforderte eine Art der Unterhaltung, die auch nicht gerade zart besaitet war. Der Boogie-Woogie erfüllte diese Bedingungen. Die flotte Musik, bei der der Pianist mit der linken Hand rhythmi-
sche Achtelwerte spielt und mit der rechten im Oktavbereich improvisiert, kam auch bei einem schwer zu bändigenden Publikum gut an. Ein ganzer Wanderzirkus von Pianisten zog durch die Lager der Holz- und Baumwollarbeiter, durch Bordelle, Bars, Barrelhouses und Vaudeville-Theater. Verschiedene Moden und Vorlieben entstanden, und jede Stadt hatte ihre eigenen Lokalgrößen, die für ihren individuellen Stil oder ihre Melodien berühmt waren. Später, in den 30er Jahren, kamen Klavier-und-Gitarre-Duos auf. Bekannte Vertreter dieser Spielweise waren z.B. Tampa Red und Georgia Tom (Thomas Dorsey). Als Dorsey aus dem Bluesgeschäft ausstieg, arbeitete Tampa Red unter anderen mit Black Bob und Blind John Davis zusammen. Im Sommer 1941 tat er sich mit einem neuen Partner zusammen, Big Maceo Merriweather, der in Georgia geboren war, jedoch in
Detroit wohnte. Im Oktober 1945 spielte Maceo “Chicago Breakdown” ein - einen Titel, der seine
außergewöhnliche Power und seinen Erfindungsreichtum demonstrierte. Ein Schlaganfall beendete seine Karriere, aber er gab sein Können an zwei begeisterte Schüler weiter. Der erste war Little Johnny Jones, der 1949 Mitglied von Tampa Reds Band wurde und dann eine andauernde Platten-
Partnerschaft mit Elmore Jones einging. Der zweite Schüler war Otis Spann, der später den typischen Chicago Piano-B1ues-Stil verkörpern sollte.
Otis Spann - Good Morning Mr. Blues

ELTERNZWIST

Otis wurde am 21. März 1930 in Belzoni, Mississippi, als Sohn von Frank Spann und Josephine Erby geboren. Seine Mutter hatte einst mit Memphis Minnie gesungen, war aber später zur frommen Christin avanciert und billigte die Bluesmusik nicht mehr. Sein Vater war weitaus toleranter in dieser Hinsicht, und es amüsierte ihn, welch ungeheure Faszination das Blues-Piano-Spiel von Friday Ford (einer lokalen Bluesgöße) auf Otis ausübte. "Friday Ford war ein toller Mensch und ein großartiger Klavierspieler”, so Otis im Gespräch mit Paul Oliver. Und weiter sagte
er: “Ich halte ihn sogar für ein Genie. Er brachte mir alles übers Klavierspielen bei - bis kurz vor seinem Tod war ich sein Schüler. Er nahm mich immer auf den Schoß und sagte: 'Hier (am Klavier) sitzt du nur, weil du spielen lernen sollst." Aber ich konnte noch nicht spielen, weil ich einfach zu klein war und meine Finger noch nicht lang genug waren, um in die Tasten zu hauen. Und später, als es mit dem Spielen ging. da war er schon tot. Aber ich hab` nichts von dem vergessen, was er
mir gezeigt hatte Ich hatte es im Kopf. Und so fing ich an zu spielen. Hab`s alles ihm zu verdanken." Der Vater kaufte Otis ein Klavier, und innerhalb von 24 Stunden wurde seiner Mutter klar, was er darauf trommelte – den Blues. Frank Spann konnte sie beruhigen - wohl dadurch, indem er sie davon überzeugte, daß das Talent des Filius auch in den Dienst der Kirche gestellt werden könnte. Otis schaffte es im Alter von nur acht Jahren einen Wettbewerb im Alamo Theater in Jackson, Mississippi zu gewinnen, und zwar mit Bessie Smiths “Backwater Blues”.

