Montag, 8. Juli 2013

Jon Lord

Jon Lord

Über John Lord, den kürzlich verstorbenen Frontman von Deep Purple, erwartet man normalerweise keinen Beitrag in einem Bluesblog. Doch gerade in der letzten Periode seines Schaffens fand John Lord zum Blues.

Ich war schon immer Deep Purple Fan und habe daher auch alle Soloprojekte von Jon verfolgt. Child in Time, Smoke on the Water und Highway Star sind Klassiker, diese Bluesaproduktionen stehen für mich über allen anderen Produktionen. Schade das Jon diesen Schaffenszyklus nicht mehr fortsetzen kann.

1950er und 1960er Jahre

Sowohl sein Vater als auch seine Tante waren Performance-Künstler, die ihr Talent als Duo mit einer lokalen Tanzgruppe zur Aufführung brachten. Erste musikalische Aktivitäten entwickelte Lord am Klavier der Familie, an dem er ab dem Alter von fünf Jahren klassischen Unterricht bekam. Als Teenager beeindruckte ihn die musikalische Performance von Jazz-Organisten, wie Jimmy Smith, und die von Pionieren des Rock-’n’-Roll-Pianos, wie Jerry Lee Lewis.
Mit neunzehn Jahren nahm Lord zunächst Schauspielunterricht in einer der führenden Dramaturgieschulen Londons. Von der Musik des Swinging London angezogen, begann Lord in diversen Jazz- und Rhythm-and-Blues-Combos zu spielen, die überwiegend in kleineren Kneipen und als Clubgigs in der Region London auftraten. Erste Erfolge konnte er mit der Bill Ashton Combo feiern, einer Jazzgruppe, die sich nach dem Saxofonspieler benannte.
1963 wechselte Jon Lord zu der von Derek Griffiths geleiteten Band Red Blood and his Bluesicians, was ihm ermöglichte, an seine erste elektrische Orgel zu kommen.
Nach eigener Aussage ist er in der Aufnahme des Kinks–Hits „You Really Got Me“ als Pianist zu hören.[1]
Die nächsten Jahre erspielte sich Jon Lord die Fähigkeiten zum Profimusiker. Er trat als Organist den bluesig-rockigeren Artwoods bei, deren Bandleader Art Wood, der ältere Bruder des späteren Rolling Stone Ron Wood, war. Die Artwoods veröffentlichten mehrere Singles und EPs, darunter ein heutiges Sammlerstück, Art Gallery, traten in Fernseh- und Radiosendungen auf und hatten viele Auftritte, schafften jedoch keine Hitparadenplatzierung, so dass sie sich bald wieder auflösten, nachdem ihr letzter Versuch, die Charts unter dem Pseudonym St. Valentine’s Day Massacre zu erreichen, ebenfalls scheiterte.
Ron Wood nahm mit Jon Lord später drei Instrumentalnummern unter dem Namen Santa Barbara Machine Head auf.

Deep Purple

The Flower Pot Men, die eher ein Gesangsensemble waren und einen psychedelischen Hit hatten, waren für eine gebuchte Tournee auf Musikersuche und engagierten Jon Lord sowie Nick Simper und den Schlagzeuger Carlo Little, der bei den Screaming Lord Sutch’s Savages bereits an Ritchie Blackmores Seite spielte.
Kurz darauf gründeten Jon Lord und Ritchie Blackmore Deep Purple, auch Nick Simper wurde als Bassist engagiert. Zwischen 1968 und 1976 galt Deep Purple als eine der populärsten und kreativsten Bands, wobei Jon Lords virtuoses Hammond-Orgelspiel maßgeblichen Anteil hatte.
Zwischen den Aufnahmen diverser Hardrockalben und zahlreichen Welttourneen mit Deep Purple fand er immer wieder Zeit für Soloprojekte. Zeitweise mit Unterstützung durch Deep Purple, wie 1969 bei Concerto for Group and Orchestra oder in Form von Soloalben, wie Sarabande oder Gemini Suite, verband er Rockmusik mit klassischer Musik. Für den Film The Last Rebel (1971) schrieb er mit Tony Ashton die Musik, die von Ashton, Gardner & Dyke eingespielt wurde.

Paice Ashton Lord und Whitesnake

Nachdem sich Deep Purple 1976 das erste Mal aufgelöst hatte, gründeten Jon Lord, Ian Paice und Tony Ashton die Band Paice Ashton Lord, die 1977 das Album Malice in Wonderland veröffentlichte. Nach einer Tournee und noch während der Vorbereitungen für ein weiteres Album löste sich Paice Ashton Lord schon 1978 wieder auf.
Jon Lord wurde daraufhin Keyborder bei David Coverdales Whitesnake, wohin ihm 1979 Ian Paice folgte. Während der erfolgreichen Jahre bei Whitesnake gastierte Jon Lord auf diversen Alben von Cozy Powell, Graham Bonnet und vielen anderen und nahm mit Before I Forget ein weiteres Soloalbum auf.

Deep-Purple-Reunion und endgültiger Ausstieg aus der Band

Jon Lord, der Whitesnake 1984 zu Gunsten eines Neubeginns mit Deep Purple verlassen hatte, nahm mit der Gruppe weitere sechs Alben auf und gastierte mit ihr weltweit.
2002 trennten sich Deep Purple und Jon Lord, der sich nun Solo-Projekten widmete. Sein letztes Konzert mit Deep Purple gab er am 19. September 2002 in Ipswich (England).

Spätere Solo-Projekte


Jon Lord am 17. April 2011 im Großen Konzertsaal in Sankt Petersburg
2003, er gastierte gerade für einige Monate mit Stücken seines vorletzten Soloalbums Pictured Within in Australien, gab Lord zusammen mit der lokalen Bluesband The Hoochie Coochie Men im Sydney Opera House ein Konzert, das später auf CD sowie auf DVD erschien.
Sein 2005 erschienenes Album Beyond the Notes besteht aus genreübergreifenden eigenwilligen Kompositionen. Auf ihm ist auch das Stück „The Sun Will Shine Again“ zu finden, das Lord für die ehemalige ABBA-Sängerin Anni-Frid Lyngstad schrieb und mit dem sich die schwedische Sängerin erstmals seit acht Jahren wieder live zeigte.
Zuletzt komponierte Lord zwei weitere klassische Werke: Das Durham Concerto, das er 2007 zusammen mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra in der Kathedrale von Durham gab, ist eine Auftragskomposition anlässlich des 175jährigen Jubiläums der University of Durham.[2] Boom of the Tingling Strings wurde 2008 zusammen mit dem Queensland Orchestra in Queensland uraufgeführt.
Am 9. August 2011 – er war gerade mit dem Jon Lord Blues Project auf Tournee – teilte Lord der Öffentlichkeit mit, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs leide. Weiter sagte er alle Konzerte für das folgende Jahr ab. Am 16. Juli 2012 verstarb Jon Lord im Alter von 71 Jahren an den Folgen der Krankheit in London.[3] [4] Bis zum Schluss hatte er im Studio an seinem letzten Album gearbeitet und auch noch der Abmischung beigewohnt. Nur wenige Tage vor seinem Tod wurde das Projekt fertiggestellt.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Jon_Lord

Homepage

http://jonlord.org/

Konzert zu Ehren von Jon: 4. April 2014

Juni 25, 2013 Wir sind sehr glücklich darüber ankündigen zu können dass das Konzert zu Ehren von Jons Leben und seiner Musik am 4. April 2014 in der Londoner Royal Albert Hall stattfinden wird.
Bislang bestätigt als Künstler sind Deep Purple Mitglieder Ian Paice, Roger Glover, Don Airey und Steve Morse.
Der Frontman von Iron Maiden und langjähriger Förderer des Sunflower Jam, Bruce Dickinson wird ebenfalls auftreten, gemeinsam mit Rick Wakeman, Joe Brown und Alfie Boe.
Der Abend wird moderiert vom großen Bob Harris.
Natürlich werden noch mehr Namen anzukündigen sein, also bleiben Sie dran.
Ticket Details werden in Kürze bekannt gegeben.
thesunflowerjam.com

Eine sehr gute Idee
 

DVD-Tip: 

Jon Lord With The Hoochie Coochie Men - Live At The Basement (DVD + CD)