WEEKEND BLUESMAN

Sobald er besser spielen konnte, verbrachte Otis seine Wochenenden in Belzonis Juke Joints und anderen Kneipen. Außerdem fuhr er regelmäßig nach Jackson, um dort Gastspiel-Künstler im Alamo-Theater zu begleiten. Außerdem spielte er mit seinem Vetter Johnnie Jones in den Clubs der Stadt. Als Otis' Mutter 1947 starb, schickte ihn der Vater zu Verwandten nach Chicago. Dort arbeitete er tagsüber als Maurer und trieb sich abends auf Partys und in Bars herum - eine gute Gelegenheit, den Blues in seiner ganzen Fülle aufzunehmen. Beim Einstieg in die Szene half ihm kein Geringerer als Muddy Waters. Jahrelang gaben sich die beiden gegenseitig als Halbbrüder aus, bis Muddy bei Jim O”Neal beichtete: “Otis Spann, der war mein Stab und meine Stütze. Wir standen uns zwar so nahe wie Brüder, waren aber keine." Otis sammelte in der Chicagoer Tick
Tock Lounge erste Erfahrungen als Bandleader. Die “Band” bestand aus ihm, dem Mundharmonika-spieler Forrest City Joe und dem Schlagzeuger Francis Clay. Muddy Waters hatte seit 1947 in regelmäßigen Abständen für Aristocrat und Chess Platten eingespielt und dabei sowohl mit Sunnyland Slim als auch mit Johnnie Jones zusammengearbeitet. Zuerst war Plattenproduzent Leonard Chess nicht begeistert von der Idee, Muddys Band mit ins Studio zu lassen, aber als
deren Zusammenspiel und Sound immer dynamischer wurden, gab er schließlich nach. Und so kam es, daß zuerst Little Walter und dann Jimmy Rogers und Schlagzeuger Elgin Evans regelmäßig bei Sessions mit dabei waren. Aber trotz dieses erstklassigen Line-ups fehlte Muddys Meinung nach
etwas Entscheidendes in der Besetzung.“ lch war davon überzeugt, daß das Klavier schon immer ein Blues-Instrument war und auch in meiner Musik seinen Platz hatte", sagte er. “Mit einem Klavier kriegt man ganz einfach einen weitaus volleren Background-Sound.“
Er hatte sich zu dem Zeitpunkt seinen Pianisten natürlich schon ausgesucht, und am 24. September 1953 hatte Otis bei einer Session Gelegenheit, ein Solo zu spielen. Das Ergebnis waren die beiden umwerfenden Titel “Blow Wind Blow” und “Mad Love“ (auch als “I Want You to Love Me”
bekannt). Zum Zeitpunkt der Session war Otis bereits zwei Jahre lang Mitglied der Muddy Waters Band gewesen und hatte dabei einen Klavierstil entwickelt, der die Gitarren ergänzte, statt sie zu bekämpfen. Diesen Stil hatte er vom großen Meister Muddy Waters selbst gelernt.


Otis Spann - Must Have Been The Devil

MENTOR MUDDY

“Mich haben viele Leute gefragt, wieso der Otis den Blues so gut spielen kann", berichtete Muddy Waters. “Sie wußten halt nicht, daß er mich besuchen kam. Er parkte vor meinem Haus mit *ner Flasche Whiskey, und ich setzte mich zu ihm und erklärte ihm genau, was er auf dem Klavier machen sollte, während ich den Blues sang." Es traf sich, daß Otis Spann auf Muddy Waters Platten erschien, als dieser seine größten Erfolge erzielte. Auf “Mad Love” folgten “I'm Your Hoochie Coochie Man", “Just Make Love to Me”, “l'm Ready” und “Mannish Boy". Otis war auch bei Bo Diddleys Debut-Single “l'm a Man”, bei Howlin” Wolfs “Rocking Daddy”, bei Jimmy Rogers “Walking By Myself“, Little Walters “Got to Find My Baby” und Chuck Berrys “You Can't Catch
Me” mit von der Partie. Und als Sonny Boy Williamson II im August 1955 bei Checker unter Vertrag ging, wurde Otis bei seinen Sessions genauso unentbehrlich wie bei Muddy Waters'.
Inzwischen hatte er (im Oktober 1954) eine eigene Platte herausgegeben. Die Tonqualität war jedoch nicht berauschend, und niemand scheint genau zu wissen, wer die Session-Musiker waren. Die heutigen Blues-Experten tippen auf folgendes Line-up: Henry Current (Mundharmonika), Jody Williams und B.B. King (Gitarren), Willie Dixon und Fred Below (Baß). Das Ergebnis einer Spann-Session im Juli 1956 wurde erst in den 80er Jahren entdeckt: “I'm Leaving You” und “I`m in Love With You Baby” sind mitreißende, rockende Blues-Nummern. Die Interpreten Walter Horton und Robert Lockwood wirkten dabei ebenfalls mit. Im Oktober 1958 begleitete Otis Muddy Waters auf eine Tournee durch Großbritannien (mit Chris Barbers Jazzband). Für das britische Publikum, das an den eher vom Folk beeinflußten Stil eines Big Bill Broonzy, Brownie McGhee und Sonny Terry gewöhnt war, stellte der harsche Sound von Muddys verstärkter Slide Guitar einen ziemlichen Schock dar. Sie taten sich etwas schwer, ihn als “The World's Greatest Living Blues Singer” (wie das Programm ihn bezeichnete) anzuerkennen. “Am nächsten Morgen standen die Schlagzeilen “Kreischende Gitarre und jaulendes Klavier” in der Zeitung", erinnerte sich Muddy Waters.

NEU IN NEWPORT

Zwei Jahre später, am 3. .Juli 1958, bildeten Muddy und seine Band den Höhepunkt des
“Bluesnachmittags” beim Jazz Festival in Newport. Als Muddys Auftritt beendet war,
demonstrierte Otis mit der Band anhand von vier Melodien verschiedene Blues-Piano-Stile. Seine bewegende Darbietung wurde in das Live-Album Muddy Waters at Newport aufgenommen. Sein hervorragendes Spiel an jenem Bluesnachmittag in Newport führte einen Monat später zu einer Aufnahme-Session, deren Material auf der CD mit dieser Ausgabe zu finden ist. Das Originalalbum, Otis Spann Is the Blues, wurde am 23. August 1960 in New York eingespielt und 1961 veröffentlicht. Otis spielte nicht nur eine Rekordzahl von eigenen Titeln ein (20), sondern begleitete
auch noch den Gitarristen Robert Lockwood auf vier und den Veteranen der Blueskomponisten, St. Louis Jimmy, auf sieben Tracks. Er wußte die Gelegenheit zu nutzen, ,seine Talente als Pianist und Bluessänger ein für alle mal unter Beweis zu stellen. “Mit Otis im Aufnahmestudio zu arbeiten, war ein Kinderspiel", teilte der Plattenproduzent Nat Hentoff dem Journalisten Mark Humphreys mit. “Er wußte einfach genau, was er wollte. In der Zeit, die wir zur Verfügung hatten, hätten wir genauso gut vier Alben einspielen können statt nur zwei, denn nach nur einem Take war die Auf-nahme im Kasten. Wenn's länger dauerte, dann lag es am Toningenieur und nicht an Otis.” Ein zweites Album mit dem Titel Walkiıı' the Blues sollte 1962 herauskommen, aber das Label (Candid) machte pleite, und das Album erschien erst 10 Jahre später. Spann behauptete immer, daß er mit sei-
ner Rolle als Sideman zufrieden war, machte aber in den 60er Jahren auch Solo-Alben. 1963 z.B. spielte er im Rahmen der Europa-Tournee mit dem American Folk Blues Festival in Copenhagen The Blues of Otis Spann für Decca ein. Muddy Waters – auf dem Cover als “Brother” bezeichnet -lieferte den Gitarrenbeitrag. Weitere Album-Sessions folgten; außerdem wirkte Otis weiterhin bei Sessions von Muddy Waters, Buddy Guy, Luther Johnson, Johnny Shines, George Smith, Big Ma-
ma Thornton und Johnny Young mit.

 T.B. Blues

Frisch Motiviert

Ende der 60er Jahre ging Otis eine zweite Ehe ein. Seine Frau, Lucille Wilson, wollte Sängerin werden. Sie wirkte auf Otis' zweitem Album für das Bluesway-Label, The Bottom of the Blues, mit; außerdem im März 1968 bei Cryin' Time (Vanguard). Nach Meinung vieler Fans und Freunde war
es Lucilles Ehrgeiz, der Otis Spann zur Intensivierung seiner Solo-Karriere antrieb. Anfang 1969 nahm Otis an der Session für Blues Jam at Chess teil, einem Tribut-Album Fleetwood Macs an Chess und den Chicago Blues. (lm Juni 1968 hatte er bereits für Blue Horizon eine Single eingespielt, bestehend aus “Can't Do Me No Good” und “Bloody Murder", begleitet von Walter Horton, Johnny Shines, Willie Dixon und Clifton James.) Zwischen Otis Spann und Fleetwood Mac klappte die Zusammenarbeit so gut, daß eine weitere Session in New York arrangiert wurde, deren Ergebnis The Biggest Thing Since Colossus war.
Vier Monate später, am 21. April 1969, sollte Otis mit seinem Mentor und "Bruder" Muddy Waters zum letzten Mal eine Studio-Session abhalten, der drei Tage später ein mLive-Mitschnitt folgte: Fathers and Sons. Mit diesem Album huldigten Paul Butterfield und Mike Bloomfield Waters dem
“King des Chicago Blues". Otis war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Mitglied der Waters-Band, kehrte aber anläßlich dieser Gelegenheit bereitwillig zurück, um sein
unvergleichliches Talent wieder zur Verfü-gung zu stellen.