Man könnte ihn den Jimi Hendrix an der Hammond nennen, wenn man denn solche Vergleiche mag. Man kann ihn aber auch einen der besten Musiker unserer Zeit nennen.
Die Rede ist von Jon Lord dem ehemaligen Keyboarder der legendären Band Deep Purple. Vor 2 Jahren verließ er die Band um sich seiner Vorliebe, der klassischen Orchestermusik, zuzuwenden. Ich werde seine Schweineorgelsoli, die ich so geliebt habe, vermissen, ging es mir seinerzeit durch den Kopf. Doch plötzlich stehe ich beim Plattendealer meines Vertrauens und halte die DVD "Jon Lord & The Hoochie Coochie Men - Live at the Basement" in der Hand. Das hört sich aber mehr nach Blues als nach Orchester an. Das Teil eingepackt, ab zur Kasse und dann fix nach Hause um zu sehen was da los ist, und da ist eine ganze Menge los!
Gerüchten zur Folge war Jon Lord mit dem Gemini Orchester in Australien um in Sydney ein Konzert zu geben. Er verletzte sich aber an der Hand und war nicht in der Lage das Piano, seinen Ansprüchen genügend, spielen zu können. Kurzerhand rief er ein paar Freunde an, um eine Bluessession zu organisieren. So kam es zu der Aufnahme, die übrigens auch auf einer DoCD erhältlich ist.
Mit von der Partie waren Bob Daisley (Ex-Rainbow,Black Sabbath,Ozzy Osbourne), Schlagzeuger Rob Grosser, Sänger und Gitarrist Tim Gaze, Jim Conway an der Harp und Jimmy Barnes als Special Guest.
Das Ganze fand in einem kleinen Club in Sydney statt, was der Atmosphäre des Konzertes sehr zu Gute kommt.
Jon LordNach einer kurzen Einleitung von Jon geht’s dann auch gleich zur Sache. "Hideaway" ist eine Instrumental-Nummer im typischen Bluesstil. "Lonesome Traveller Blues" mit einer schönen Harpeinlage. "Blues With A Feeling" ist wieder eine harplastige Nummer in gewohnter Rhythm n’Blues Manier. Auch "You Got Good Business" ist ein ruhigeres Stück, immer sauber auf den Punkt. Ist aber auch nicht anders zu erwarten. Hier sind schließlich Profis am Werk.
Jetzt scheint Jon Lord so richtig warm geworden zu sein. "Green Onions" das alte Booker T.-Instrumental geht gut ab. Bei seinen Soloeinlagen kommen dann immer wieder Purple-Gefühle auf. Da ist doch wieder die alte Schweineorgel, die wir alle so lieben. Eine tolle Nummer! Dann wird’s wieder etwas ruhiger bei dem "24 / 7 Blues".
Immer wieder toll die Anekdoten, die John über sein Bühnenleben erzählt. Nach "Baby Please Don’t Go" und "The Money Doesn't Matter", zwei Mid-Tempo Songs, greift Tim Gaze zur Resonator-Gitarre und spielt zwei schöne Stücke mit Slideeinlagen und sehr viel Gefühl. So muss Blues klingen.
Jetzt wird’s etwas rockiger. "I Just Wanna Make Love To You" ist ein alter Muddy Waters Song. "You Need Love", eine umgestrickte Version des Led Zeppelin-Klassikers "Hole Lotta Love", wirkt dagegen etwas langweilig. Schade.
Jon LordDann betritt der "Hoochie Coochie Man" Jimmy Barnes mit dem gleichnamigen Song die Bühne. Der Mann, der in Australien eine feste Größe im Musikgeschäft ist, rockt sich die Seele aus dem Leib, so, das man Angst kriegt, ihm würden gleich die Adern beim Singen aus dem Hals springen. Eine der besten Interpretationen vom "Hoochie Coochie Man" die ich je gehört habe. Leider ist Jimmy danach wieder von der Bühne verschwunden. Es folgen "New Old Lady Blues", "Who's Been Talkin'" und "Six Strings Down", klasse Nummern, bei denen auch Jon Lord immer präsenter wird.
Der alte Robert Johnson-Klassiker "Dust My Broom" geht wieder so richtig gut nach vorne. Die Harp- und Gitarrensoli fügen sich harmonisch in den Song ein. Das ist Blues-Rock wie ich ihn liebe. Danach ist erst mal Schluss.
Jon LordDie Zugaben leitet Jon mit einem typischen Purple-Orgelsolo ein. "Back At The Chicken Shack" lässt die Füße nicht mehr still stehen. Ein reines Instrumental mit flüssigen Soli, die einfach nur Spaß machen.
Danach kehrt Jimmy Barnes auf die Bühne zurück und singt "When A Blind Man Cries", einen der nicht so bekannten Songs von Deep Purple aus dem Jahre 1971, mit so viel Gefühl, das es einem unter die Haut fährt. Das letzte Stück dieses tollen Konzertes ist die "12 Bar Blow Jam" und geht noch mal so richtig zur Sache.
Das Schöne an diesen kleinen Club-Konzerten ist das man das Gefühl hat, seinen Lieblingsakteuren ein Stückchen näher zu sein, als das in den großen Arenen dieser Welt der Fall ist. Dieses Gefühl hat man auch auf der DVD. Leider sind solche Highlights, wie "Jon Lord & The Hoochie Coochie Men" aber eher die Ausnahme. Diese Scheibe ist ein Muss für Bluesliebhaber und ein Muss für alle Freunde guter Musik.

Quelle: http://www.rocktimes.de/gesamt/l/jon_lord/live_at_the_basement.html

CD-Tip:  