DIE LETZTEN JAHRE

Muddy Waters hatte Otis Weggang von der Band mit Gelassenheit getragen. “Wenn jemand Talent hat, dann soll er es auch zur Schau stellen. Da muß man ihn gehen lassen, selbst wenn man ihn aus-gebildet hat. Und wir trugen einander nichts nach, waren ja wie Brüder Wir haben immer gelacht und gescherzt, und oben auf der Bühne, da hatten wir unsere Insider-Witze, mit denen wir uns ver-ständigten” Aber Otis blieb nur wenig Zeit, seinen neuen Status als Solo-Künstler zu genießen.
Im August 1969 spielte er noch einmal ein Album ein, The Everlasting Blues. Danach jedoch ging es mit seiner Gesundheit rapide bergab. Am 30. Dezember '69 und am 8. Januar 1970 schaffte er es gerade noch, als Session-Musiker für Junior Wells' Album Southside Blues Jam zugegen zu sein.
Im Frühling wurde er mit Leberkrebs ins Krankenhaus eingeliefert. Er starb am 24. April 1970. Seine Kollegen widmeten ihm,“dem größten Bluespianisten seiner Generation", das Album Southside Blues Jam. Schon Jahre zuvor hatte Muddy Waters über Otis gesagt: “Er kennt meine Musik besser als jeder andere. Wir täten gut daran, noch mal so ein Talent wie seins heran-zuzüchten.“ Doch das schaffte die Blueswelt nie.
My daily wish

Freitag, 30. August 2013

Roosevelt Sykes

ROOSEVELT SYKES 


Roosevelt Sykes (* 31. Januar 1906 in Elmar, Arkansas; † 17. Juli 1983 in New Orleans, Louisiana) war ein einflussreicher US-amerikanischer Blues-Pianist, auch bekannt als „the Honeydripper“.
Mit 15 Jahren begann Sykes, Piano zu spielen. Anfang der 1920er zog die Familie nach St. Louis, wo Sykes bald als hervorragender Bluesmusiker bekannt wurde. Wie viele ander Musiker zog er herum und spielte vor einem ausschließlich männlichen Publikum in Sägewerken und Bauarbeitercamps entlang des Mississippi Rivers. Hier erarbeitete er sich ein Repertoire von rohen, sexuell anzüglichen Liedern. 1929 wurde er von einem Talentescout entdeckt und er machte seine erste Plattenaufnahme für Okeh Records. Es handelte sich um den " 44 Blues", einer Nummer, die zu einem Bluesstandard und zu seinem Markenzeichen wurde. Er machte viele Aufnahmen für verschiedene Labels, auch unter Pseudonymen wie „Easy Papa Johnson“, „Dobby Bragg“ und „Willie Kelly“.

In den 1940ern ging Sykes nach Chicago; dort nahm er auch einige Singles für United auf. Er war einer der wenigen Musiker, die auch während des Krieges, in Zeiten der Rationierung, Aufnahmen machen durften. Sykes war einer der ersten amerikanischen Bluesmusiker, die in Europa auftraten. Nachdem der elektrifizierte Blues in Chicago das Musikgeschehen beherrschte, ging Sykes nach New Orleans. Dort begann er in den 1960er-Jahren wieder Platten aufzunehmen so für Delmark, Bluesville, Storyville und Folkways.

Seine letzten Jahre verbrachte Roosevelt Sykes in New Orleans, wo er 1983 starb. 1999 wurde er in die Blues Hall of Fame aufgenommen.



night time is the rightr time


Mehr als ein halbes Jahrhundert lang War Roosevelt Sykes eines der hervorstechendsten Bluestalente - und das nicht nur, weil er einer der lautesten Bluesmen war. Die Musik der Schwarzen machte zu seinen Zeiten viele Veränderungen durch, doch Sykes war anpassungsfähig.
Neben seiner einschmeichelnden Cocktail Bar-Melodien produzierte er wunderevollen lauten, stampfenden Blues.
Roosevelt Sykes war ein korpulenter Mann, dessen gutmütige, wenn auch manchmal bedrohlich wirkende Art an den Schauspieler Edward G. Robinson erinnert. Er war immer korrekt gekleidet, rauchte dicke Zigarren oder eine Pfeife und aß (und kochte) gerne. Im großen und ganzen machte er den Eindruck, als sei er mit sich, der Welt und dem, was er im Leben erreicht hatte, zufrieden.
Und seine Erfolge waren beachtlich. Kein anderer Bluespianist kann so stolze Leistungen vor-weisen wie Sykes, der praktisch jeden bedeutenden Bluesman seines Metiers beeinflußt hat. Memphis Slim imitierte ihn anfangs schamlos - bis Big Bill Broonzy ihn zu einem eigenen Stil überreden konnte. Auch bei Sunnyland Slim mit seinem ungeschliffenen, kraftvollen Klavierstil ist Sykes Einfluß deutlich zu hören. Doch auch Sykes' Songs sind nicht vergessen, z.B. die Evergreens “Night Time ls the Right Time” oder “Mistake in Life". Letzterer beginnt mit der Strophe “l met a handsome stranger, tried to persuade her to be my wife“, die John Lee Hooker falsch verstand
und als “I met half a stranger interpretierte. Unvergeßlich auch Sykes' anzüglicher Song “Ice Cream Freezer": “My baby owns a ice cream freezer she lets meput my milk in her can
Her freezer ain`t to be turned by no other man Some people crave vanilla or strawberry but black walnut is all I love When I put my spoon in her freezer it fits like a rubber glove ...”

ERSTE AUFTRITTE

Sykes hatte es des öfteren mit der Anzüglichkeit. “Dirty Mother for You” beschreibt “a cute little secretary, they call her Terry all she needs is a big DlC...tionary” (“Dick” ist Umgangssprache für Penis). Sykes muß diese Songs hundert, vielleicht tausend Mal gesungen haben, doch er klang nie gelangweilt, sondern trug sie immer mit demselben Enthusiasmus vor. Es war ein wahrer' Genuß,
ihn um sich zu haben und ihm zuzuhören Er kam am 31. Januar 1906 in der Nähe von West Helena, Arkansas, zur Welt. Als er noch ein Baby war, zogen seine Eltern nach St. Louis. Innerhalb weniger Jahre starben jedoch Vater und Mutter, und der 7jährige Roosevelt wurde in einen Bus gesetzt und
zurück nach Arkansas zu seinen Großeltern verfrachtet. Sein Großvater predigte in der Kirche im
Ort und hatte zu Hause eine Heimorgel, auf der Roosevelt als kleiner Junge spielen lernte. Später kauften Nachbarn der Großeltern ein Klavier, und er konnte dort seine Künste verfeinern.
Als er ca. 15 Jahre alt war (laut einem Artikel, den sein Kollege John Bentley für Living Blues verfaßt hatte), spielte er in ein paar Kneipen für oft nicht mehr als 50 Cent Klavier. “Er spielte von Samstag abend bis in die frühen Morgenstunden am Sonntag, wobei ihm ältere Rivalen grimmig über die Schulter sahen und auf eine Gelegenheit warteten, den Grünschnabel loszuwerdenf'
Sykes' Leben änderte sich kurz darauf, als er den älteren Pianisten Lee Green hörte, der im ortsansässigen Theater die Hintergrundmusik zu Stummfilmen lieferte. (Wir befinden uns in den 20er Jahren!) Sykes war so von dessen Können fasziniert, daß er sich mit ihm anfreundete. Und als Green einen Tapetenwechsel brauchte und sich auf den Weg nach Louisiana aufmachte, schloß
Sykes sich ihm an.


double dirty mother


“HoBos” UND IHRE KULTUR

In den nächsten Jahren waren die Männer viel auf Reisen, wie Bentley berichtete: “Sie trampten regelmäßig per Eisenbahn, hin und her zwischen New Orleans und St. Louis Sie kannten die Fahrpläne in- und auswendig, kannten die Kontrolleure und wußten, wo sich die besten “Hobo-Jungles” befanden.“ (Hobo-Jungles waren abgelegene Camps, wo die “Hobos” bzw. Eisenbahn-
Tramper, ob weiblich oder männlich, ein Feuer machen und sich etwas zu essen kochen sowie sich zum Schlafen niederlegen konnten.)
Gegen Ende der 20er Jahre ließ sich Sykes in St. Louis nieder, das damals aus weit verstreut liegenden Stadtvierteln bestand und nicht gerade den besten Ruf hatte. Die Verwaltungsbeamten waren durchweg korrupt, und so entstanden zwielichtige Bezirke mit ebensolchen Kneipen, in denen allerdings die Jazz- und Bluesmusiker der damaligen Zeit oft Arbeit fanden. So auch Sykes, der sich mit Klavierspielen, Kellnern oder Tellerwaschen seinen Lebensunterhalt verdiente.
Einer der Treffpunkte der schwarzen Musiker von St. Louis war der DeLuxe Musikladen, der sich direkt hinter dem Booker T. Washington Theater befand. Der Besitzer, Jesse Johnson, war sowohl im Bereich der Politik als auch der Musik eine einflußreiche Persönlichkeit der Stadt und hatte z.B. bei ,einigen Plattenfirmen Kontakte. Sykes trieb sich tagsüber dort herum, hörte Platten und übte gelegentlich auf dem Klavier, das im Laden stand.