Jon Lord Blues Project - Live


Am 10. August 2011 habe ich aus den News auf RockTimes die Nachricht lesen müssen, dass Jon Lord an Krebs erkrankt sei und seine für dieses Jahr vorgesehenen Live-Auftritte abgesagt habe (News Nr. 10824 und 10829). Dies betrifft natürlich nicht nur seine Solo-Auftritte, sondern auch sein Blues Project, mit dem er im November 2011 durch Deutschland reisen wollte. Und für den Auftritt im Brückenforum in Bonn hatte ich bereits Karten erworben. Zwar bemüht sich die Agentur noch um einen 'adäquaten Ersatz', doch für mich kann es da keinen geben, sodass ich die Karten zurückgeben werde, verbunden mit der Hoffnung, dass 'aufgeschoben nicht gleich aufgehoben' ist. An dieser Stelle erst einmal die besten Genesungswünsche an Jon Lord!
Bei dem Versuch, nähere Informationen zu erhalten, entdeckte ich auf der Homepage von Jon Lord die Information, dass kürzlich eine Live-CD des Jon Lord Blues Projects erschienen ist und über die ihn in Deutschland betreuende Konzertagentur bezogen werden kann. Der Preis ist allerdings relativ hoch; zudem mit hohen Versandkosten (Günstiger geht es bei demselben Anbieter, wenn man den Weg über amazon.de wählt (!); andere Bezugsquellen habe ich bislang nicht entdecken können). Sei's drum; war mein Interesse an der bereits vor einiger Zeit angekündigten CD ohnehin vorhanden, musste ich mir als kleinen Trost für das entgehende Live-Erlebnis die Scheibe sofort bestellen (und geliefert wurde sie - entgegen der Ankündigung auf amazon.de) auch sofort, was in diesem Fall bedeutet: am nächsten Tag war sie da - klasse!
Nachdem andere Projekte für RockTimes wegen anstehender VÖ-Termine Vorrang hatten, kann ich mich nunmehr endlich diesem Project widmen.
Wer es noch nicht mitbekommen hat: Mit dem unten aufgeführten Line-up haben sich sechs überaus prominente britische Blues-Musiker zusammengetan, um - weil sie es hoffentlich nicht aus anderen Gründen nötig haben - aus Spaß an der Freude bzw. dieser Musik 'gemeinsame Sache zu machen'. Geht man in deren musikalische Vergangenheit zurück, liest sich das wie das Who is Who der britischen Blues- und Rock-Szene: Natürlich Deep Purple, ansonsten Blood, Sweat & Tears, Spencer Davis Group, Alexis Korner, Eric Burdon, Taj Mahal, Stone The Crows, Chris Rea, Savoy Brown, Keef Hartley Band, um nur wenige zu nennen. Und einige der heutigen Protagonisten spielen auch aktuell noch anderweitig zusammen, so Zoot Money, Maggie Bell und Colin Hodgkinson im British Blues Quintet (anfangs war zudem noch Miller Anderson mit dabei).
Diese anderweitige Zusammenarbeit dürfte sicherlich auch ein Grund dafür sein, dass exakt die Hälfte der dargebotenen Songs bereits auf der zwar nicht mehr ganz neuen, dennoch aber immer noch aktuellen CD Live In Glasgow des British Blues Quintet und daher auch in deren Live-Repertoire vorkommen (von früheren Originalaufnahmen will ich an dieser Stelle gar nicht erst reden). Zwei Nummern hat Jon Lord demgegenüber u.a. mit den Hoochie Coochie Men eingespielt, zwei Songs sind Deep Purple-Klassiker, und "I'm A Man" wird natürlich auf ewig mit der Spencer Davis Group in Verbindung gebracht werden. Lediglich für die Tom Waits-Komposition "Way Down In The Hole" kann ich keine Verbindung zum vorliegenden Project finden.
Einige wenige gemeinsame Auftritte (u.a. 20. Rother Bluestage) hat es bislang gegeben, und die vorliegende CD stellt ein Ton-Dokument eines Auftritts in Rottweil am 14. Mai diesen Jahres dar (ordentliche Bild-Dokumente davon gibt es zudem auf Youtube).
Standesgemäß geht es mit der 'Schweineorgel' los: Jon Lord eröffnet mit "Back At The Chicken Shack" den Reigen toller Rock- und Blues-Nummern. Der Einstieg erinnert schon fast an Kirchenmusik, bevor die gesamte Band das Instrumental zu Ende bringt. Wieso das folgende Stück "Houchie Couchie Man" (man beachte die Schreibweise) betitelt ist - keine Ahnung; diese Schreibweise habe ich für diesen Willie Dixon-Klassiker noch nirgends gesehen. Sei's drum; an der Interpretation - Gesang Miller Anderson, Solo-Einlagen von ihm, Jon Lord sowie Zoot Money - ist nichts auszusetzen, da absolut klassisch dargeboten.
Bei der Coverversion des Free-Hits "Wishing Well" merkt man, dass Maggie Bell einst eine der größten Rock- und Blues-Sängerinnen war. Leider war, denn die Stimme hat über die vielen Jahre doch sehr gelitten. Zwar faucht und schreit sie in gewohnter Manier, doch die ursprüngliche Kraft scheint heute verständlicherweise nicht mehr vorhanden zu sein (mir ist durchaus bewusst, dass Jürgen Bauerochse das - jedenfalls vor vier Jahren - durchaus anders gesehen hat). Die letzten zwei Minuten wird der Song - von Maggie Bell entsprechend eingefordert - als Reggae präsentiert; nette Idee, aber nicht zwingend, zumal es zum Ende hin eher ein Gospelsong wird.
Bei "It Never Rains But It Pours" übernimmt nunmehr Zoot Money den Gesangs- sowie den E-Piano-Part, was allein schon für Abwechslung sorgt. Obwohl bei der Darstellung des Line-ups lediglich Maggie Bell und Miller Anderson als Sänger angegeben sind, ergibt sich aus der Aufzählung der einzelnen Songs, dass zumindest auch noch Colin Hodgkinson (beim "Walking Blues") Lead-Gesang übernimmt. Ob - wie andernorts geschrieben - auch Pete York (gelegentlich) singt, dafür habe ich keinen weiteren Beleg gefunden.
Warum der nächste Song "Fog On The Highway" heißt, erschließt sich mir nicht, denn außer in der Einleitungszeile wird das Wetter nicht weiter beschrieben. Vielmehr dreht sich der schöne Slow-Blues - komponiert und gesungen von Miller Anderson - um das Leben der Musiker on the road. Passender - weil auch mehrfach wiederholt - wäre m.E. der Titel "That's Why We Sing The Blues". Ganz starke Nummer (und die längste der CD), bei der auch wieder kräftig die 'Schweineorgel' bedient wird. Als dann Miller Anderson auch noch die Harp auspackt und die Solo-Gitarre aufheulen lässt, ist das Blues-Feeling perfekt.
Zu "Lazy" muss ich wirklich nichts sagen: Dass Jon Lord dieses Stück 'kann', versteht sich von selbst. Gleiches gilt beim nächsten Track, "Walking Blues", in Bezug auf Colin Hodgkinson, gehört dieser doch zu seinem Standard-Repertoire über viele Jahre hinweg. Hier tritt zum ersten Mal sein prägnantes Bass-Spiel in den Vordergrund; zudem übernimmt er selbstverständlich auch die Lead Vocals. Sein Bass leitet auch "Way Down In The Hole" ein, das Maggie Bell - ich muss mich korrigieren - nunmehr durchaus kraftvoll interpretiert.
Gut, dass Miller Anderson seiner Komposition "Houston" den Nachtitel "(Scotland)" beigefügt hat als Hinweis darauf, dass er seinen kleinen Geburtsort an der dortigen Westküste besingt. Einer der flotteren Titel des Albums. Als wirklich funkiger Soul-Song wird anschließend "Respect Yourself" - vor genau 40 Jahren von den Staple Singers herausgebracht - dargeboten. Oh wie langweilig wirkt dagegen die Interpretation von Joe Cocker auf seinem gleichnamigen Album! Der zwischen Zoot Money und Maggie Bell mehrfach wechselnde Gesang gibt dem Stück zusätzlich 'Schmiss'!
Was für ein Stimmungsumschwung zum folgenden "When A Blind Man Cries"! Die heulende Gitarre und der kräftige Gesang von Miller Anderson bilden einen wunderbaren Kontrast zur herrlich jaulenden 'Schweineorgel'. Noch so ein Gänsehaut-Stück auf dieser Scheibe!
Und wieder wechseln Tempo und Stimmung zum letzten Track der CD, "I'm A Man". Schade nur, dass Pete York selbst hier nicht wirklich Gelegenheit erhält, sein Können solistisch zu präsentieren. Zwar enthält 'sein' Song ein etwa eineinhalb-minütiges Drum-Solo; tatsächlich ist dieses aber in Rottweil mindestens doppelt so lang gewesen, wie der zweite Teil einer Videoaufnahme auf Youtube belegt.
Hier wird ein Mangel der vorliegenden CD eklatant deutlich. Das Konzert ist für die Pressung mehrfach beschnitten worden; ob die Original-Reihenfolge beibehalten wurde, ist nicht erkennbar. Die einzelnen Tracks stehen vielmehr aufgrund von Aus- und Einblendungen jeweils für sich alleine, sodass das richtige Konzert-Feeling nicht immer rüberkommt. Selbst wenn man 'Leerlauf' vermeiden will, kann man heutzutage die Übergänge problemlos so gestalten, dass es 'aus einem Guss' erscheint.
Ansonsten: Eine klasse Scheibe genialer Musiker, deren Freude am Spiel nicht nur beim Betrachten der Videos deutlich wird. Technisch einwandfrei, kaum Störgeräusche vernehmbar, wie sie bei Live-Aufnahmen nicht immer auszuschließen sind. Jetzt bedauere ich umso mehr die Absage der Tournee, möge sie wirklich alsbald nachgeholt werden (können)! Die vorliegende CD ist kein Ersatz, sondern vielmehr nur ein wirklich kleines Trösterchen, das von mir aber einen uneingeschränkten Tipp erhält.

Quelle:  http://www.rocktimes.de/gesamt/l/jon_lord/live.html

CD und DVD Tip

Danger: White Men Dancing (CD+DVD) [CD+DVD]

http://www.amazon.de/Danger-White-Men-Dancing-DVD/dp/B000UPQF18/ref=sr_1_15?ie=UTF8&qid=1373278252&sr=8-15&keywords=jon+lord

Nachdem der Erstling den geschätzten Kollegen Mike dazu veranlasste, zusammenfassend zu schreiben: »Diese Scheibe ist ein Muss für Bluesliebhaber und ein Muss für alle Freunde guter Musik.« ist das wohl Anlass genug, sich mit dem Folgewerk der Hoochie Coochie Men (HCM) und Jon Lord auseinander zu setzten.