Johnson war es auch, der eines Tages meinte, Sykes sei gut genug, um selbst Plattenaufnahmen zu machen. Sykes war anfangs nicht sehr begeistert von dieser ldee, beschloß jedoch, daß es einen Versuch wert wäre. 1929 setzte er sich in einen Zug nach New York und spielte ein halbes Dutzend Titel für Okeh Records ein. Bereits seine erste Single, ““44` Blues”/“Boot That Thing" ("OKeh 8702", wie sich Sykes viele Jahre später noch stolz erinnerte), war ein Erfolg, und Sykes machte kurz darauf weitere Aufnahmen - nicht nur für Okeh, sondern auch für die Konkurrenz. Um keine
vertraglichen Schwierigkeiten zu bekommen, legte sich Sykes eine Reihe von Pseudonymen zu: Er war “Willie Kelly” beim Victor-Label, “Dobby Bragg” bei Paramount und lief beim Melotone-Label von Brunswick unter dem Namen “Easy Papa Johnson“. Bis zum Sommer 1923, drei Jahre nach seiner Debut-Single, hatte er insgesamt 50 Titel aufgenommen, von denen bis auf zwei alle
erschienen waren. 1934 machte ein Newcomer den Labels in den USA Konkurrenz - die amerikanische Zweigstelle des britischen Konzerns Decca Record Company.
Die damaligen Manager waren die Kapp-Brüder Jack und Dave, die zuvor bei Brunswick Records für die Bereiche Blues und Country Musik zuständig gewesen waren. Mitgebracht zu Decca hatten sie ein kleines Büchlein, das wertvolle Kontakte und Adressen enthielt. Ein wichtiger Name in ihrem Adressbuch war Jesse Johnson, der auch prompt im August 1934 Sykes für eine Aufnahme-Session bei Decca buchte. Seine Single “D.B.A. Blues"/”Ethel Mae Blues” gehörte zum ersten Dutzend Aufnahmen des neuen Decca-Labels.

HONIGSÜSS

Dann wurde es urplötzlich still um Roosevelt Sykes. Genau 18 Monate lang, bis Februar 1936, setzte er keinen Fuß mehr in ein Tonstudio. Doch dann nahm seine Karriere eine dramatische Wende. Die Session im Februar brachte ihm nicht nur einen fünfjährigen Vertrag mit Decca ein, sondern er erhielt auch sein eigenes Markenzeichen: Von nun an wurden seine Platten unter dem Pseudonym “The Honey Dripper", mit seinem richtigen Namen in Klammern, veröffentlicht.
War das eine etwas bissige Antwort auf zeitgenössische Kollegen, die mit ihren Spitznamen - wie Bumble Bee Slim oder Lovin' Sam Theard (die beide gelegentlich Platten für Decca einspielten) - Erfolg gehabt hatten? Laut Sykes war die Antwort darauf Nein, da er dieses Pseudonym schon seit Jahren verwendete. Die aus St. Louis stammende Sängerin (und Jesse Johnsons Frau) Edith North Johnson nahm 1929 zwei Versionen eines Songs namens “Honey Dripper Blues” auf. Man vermutet, daß er Sykes gewidmet war, der Edith North Johnson manchmal auf dem Klavier begleitete. Doch laut Sykes stammt der Spitzname aus seinen Kindertagen. Während der Pausen in der Schule spielte er Orgel, und die anderen Schüler standen neugierig um ihn herum, was einen von ihnen zu der Bemerkung verleitete, daß “er so süß wie Honig sein muß, da sie wie die Bienen um ihn herumschwirren”. Vielleicht stimmt diese Geschichte, Vielleicht nicht. Man höre sich besser auch noch Sykes” typisch anzügliche Lyrics seines eigenen Songs mit dem Titel “The Honey Dripper” an: “Look-a-here pretty mama says l ain”t got no home Will you let me drip my honey
baby, in your honeycomb l'm your boss and you know that you my queen bee Don”t you let nobody
fool with your honeycomb but me.”