Die HCM gingen, nach den berechtig guten Kritiken ihrer CD/DVD "Live At The Basement" in die Disgracelands Studios in Sydney und nahmen dort die dreizehn Songs des neuen Albums "Danger: White Men Dancing" auf. Bob Daisley, der schon für Ozzy Osbourne, Black Sabbath, Rainbow und Uriah Heep die dicken Saiten zupfte, schnappte sich die Bänder, flog nach London und Jon Lord spielte seine Orgel-Parts ein.

In seinem Interview mit RockTimes vom 14.09.2006 kündigte Daisley bereits an: »Es ist immer noch Blues, aber geht doch stark in Richtung Heavy Rock.«

Der Opener "The Blues Just Got Sadder" ist Blues pur. Schleppender Ryhthmus gepaart mit einer schneidenden Gitarre von Tim Gaze, der auch eine hervorragende Partie am Gesangsmikro abgibt. Klasse Hooklines und das Solo von Gaze haut einen aus den Schuhen. Track zwei ist dann rockiger, ohne seine Blues-Wurzeln zu verleugnen. Wieder überzeugt Gaze' Stimme und über Lords Orgel-Sounds etwas zu schrieben, wäre gleichbedeutend mit Eulen nach Athen tragen.

"Twisted System" ist dann Rock pur und der HCM-Sänger macht Platz für den ersten Gast-Sänger: Jeff Duff gibt mit seiner Röhre eine klasse Figur ab und im Mittelteil wird es, von Lords Orgel getragen, geradezu besinnlich ruhig. Dann sägt Gaze' Gitarre wieder aus dem Verstärker.Duff zum Zweiten: "Bottle O' Wine" ist gereifter Rock mit auflebenden Refrain-Parts und verträumter in der Vers-Abteilung. Zum Ende hin wird es dann dank der Rhythmusabteilung Daisley/Grosser richtig groovig.

Mit "Over & Over" ist dann eine ultimative Rock-Ballade angesagt.
Auch dafür holten sich die HCM einen Gast ins Studio. Nachdem Lord am Piano den Song einleitet und Gaze mit der Akustischen einsteigt, brilliert Ian Gillan. Dieses Stück Musik ist ein Monster. "Over & Over" ist wieder einmal ein bestechendes Beispiel dafür, welche Klasse Rock-Balladen haben können. Auch Gillan gibt es ein weiteres Mal: "If This Ain't The Blues" ist ein dramatisches Stück Slow-Blues, in dem Lord die Hauptperson ist. Was der an Sounds vollbringt, ist nicht von dieser Welt.

Vervollständigt wird das Trio der Gastsänger durch Jimmy Barnes, der unter anderem ja bereits auf dem Erstling in "Hoochie Coochie Man" zu hören war. Barnes als echter Shouter kann überzeugen. Überraschend ist, dass Lord und HCM dem Klassiker eine neue Seite abgewinnen können. Perfekt, nicht einfach das Live-Opus aufzuwärmen, sondern neu aufzulegen und folglich wird der Willie Dixon-Song zum Anspieltipp.
Einen weiterer Oldtimer hat man mit Rolling Stones' "Heart Of Stone" ausgegraben. Ok, hier gibt es nicht so viel Neues zu hören. Dennoch passt der Track ins Gesamtgefüge der CD.

Ein echter Hinhörer ist dafür "Let It Go", der die vier Wände rockt wie nur was. Lautstärkeregler nach rechts und genießen.
Für das groovige "Dead President" spielt Daisley dann auch die Harp. Man hat das Gefühl, als würde da noch viel an Potential schlummern. Die Herren sollen, ob mit oder ohne Gäste, unbedingt weiter machen.
Am Ende steht mit "Everbody Wants To Go To Heaven" eine herrlich relaxte Bluesnummer. Gaze kann, trotz der Gastsänger, voll punkten, gerade hier, wenn der Mississippi langsamer fließt.
"Tell Your Story Walkin'" steht dem, allerdings etwas flotter an die Lauscher kommend, in nichts nach. Einfach Bluesrock wie er sein sollte.

"Danger: White Men Dancing" zeigt Größe und empfiehlt sich von selbst. 



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Sonntag, 7. Juli 2013

Stephan Diestelmann

Stephan Diestelmann

CD-Tip

Folk Blues Best
StefanDiestelmann | Format: Audio CD






seine erste Platte, venyl von Amiga

macht doch was her, oder?



Stefan Diestelmann (* 29. Januar 1949 in München; † 27. März 2007[1] in Tutzing) war ein Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler, Textautor, Komponist und Filmproduzent. Von 1961 bis
1984 lebte er in der DDR. Seine jahrelange praktische Erfahrung, die intensive Beschäftigung mit den Ausdrucksformen im Blues und Jazz und die gemeinsamen Auftritte mit Bluesmusikern wie Louisiana Red, Memphis Slim, Alexis Korner und Phil Wiggins machten ihn zu einem versierten Bluesmusiker.
Stefan Diestelmann kam 1949 als Sohn des Schauspielerehepaares Hildegard und Jochen Diestelmann zur Welt. Er beschäftigte sich schon frühzeitig mit dem Blues und brachte sich seine Fähigkeiten autodidaktisch bei. 1961 siedelte er auf Wunsch der Eltern, die beide für die DEFA arbeiteten, zusammen mit ihnen in die DDR um.[2] Als Zwölfjähriger erhielt er von seinen Eltern die erste Gitarre geschenkt und begann zu spielen, sammelte Schallplatten und studierte Literatur über das Leben und Wirken afroamerikanischer Bluesinterpreten. Seine ersten Auftritte hatte Stefan Diestelmann bei den Teddys. Danach spielte er in verschiedenen Amateurbands, bis ihn 1975 Axel Stammberger in dessen Band Vai hu holte. Seiner Neigung zu authentischem, urwüchsigem Blues konnte er jedoch bei Stammberger nicht entsprechen. So gründete er im Mai 1977, nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Bluesband Engerling, seine eigene Band. Zur Gründungsbesetzung der Stefan Diestelmann Folk Blues Band gehörten:

Stefan Diestelmann (Gitarre, Gesang, Mundharmonika)


Rüdiger Phillipp (Bass)

Bernd Kleinow (Mundharmonika).

Dietrich Petzold hatte sein Handwerk bei Klaus Lenz und Uschi Brüning erlernt, bevor er mit Diestelmann zusammen spielte. Rüdiger Phillipp kam ebenfalls von Uschi Brüning zunächst zu Vai hu. Obwohl sich die Stefan Diestelmann Folk Blues Band durch ihre betonte Anlehnung an die afroamerikanischen Bluesmusiker (T-Bone Walker, Muddy Waters, B. B. King) und stilistisch (zum Beispiel durch den Verzicht auf ein Schlagzeug) deutlich von anderen Bands wie Engerling, Monokel oder Freygang unterschied, fand sie in der Blueserszene der DDR großen Anklang. Die Nähe zum Publikum und seine Texte brachten Stefan Diestelmann zunehmend den Unmut der DDR-Staatsmacht ein und führte in einigen DDR-Bezirken zu Auftrittsverboten. Bereits am 5. März 1967 war Stefan Diestelmann wegen „Staatsverleumdung“ und „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Seine Texte (Der Alte und die Kneipe oder Hof vom Prenzlauer Berg) spiegelten den Alltag wider und erzählten von verfallenen Häusern, dem Kohlenmann, Kneipen und Besoffenen, und passten nicht in das offizielle Bild der DDR.
Anfang Oktober 1977 trat er auch im Rahmen eines Jugendgottesdienstes der oppositionellen „Offenen Arbeit“ um Pfarrer Christoph Wonneberger in der Dresdner Weinbergsgemeinde sowie 1980 gemeinsam mit „Holly“ Holwas bei der Blues-Messe in der Ost-Berliner Auferstehungskirche auf.[3]
Dennoch erhielt Stefan Diestelmann die Möglichkeit zu Rundfunkproduktionen, Auslandsgastspielen und Auftrittsmöglichkeiten bei offiziellen Veranstaltungen, beispielsweise im Berliner Palast der Republik[4], wo er am 25. Mai 1978 gemeinsam mit Memphis Slim auf der Bühne stand. 1978 erschien bei Amiga seine erste LP, auf der als Gäste Wolfgang Fiedler und Volker Schlott von der Jazz-Rock-Band Fusion zu hören sind. Ein Jahr später trat er in Der Mann aus Colorado 2 erstmals im DDR-Fernsehen auf, und 1981 spielt Diestelmann an der Seite von Dean Reed im DEFA-Film Sing, Cowboy, sing einen Barkeeper. 1984 erhielt Stefan Diestelmann, allerdings ohne die Band, die Möglichkeit, in Hildesheim in der Bundesrepublik Deutschland aufzutreten. Von diesem Konzert kehrte der „Blueskönig der DDR“ nicht mehr in die DDR zurück.[5]
Er lebte seitdem am Ammersee in Bayern. In der Bundesrepublik konnte er nicht an seine Erfolge in der DDR anknüpfen. Mitte der 1990er Jahre beendete er seine musikalische Laufbahn, um die Firma Diestelfilm zu gründen. Diestelfilm produzierte Präsentations- und Dokumentarfilme.
Diestelmann starb 2007. Sein Tod wurde erst Ende 2011 durch einen Artikel des Journalisten Steffen Könau bekannt.[6]


Videos






 
Stefan Diestelmann war ein Bluesmusiker aus der DDR. Da ich dem früher ständig hinterher gereist bin, war einer meiner Spitznamen „Diestelmann“. Er war ein Teil der im Buch „Bye, Bye Lübben City“ beschriebenen DDR-Bluesszene. Dazu gibt es mehr in einem separatem Post.





Stefan Diestelmann war auch einer der Musiker, die Memphis Slim im Palast der Republik begleiten durften. Titel Nr. 7 aus der oben genannten CD ist der Titel, den er mit Memphis Slim zusammen gespielt hat - Rockin' The House
Wo wir dem überall hinter hergefahren sind. An eine Session in Güterfelde bei Potsdam erinnere ich mich genau. Das ginng die ganze Nacht mit der Urbesetzung – Blues vom Feinsten.




Stefan Diestelmann war der Blues-König der DDR, ein Rebell und Plattenmillionär. Mitte der 80er flüchtete er in den Westen und verstummte dort so konsequent, dass sein einsamer Tod fünf Jahre völlig unbemerkt blieb.

Halle (Saale)/MZ. 
Eines Tages haben sie doch noch begonnen, nach ihm zu suchen. Die Kollegen von einer Band, mit der er mal gespielt hat. Ein paar Fans von früher, die nicht einsehen wollen, dass der Blues-König seinen Thron einfach so verlassen hat. Ein Reporter, der einen Film drehen will. Und einer, der gern ein Interview hätte. Sogar eine Facebook-Gruppe entstand, die alle Informationen sammelt.
Nur dass es keine Informationen gibt über Stefan Diestelmann, den Blues-König der DDR, der seinen letzten Hit vor einem Vierteljahrhundert hatte und sich nach seiner Flucht in den Westen in einen kleinen Ort in Bayern zurückzog.
Dort pflegte der Mann mit dem Dreitage-Bart den Nimbus des Total-Aussteigers. Kein Blues mehr, kein Applaus und keinerlei Kontakte. Alte Freunde im Osten wie der Mundharmonikaspieler Bernd Kleinow oder der Gitarrist Axel Stammberger hörten nichts. Aus dem Blickfeld von Freunden im Westen wie dem ehemaligen Lindenberg-Pianist Gottfried Böttger oder dem Blues-Musiker Bernie Ringe verschwand er über Nacht.
"Er hat sich jedem Kontakt der Familie entzogen", erinnert sich sein Onkel Jürgen Diestelmann. Wenn Touristen aus dem Osten ihn erkennen und fragen, warum er denn nicht mehr spiele, lässt er sie wissen, dass die Musik ihm zu wichtig sei, "dass ich sie als Broterwerb betreiben will".
Der Westen hat ihn enttäuscht. Hier ist alles härter, die Konkurrenz größer und ebenso der Anpassungsdruck. Lief es in der DDR so, wie der Blues-König wollte oder es lief gar nicht, so ist das hier beides dasselbe: Läuft es so, wie Diestelmann will, läuft es gar nicht.
Der begnadete Improvisationskünstler hadert mit sich. Cafés statt Konzerthallen. Begleitmusiker statt Frontmann. Bittsteller statt der, der Bedingungen stellt. Nicht mit Stefan Diestelmann. Aus

dem wichtigsten Blues-Mann der DDR wird ein Freizeitkapitän, der sein Boot über den Ammersee steuert und behauptet, die Musik gar nicht zu vermissen. An guten Tagen erzählt er dabei Stories aus seiner großen Zeit, die Hände flattern, die Stimme imitiert verschiedene Sprecher. Diestelmann lacht selbst begeistert über seine "Schoten".
So klingt einer, der nur noch selten Gelegenheit hat, ein Publikum zu unterhalten wie damals mit seiner Folk-Blues-Band. Die Leute tanzten, die Klubs kochten und Stefan Diestelmann fühlte sich endlich angekommen in der DDR, die ihm, dem gebürtigen Münchner, nie Heimat hatte sein wollen.
Wie konnte sie auch. Diestelmann empfindet es als "schreckliches Schicksal", dass sein Vater, der als Defa-Schauspieler arbeitet, seine Familie nach dem Mauerbau von Darmstadt in die DDR holt. "Weil meine Eltern nur an sich gedacht haben", formuliert er scharf, "hieß es zack, ab in den Osten."
Stefan Diestelmann sitzt nun in einer Schule in Babelsberg, von den Mitschülern gehänselt wegen seines Dialektes und wegen der Lederhose, die er nach Mutters Willen tragen muss. Die Lehrer sehen in ihm den Klassenfeind. Diestelmann leidet. Er wird von Mitschülern verprügelt. "Dann waren die Klamotten kaputt - und zu Hause setzte es sofort die nächste Tracht."
Der frühere Klassenkasper und Stimmenimitator verstummt. Aus strategischen Erwägungen, wie er viele Jahre danach behaupten wird: "Wenn die Lehrer den Westen verteufelten, weil die Arbeiter dort sich keine Butter leisten können, wusste ich, dass das gelogen ist."
Nach außen sieht alles schön aus. Der kleine Stefan darf sogar vor die Defa-Kamera: Mit Otto Mellies spielt er im "Der Arzt von Bothenow". Und erinnert sich später doch vor allem daran, zu der Zeit von zu Hause abgehauen und von der Polizei gesucht worden zu sein. Stefan Diestelmann sieht sich als Opfer der Entscheidung seiner Eltern für die DDR. Vater und Mutter hätten ihren Wechsel in den Osten recht schnell bereut gehabt. "Und wenn ein Topf anbrannte, war das natürlich ein Scheiß-Ulbricht-Topf, und wenn du zufällig daneben standest, gab’s eine vor den Kopf."
Stefan zieht sich in die Musik zurück, die Gitarre wird seine Welt. Weil der Vater ihm Beat verbietet, flieht er zum Blues. Er hat eine Fünf in Musik, aber er spielt BB King und Muddy Waters nach. Blues scheint ihm "so frei, so in die Welt gesungen". Er ist wie dafür geschaffen. "Es war der Rhythmus im Blues, der mich angemacht hat", sagt er später, "das Primitive, in dem alles steckt." Die Musik hilft ihm aus seiner "Alptraum-Kindheit". Mit der Gitarre ist er wer, wenn er singt, empfängt er Bewunderung. Es ist dies das Hochgefühl, dem Stefan Diestelmann nun stets nachjagen wird: Anerkannt werden, im Mittelpunkt stehen, der sein, zu dem alle aufschauen.
Der Preis dafür ist ihm irgendwann egal. Als er berühmt geworden ist und Hunderttausende von Platten verkauft, wird er beginnen, die Wirklichkeit nach seinen eigenen Wünschen zu verbiegen. Als sei die Wahrheit nicht genug, ihm gerecht zu werden, deutet er sie märchenhaft um: Aus einer Bewährungsstrafe wegen seines Versuches, illegal zurück in den Westen zu kommen, macht er eine mehrjährige Haftstrafe. Aus dem Nichts erfindet er eine "dreiwöchige DDR-Tournee" mit Blues-Altmeister John Mayall, die so gut klingt, dass ein Rocklexikon sie weitererzählt.
Dass die Kollegen längst munkeln, stört ihn nicht. Niemand versteht Stefan Diestelmann, der gleichzeitig Staatskünstler und Staatsfeind zu sein vermag, der geliebt werden will für seine Unangepasstheit, aber gern auch Einladungen der Staatsmacht annimmt.
Hauptsache Beachtung. Der Blues allein reicht ihm nicht mehr, sich in andere Welten zu versetzen. Stefan Diestelmann will es größer, selbst wenn er alle seine Wegbegleiter vergrault. Alexander Blume, sein Pianist und bester Freund, sieht ihn damals "immer bereit, zu übertreiben, wenn es besser klingt". So wird der Autodidakt zum Superstar in seiner eigenen Realität. Die erste Platte schlägt alle Rekorde. Die Hallen sind voll. Das Ministerium gewährt dem Mann ohne Ausbildung "wegen dessen Popularität" den begehrten Berufsausweis. Und die zweite LP wird zum Triumph.