EINE NEUE HEIMAT

In den 30er Jahren zog Sykes zwischen St. Louis und Chicago hin und her und machte gelegentlich auch anderswo Station. In seiner Begleitung sah man häufig St. Louis Jimmy. Doch Anfang der 40er Jahre ließ er sich in Chicago nieder. Zwischen 1936 und 1941 nahm er ca. 60 Titel für Decca auf und war fester Bestandteil in ihrem “Rassen-Katalog". 1941 kehrte er zu OKeh Records zurück,
das sich seit den Tagen, als Sykes seine ersten Platten für das Label einspielte, sehr verändert hatte. Sykes produzierte erfolgreiche und populäre Singles wie “Let the Black Have His Way” (trotz seines Titels kein rassistischer Song) und “Training Camp Blues” für OKeh und spielte auf Sessions
von Washboard Sam, von Lonnie Johnson, St. Louis Jimmy Oden und anderen Blueskünstlern Klavier.
Viele von Sykes” Kollegen mußten nach dem Zweiten Weltkrieg die bittere Erfahrung machen, daß sie und ihre Musik nicht mehr gefragt waren. Nicht so Sykes, der seine Karriere wieder aufnehmen konnte und noch in den letzten Kriegsmonaten mit seiner Cover-Version von Cecil Grants Balladen-Hit “I Wonder” einen Hit in den Jukeboxen landete. Laut Bob Koester von Delmark Records, der in den 60er Jahren eine Reihe von Sykes` Platten produzierte, gab es damals angeblich Pläne, Sykes als Nachfolger des gerade verstorbenen Fats Waller zu vermarkten, und Sykes nahm auch Wallers “Honeysuckle Rose” auf. Die Idee war gar nicht so abwegig, wie sie erscheinen mag, da beide Bluesmen die gleiche Lebensfreude auszeichnete, doch Sykes war inzwischen ein Künstler in eigener Sache und viel zu erfolgreich, um den lmitator zu spielen. Ende der 40er Jahre war Sykes ein regelmäßiger Gast in den Studios von Bluebird und Victor und spielte mit einigen der besten Studiomusiker von Chicago seine Platten ein, z.B. mit dem Gitarrist Willie Lacey, den Saxo-phonisten Oett “SaX” Mallard und Bill Casimir oder dem Schlagzeuger “Jump” Jackson. Diese und andere Studiomusiker traten auch mit ihm und seiner Band, den Honeydrippers, in Clubs auf.
Sykes” übermütige, laute und für damals moderne Musik strotzte von einer Vitalität, die erstaunt bei einem Künstler, der zu jener Zeit bereits fast 20 Jahre im Plattengeschäft hinter sich hatte.
Doch in den 50er Jahren erhielt selbst Sykes' Optimismus einen kleinen Dämpfer, da sich die Fans ziemlich vom Blues abgewandt hatten (und höchstens den Downhome Blues eines Muddy Waters akzeptierten) und sich seine Platten nur schlecht verkauften. 1954 lebte Sykes in New Orleans und machte weder in Studios Musik noch trat er in Clubs auf. Doch schon bald darauf kehrte er nach Chicago zurück, wo er sich als Hauspianist im Opera House Club am Gaslight Square und später im Golden Eagle Saloon verdingte.

EIN NEUES PUBLIKUM

Anfang 1960 begannen sich die Leute wieder für den Blues zu interessieren, und Roosevelt Sykes war einer der Blues-Interpreten, die mit als erste davon profitierten. Ein Tip von seinem einstigen Jünger Memphis Slim führte zu zwei Alben, die er 1960 für das neue Bluesville-Label aufnahm. 1961 machte er in eigener Sache eine Konzert-Tournee durch Europa und spielte in London ein
paar weitere Alben ein. Mit keiner dieser LPs erzielte er nennenswerte Erfolge, doch er blieb im Blues-Geschäft, und man vergaß seinen Namen nicht. Als die Veranstalter des American Folk Blues Festivals Bluesinterpreten suchten, die im Rahmen ihres ersten Festivals den Blues nach Europa bringen sollten, gehörte Sykes zu den Favoriten. Er reiste 1965 mit dem AFBF nach Europa.
Zu jener Zeit lebte er in Houma, Louisiana, an der Golfküste, ca. 80 Kilometer südwestlich von New Orleans. lm Sommer spielte er in Badeorten entlang der Küste, wie Gulfport oder Biloxi, Mississippi (wo er mit dem Filmstar Jayne Mansfield auftrat), oder auf einem Vergnügungsdampfer namens Floating Palace in Houma. In New Orleans selbst spielte er regelmäßig im Court of Two Sisters Club. Louisiana, so sagte Sykes einmal, “war ein recht guter Ort für Musik". Doch neben seiner Arbeit fand er Zeit genug, um zum Angeln zu gehen, ein Hobby, dem er in den vielen Jahren, die er im Norden des Landes lebte, nur selten nachgehen konnte. Er schien relativ wohlhabend zu sein - was er auch hätte sein müssen, hätte er auch nur einen Prozentsatz der Tantiemen für seine Kompositionen “Driving Wheel” erhalten, mit der Junior Parker recht viel Erfolg hatte, oder für “Night Time Is the Right Time", das er zusammen mit Jimmy Oden verfaßt hatte (obwohl es hier Zweifel gibt, ob es tatsächlich aus Sykes' Feder stammte).