Der König des Blues ist nun nicht nur gut, sondern so kritisch, wie er sein will.
Nur Diestelmann kann Diestelmann noch stoppen. Und er tut es. Die Konzerte mit Weltstars wie Phil Everly, die Sessions daheim mit Harmonica Phil Wiggins, die Filmmusiken, die Kinoauftritte, in all dem spürt er nur, was fehlt. Diestelmann will mit Gottfried Böttger im Westen spielen. In den USA mit BB King auftreten. Stattdessen bekommt er Auftrittsverbote, weil er "Jugendliche anzieht, die die Ordnung und Sicherheit gefährden", wie die Stasi schreibt.
Ein Diplomat ist er nicht. "Ich bin Komponist, kein Kommunist", zitiert eine Akte eine seiner Ansagen. Das Tischtuch ist zerschnitten. 1984 nutzt Diestelmann einen Auftritt im Westen, um der DDR den Rücken zu kehren.
Seine Karriere ist damit zu Ende. Binnen weniger Monate zieht er sich von den Musikerfreunden in der neuen, alten Heimat zurück. Der König des Blues taucht ab. Er dreht jetzt Werbefilme für Hotels und behauptet, im neuen Metier sehr glücklich zu sein.
Erst als die Mauer fällt, überlegt er es sich noch einmal anders. Gerd Leiser, Manager von Engerling, sieht ihn Mitte der 90er in einem Dorfsaal spielen. "Den Mixer hat er selbst bedient, er traute niemandem." Auch Denny Hertel aus Wittenberg tritt mit ihm auf. "Er war immer noch ein geiler Musiker", sagt er. Und immer noch habe er seine Musiker hart angefasst.
Doch Diestelmanns Hoffnung trügt, dass die Fans strömen werden wie früher. Der Blues ist zurück in der Nische, der König landet auf dem Boden der Tatsachen. Stefan Diestelmann verkauft seine Musik nun nur noch in einem Laden im Ort. Er ist immer noch ein großer Geschichtenerzähler, ein Mann, der abendliche Runden ganz allein unterhalten kann. Er spricht viel von früher. Er macht Witze. Er macht keine Musik mehr.
Eine Nachbarin, die nicht weiß, wer er ist, hört ihn manchmal Saxophon spielen. "Aber das ist lange her", sagt sie. Sein Vermieter ist der letzte Mensch, der weiß, dass da der Blues-König des Ostens zu hören ist. Stefan Diestelmann stirbt am 27. März 2007. Fast fünf Jahre lang wird das niemand bemerken.

    Quelle 

Stefan Diestelmann wurde am 29. Januar 1949 in Bayern geboren, und nach Bayern zurück zog es ihn, als er 1984 von einem Sologastspiel in Hildesheim nicht mehr in die DDR zurückkehrte.
Schon als Kind beschäftigte er sich mit Musik und brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei. Seine ersten Auftritte hatte er mit der Beatformation "Teddys". Danach spielte er in verschiedenen Amateurgruppen. Als ihm sein Vater die Beatmusik verbot, fand Diestelmann zum Blues.

1975 holte ihn der Gitarrist Axel Stammberger in die neu gegründete Bluesband "Vai hu", wo er gemeinsam mit Godolf Oske (g,voc), Rüdiger Phillip (bg, voc), Ulrich Kersten (dr, perc) und Thomas Abendroth (org, e-p,voc) spielte. Doch lange blieb er da nicht. Als Diestelmann 1976 ausstieg, zerfiel die Band.
Nach einem kurzen Zwischenspiel in der "Engerling Bluesband" gründete er im Mai 1977 die "Stefan Diestelmann Folk Blues Band". Zur Stammbesetzung dieser Formation gehörten Dietrich Petzold (v, perc), Rüdiger Phillip (bass) und Bernd Kleinow (harm). Obwohl sich die Band stilistisch deutlich von den übrigen (Ost-)Berliner Bluesbands unterschied, erlangte sie rasch Kultstatus. Der Ruf Diestelmanns breitete sich rasch in der gesamten DDR aus. Diestelmann wurde einer der führenden Köpfe der DDR-Bluesszene. Markenzeichen wurden sein authentischer, an Blueslegenden wie B.B.King oder Muddy Waters orientierter Blues, und seine "urwüchsigen" Texte. Die, mit zahlreichen Gastmusikern wie Volker Schlott, Gerhard Eitner, Alexander Blume, Lothar Wilke und Regine Dobberschütz aufgenommenen, Langspielplatten "Stefan Diestelmann Folk Blues Band" und "Hofmusik" wurden ein Riesenerfolg. Seine wachsende Popularität und die durch ausländische Bluesmusiker wie Memphis Slim erfahrene Anerkennung führte dazu, dass Stefan Diestelmann, als einer der wenigen DDR-Musiker, trotz fehlender Musikausbildung den Profistatus zuerkannt bekam. Einerseits vom Staat hofiert, "eckte" Diestelmann wegen seiner Texte und seiner Nähe zum trampenden Publikum immer wieder an. Sanktionen bis hin zu Auftrittsverboten waren die Folge, sodass er schließlich der DDR den Rücken kehrte.
Bereits 1984 formierte er in der Bundesrepublik mit Ludwig Seuß und Michael Aßmann eine neue Band. 1985 erschien bei Jupiter Records sein erstes Album in der  BRD. Weitere folgten. Doch an seine früheren Erfolge in der DDR konnte er nie wieder anknüpfen. Freunde und damalige Weggefährten bestätigen es; Diestelmann hat den Abstieg vom Plattenmillionär und "Blues-Kaiser" der DDR zu einem Begleit- und Sessionmusiker nie verkraftet. Möglicherweise war er auch dem Konkurrenzdruck im westlichen Musikgeschäft nicht gewachsen.

Fakt ist, dass er sich in den 1990er Jahren gänzlich aus dem Musikgeschäft zurückzog und eine Werbefilmfirma gründete. Kontakte zu alten Freunden/Kollegen im Osten und neuen im Westen brach er urplötzlich ab, und zog sich immer weiter zurück. Als 2006 die website seiner Firma abgeschaltet worden ist, er auch telefonisch nicht mehr erreichbar war, wurde es gänzlich still um ihn. Lange Zeit gab es Mutmaßungen um den Tod Diestelmanns, welche erst zur Gewissheit wurden, als sich der Journalist Steffen Könau auf Spurensuche begab. Am 2. Dezember veröffentlichte er in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Halle/Saale) unter der Überschrift "Das stille Sterben des Stefan D." einen Artikel über Leben und Tod Diestelmanns: Stefan Diestelmann starb am 27. März 2007 und niemand hat es bemerkt!
Was bleibt ist seine Musik, und die steht in Gestalt seiner Amiga-Scheiben an vorderer Stelle in meinem Plattenschrank.
(Dezember 2011)