BLUES FÜR JEDERMANN

Roosevelt Sykes starb am 11. Juli 1983 in New Orleans. ln seinem Nachruf in Living Blues schrieb Bob Koester voller Bewunderung: “Ich glaube, kein anderer Bluesman war so philosophisch Seine Philosophie zieht sich wie ein roter Faden durch seine besten Songs." Als der Blues 1960 sein Revival erlebte, hatte Sykes dazu bemerkt: “Die Leute fangen gerade an zu begreifen, was Blues wirklich ist. Die Schwarzen haben das natürlich schon immer gewußt, obwohl einige versuchten, was Besseres zu sein, und sich von ihm abwandten. Die Weißen hielten den Blues sowieso für unter ihrer Würde – sie haben ihn einfach nicht verstanden. Doch dann stellte sich heraus, daß der Blues in Wirklichkeit wie ein Mensch ist, der betroffen und betrübt ist, und daß jeder den Blues haben kann, egal ob Weißer, Schwarzer, Chinese, Japaner - alle können sie ihn haben. Die Welt ist nicht nur für eine Art von Menschen gemacht. Dir läuft deine Frau oder deine Freundin davon, oder ein Rivale nimmt sie dir weg - das bekümmert dich. Du steckst viel Geld in etwas hinein, und dann hintergeht dich jemand, und du bist pleite - das macht dich fertig. Du hast viel Zeit und Energie investiert und bist nun kraft- und willenlos. Und dann hast du den Blues. So, wie ihn jeder haben kann.“


"People are just beginning to understand what is really blues. The blacks have of course always known, although some tried to be something better, and turned away from him. The whites were the blues anyway beneath them - they just do not understand him. But then it turned out that in reality the blues is like a person who is affected and afflicted, and that everyone can have the blues, whether White, Black, Chinese, Japanese - all they can have him. The world is not only made ​​for one type of people. You running out of your wife or your girlfriend, or a rival it takes you away - that troubles you. You put a lot of money into something, and then you go behind someone and you're broke - that makes you ready. You spent a lot of time and energy and are now-and will-power. And then you got the blues. So how can it have any. "

Roosevelt Sykes Runnin' The Boogie

"HONEYDRIPPER" ROOSEVELT SYKES
Roosevelt Sykes wurde am 31. Januar 1906 in Elmar, Arkansas geboren, wo sein Vater als Musiker arbeitete. 3 Jahre später zog der Vater mit seiner Familie nach St. Louis, Missouri. Ungefähr im Alter von 10 Jahren spielte der Junge bereits Orgel. Oft besuchte er den Großvater auf seiner Farm in der Nähe von West Helena und spielte dort Orgel in der lokalen Kirche. Um 1918 erlernte er den Blues am Klavier. Bereits 3 Jahre später war er wie viele Bluesmusiker seiner Zeit als Wandermusiker in den Barrelhouses und Bordellen von Louisiana und Terpentinöl- und Deichbau-Lagern entlang des Mississippi unterwegs. In St. Louis trat er meist solo auf, doch gelegentlich schloss er sich anderen Musikern wie dem Gitarristen Big Joe Williams an. Großen Einfluss auf seinen frühen Bluespiano-Stil schrieb er später den damaligen lokalen Musikern von St. Louis wie "Red Eye" Jesse Bell, Joe Crump, Baby Sneed, und seinem wichtigsten Mentor "Pork Chop" Lee Green zu, der Sykes den "Forty-Four Blues"-Stil am Klavier lehrte - Musiker, die nie eine Schallplatte aufnahmen und heute vergessen sind. Sykes blieb in St. Louis obwohl er in den späten 1920er-Jahren häufig nach Memphis und Chicago reiste.
 
 
 
 the Honeydripper