Mein Nachruf für Stefan Diestelmann
Meist hört man zuerst einen Bandnamen und den immer öfter. Es stellt sich dann oft heraus, dass da ein Ausnahmemusiker dahinter steckt. Ich hörte damals oft den Namen “Vai Hu”. Dann wurde mir klar warum. Stefan Diestelmann war eine wichtige Kraft bei dieser Band. Er trat nach seinem Ausstieg ja unter seinem Namen auf, und unsere Wege kreuzten sich immer öfter auf der Bühne. Er machte vieles anders als alle anderen.
Er saß, er brauchte kein Schlagzeug, da er den Rhythmus mit dem Fuß auf einem Holzkästchen erzeugte. Und schon da spürte man eine seiner großen Begabungen- einen magisch treibenden Beat.
Nur mit Rhythmusgitarre und diesem, eine große Trommel nachahmenden Stampfen, konnte er ganze Säle in Verzückung versetzen. Und dann natürlich sein Gesang: Eine prägnante,  unverwechselbare Stimme mit sicherster Intonation und Rhythmusgefühl. Sie konnte manchmal “herrisch” wirken, damit riss er die Leute aber nur noch mehr mit.
Unsere Band nannte er uns gegenüber seine Lieblingsband und ein wenig auch als Inspiration, was sein näherers Umfeld bzw. die ostdeutsche Szene anbelangte.
Wir hatten dadurch einige Doppelkonzerte mit ihm, wo mit ihm immer meist zwei sehr gute Musiker zur Seite standen. Kam es dann zur Jamsession, hatte erden Hang, den Ablauf zu sehr dominieren zu wollen. Dafür wurde er natürlich von mir bei sich zu hause auch schnell mal “angezählt”.
Er hatte ein großes, gut geordnetes gemütliches Zimmer mit Regalen voll mit hunderten Audio-Cassetten, jede im eigenen Fach. Das er im wahrsten Sinne einen sehr guten Geschmack hatte, merkte man an den herrlichen Suppen, die er uns vorsetze. Er hat sie meist zusammen mit seiner Hanni zubereitet. Sie war wohl die kluge Frau hinter einem starken Mann.
Quelle: Jürgen Kerth
übernommen aus www.innerschweizonline.ch im Februar 2012



Weitere Links


http://www.ostmusik.de/diestelmann.htm

http://www.ostbeat.de/Diestelmann.htm

http://www.deutsche-mugge.de/portraits/2728-diestelmann-stefan.html

 http://www.jotwede-online.de/archiv/0612/musiklegenden_des_ostens.htm








Samstag, 6. Juli 2013

Memphis Slim


Memphis Slim


Heute möchte ich eine Legende vorstellen. Memphis Slim ist die einzige schwarze Blueslegende, die ich damals in der DDR live gesehen habe. Am 25.054.1978 war er zusammen mit Stefan Diestelmann im Palast der Republik und ich war drin. Der Palast ist inzwischen abgerissen, Stefan und John Len Chatman sind gestorben, aber die Musik lebt weiter.

I am the Blues

Memphis Slim | Format: Audio CD




Als John Len Chatman geboren, spielte Memphis Slim seine ersten Plattenaufnahmen am 2. August 1940 für das Okeh-Label unter dem Namen Peter Chatman (& His Washboard Band) ein. Bereits die Ergebnisse seiner zweiten Plattensession (am 30. Oktober 1940 für das Label Bluebird) wurden unter seinem lebenslang beibehaltenen Künstlernamen Memphis Slim veröffentlicht.
Das musikalische Vorbild des jungen Musikers war sein Vater, ein Gitarren- und Klavierspieler, von dem er bereits im Alter von sieben oder acht Jahren das Klavierspielen lernte.
Ende der 1930er Jahre ging Memphis Slim nach Chicago. Dort begleitete er Big Bill Broonzy, Sonny Boy Williamson II. und Washboard Sam. 1940 nahm er erste eigene Platten auf. Unter dem Titel Nobody Loves Me (B-Seite von Angel Child) nahm er eine Version vom Bluesklassiker Everyday I Have the Blues am 10. Oktober 1947 zusammen mit seinen The House Rockers auf. Sie erschien erstmals im Oktober 1949 bei dem kurzlebigen Label Miracle Records (# 145). Die A-Seite erreichte Rang sechs der Rhythm & Blues-Hitparade, die B-Seite wurde als seine Komposition ausgegeben, stammte in Wirklichkeit jedoch aus der Feder von Aaron Sparks.
In den nächsten Jahren wurde er nicht nur in den USA populär. Als einer der ersten Bluesmusiker unternahm Memphis Slim ausgedehnte Welttourneen. Zusammen mit Willie Dixon trat er in Israel auf und mit Muddy Waters in der New Yorker Carnegie Hall (1959, CD: Chicago Blues Masters, Vol.1, Capitol Records). In den 50ern entstanden auch einige Singles für das Label United.
Nach einer Europatour 1962 mit dem American Folk Blues Festival entschloss sich Memphis Slim nach Frankreich zu ziehen. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1988.
Begraben liegt der Musiker im Galilee Memorial Gardens Cemetery, 8283 Ellis Road, Memphis, Tennessee.
1989 wurde Memphis Slim in die Blues Hall of Fame aufgenommen.



Memphis Slim, 72. Er fuhr einen Rolls-Royce, lebte in einem luxuriösen Appartement im 15. Arrondissement und ließ sich gerne im getigerten Blazer ablichten. Doch der dunkelhäutige Amerikaner in Paris hatte nicht abgehoben, seit sich Anfang der sechziger Jahre der große, dauerhafte Erfolg einstellte. Zu stark hatten den Bluessänger und Pianisten die erfolglosen Zeiten "on the road" geprägt; zu genau hatte er erfahren, was es hieß, vor einem halben Jahrhundert in den USA als Schwarzer schwarze Musik zu machen. Zwar konnte der freundliche Hüne 1940 einen Blues-Evergreen mit "Beer Drinking Woman" landen, doch erst der Schritt über den Atlantik ließ ihn in Europa zum Mittelpunkt der großen Jazz-Gemeinde werden. In den verräucherten Kellern von Saint-Germain in Paris fand der als Peter Chatman in Memphis geborene Musiker seine zweite Heimat, begeisterte das akademische Jungvolk mit seinen boogieverwandten Tastenklängen und schuf "Every Day I Have The Blues", einen Klassiker, den Count Basie in sein Programm aufnahm. Bei seinen gelegentlichen Gastspielreisen in die USA, die von der "New York Times" als die "wichtigsten Jazz- und Blues-Ereignisse" gefeiert wurden, zeigte sich, daß er zu einem der großen alten Männer des Jazz geworden war. Memphis Slim starb am vorvergangenen Mittwoch in Paris.


Der am 3.9.1915 in Memphis geborene und am 24.2.1988 in Paris verstorbene Pianist John 'Peter' Chatman ist auf seinem Instrument sicher einer der großartigsten Blueskünstler gewesen. In den Dreißigern begann seine Karriere als Schallplattenkünstler in Chicago, als er seinerzeit für 'OKeh' aufnahm. Viele andere Plattenfirmen folgten, unter anderem auch 'Chess Records'. Eine Europatournee Anfang der Sechziger bewegte den Künstler, seine Zelte schließlich dauerhaft in Europa aufzuschlagen, und bis zu seinem Tode lebte er in Paris.
Einer seiner bekanntesten Songs wurde "Mother Earth", erstmalig 1950 aufgenommen und später gab es noch mehr Versionen, eine der Coverversionen war die von Eric Burdon auf "Declares War".
Hier nun, auf dem Höhepunkt der europäischen Blues-Hochzeit, entstanden nun Aufnahmen, die seinerzeit sehr untergingen. Ich kann mich an einen größeren publikumswirksamen Erfolg erst wieder erinnern, als 1971 das Album "Blue Memphis" erschien, jene Zusammenarbeit mit einigen britischen Musikern wie Chris Spedding, John Paul Jones, Duster Bennett und natürlich Peter Green! So sind die vorliegenden Aufnahmen mehr solide denn spektakulär und die bestens besetzte Band, die vor Profis strotzte, auch mit Leuten aus dem Jazzbereich, hat eindeutig mehr als reine Begleitfunktion für den Pianisten.
Das ist typischer End-Sechziger Blues - das für mich stets dominierende 'elastische' Rhythmuselement der Fünfziger, meines liebsten Bluesjahrzehnts, gibt es hier nicht mehr. Der Rhythmus kommt eher 'trocken' und manchmal mit Groove, das früher dominierende Piano ist Orgelklängen gewichen, und der eigentliche Pianist Chatman ist auf dem ersten Stück gar nicht erst zu hören. Dafür ein feines Gitarrensolo eines Nicht-Bluesers, denn Souljazzgitarrist Billy Butler präsentiert ein lockeres 'R'n'B-Feeling' und dieses wird auf dem zweiten Track durch den Saxofonisten Eddie Chamblee, ebenfalls ein angestammter Jazz- und R'n'B-Musiker noch verstärkt, bis sich Memphis Slim auf "Forty Years Or More" endlich durchsetzt und seinen typischen Stil erkennen lässt. Er ist nun endlich am Piano, und er kann seine sehr ausdrucksstarke Stimme auf dem eher sparsam arrangierten Stück voll zur Geltung bringen. Butler bringt auch wieder ein feines Solo, so mag ich den Peter am liebsten. Nebenbei bemerkt, waren mir seine Solo- oder Duoaufnahmen (man erinnere sich an brillante Titel mit dem Drummer Michel Denis) stets die liebsten, gerade, weil sie am ausdrucksstärksten waren. Unabhängig davon merkt man eindeutig die Professionalität, mit der die Band auf diesen Aufnahmen agiert.
Bis zur sechsten Nummer musste ich warten, bis Mr. Chatman endlich so auftritt, wie ich ihn am meisten mag: als rollenden und flexiblen Boogiepianisten. "Easy's Blues" bietet neben diesen herrlichen Pianoklängen mit der energisch-rhythmischen Linken und der flinken Rechten noch den Saxofonisten und den Gitarristen als Solisten.
Bekannte Muster von alten Titeln werden mit diesen Musikern aufgefrischt, man muss sich einfach davon lösen, die Songs, wie man sie kennt, hören zu wollen, und sie einfach so genießen, wie sie kommen. Nur manchmal passen Begleitung und Leader nicht perfekt zusammen, manchmal scheinen zwei Parts gegeneinander zu agieren. Beispielsweise fällt mir das bei "A Long Time Baby" stark auf. Die Band begibt sich schon in Richtung Jazz, während Slim noch am Blues haften bleibt.
Besser gelungen dann wieder auf "Strollin' Thru The Park", wo Memphis' einfühlsamer Gesang ebenso einfühlsam von der Band unterstützt wird. Man wird Zeuge der imaginären Szene eines Menschen, der durch den Park flaniert … gut gemacht, die Herren!
Durch die Bandmitglieder, die ja weitestgehend keine Blueser sind, wird das starre Bluesschema meistens vorbildlich erweitert und gewinnt dadurch. "Sassy Mae", das ist eines der Stücke, wie es wohl untypischer für Memphis Slim nicht sein kann, das ist ein groovender Fast-Soul-Titel, erstaunlich.
Zusammenfassend gesprochen, sind das Aufnahmen in der Diskografie des Künstlers, die sicher eine Besonderheit darstellen. Schade, dass es so lieblos dargestellt worden ist, denn schön wäre es gewesen, wenn angesichts dieser Neuveröffentlichung mit etwas mehr Sorgfalt vorgegangen worden wäre.





Freitag, 5. Juli 2013

Chicken Shack

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Chicken Shack

Ich schaue gerade ein Video von Chicken Shack

Stan Would Rather Go Live [CD+DVD, Doppel-CD]

Chicken Shack Audio CD

Da hat mich doch mein Enkel mit einer Träne im Auge erwischt. Ich schaute gerade ein Video "Chicken Shack - Stan would rather go live 2008 cd" mit dem inzwischen 68-jährigen Stan Webb. Singen kann der ja nicht so gut wie er Gitarre spielen kann. Stan Webb mit Chicken Shack spielt schon seit über 40 Jahren im Konzert der Grossen mit ohne selbst ganz gross herauszukommen. Ich finde ihn aber gut. Ich erinnere mich immer noch gerne an den Beat-Club oder Musikladen (wer weiss das noch so genau), wo die liebenswürdige Uschi Nerke "Chicken Shack" ankündigte.
Was antworte ich nun dem Kind. Erzähle ich ihm, dass mir die armen Rentner leid tun, die ihre spärliche Rente mit  Auftritten vor betrunkenem Publikum aufbessern müssen oder sage ich die Wahrheit. Das Konzert hat mich so berührt, dass ich mir Freudentränen nicht verkneifen konnte. Ich habe ihm natürlch die Wahrheit gesagt     


Chicken Shack - I'd Rather Go Blind (Live 2004) 


Stan Webb - "CHICKENSHACK" - live - Ziegelhüsi BluesClub 2012 


Stan Webb's Chicken Shack - The thrill has gone 
 



Man, ist das gut. Chicken Schack hatte ich schon fast vergessen. Irgendwie bin ich wieder drauf gekommen.



 

Hier könnt ihr vieles zu Chicken Shack lesen:



Chicken Shack entstand aus der Band von Stan Webb: Sounds Of Blue. Sounds Of Blue wurde 1964 gegründet. Zu den damaligen Mitgliedern gehörten Christine Perfect, Andy Silvester und Chris Wood (Traffic). Christine Perfect (später Christine McVie) durfte übrigens den Bass zupfen, das verrät sie in ihrer Bio auf der Fleetwood Mac Site.
1965 änderte Stan Webb den Namen der Band nach dem Willie Dixon Song „Chicken Shack“ um. Eine andere Version meint der Name kommt vom „Chicken Coup“ aus der Heimat der Band in Kidderminster. Keine Ahnung welche von beiden Versionen die richtige ist. Chicken Shack sammelte Erfahrung bei Auftritten in kleineren Clubs und hatte ein festes Engagement im Star Club. Damals bestand Chicken Shack aus: Stan Webb, Andy Sylvester, Alan Morley und Al Sykes der schon bald von Dave Bidwell abgelöst wurde.
1967 kam die Band zurück nach England. Mike Vernon hörte sie sich bei ihren Gigs an und verpflichtete sie für sein Label „Blue Horizon“. Als Christine Perfect ihre Ausbildung als Kunstlehrerin beendet hatte und begann als Schaufensterdekorateurin zu arbeiteten, heuerte sie Stan Webb an. Diesmal durfte sie die Tasten bedienen.
1968 kam der Durchbruch für Chicken Shack und zwar beim Windsor Jazz & Blues Festival. Sie traten hier gemeinsam mit Fleetwood Mac, Ten Years After, John Mayall und Jeff Beck auf. Ihre erste LP „Forty Blue Fingers Freshly Packed And Ready To Served“ war ein Bluesalbum, das es bis auf Platz 12 der britischen Charts kletterte.
Der Nachfolger „O.K.Ken?“ war nicht ganz so erfolgreich, aber die Single „I’d Rather Go Blind“, eine Etta James Cover, schaffte es in die Top 20.
Die Sängerin Christine Perfect war ein Fan von Fleetwood Mac. Es kam häufig vor, dass Chicken Shack und Fleetwood Mac in den gleichen Clubs spielten. Schließlich entschloss sich die Dame zu Fleetwood Mac zu wechseln und John McVie zu heiraten.

Chicken Shack - Fleetwood Mac
Ein würdiger Nachfolger wurde in Paul Raymond gefunden. Der Stil von Chicken Shack wurde rockiger, zu hören ist dies auf den Alben „100 Ton Chicken“ und „Accept“.
1970 kam das vorläufige Ende von Chicken Shack. Paul Raymond, Dave Bidwell und Andy Sylvester ließen Stan Webb in seinem Hühnerstall alleine und schlossen sich Kim Simmonds und Savoy Brown an. Andy Sylvester arbeitete damals bereits mit Chris Youlden und Danny Kirwan, während Paul Raymond sich später UFO und der Michael Schenker Group anschloss.
Stan Webb machte eine Weile Pause, formierte Chicken Shack aber im Frühjahr 1971 neu. Mitspieler diesmal waren John Glascock und Paul Hancox. Als Power Trio hatten sie mit „Poor Boy“, einer Auskoppleung aus dem Album „Imagination Lady“ einen kleineren Hit.
Als Glascock Chicken Shack verließ, trat Bob Daisley seine Nachfolge an. Auf dem Album „Unlucky Lady“ halfen keine geringeren als Tony Ashton und Chris Mercer (Juicy Lucy, Keef Hartley) aus.
Bald darauf löste sich Chicken Shack erneut auf. Das Name des Live Albums „Good By Chicken Shack“ spricht für sich. Bei der Aufnahme am 26.10.73 in der Brunel University bestand Chicken Shack aus:
Stan Webb, Alan Powell, Rob Hull und Dave Wilkinson.
Stan Webb arbeitete bei verschiedenen Projekten mit, wie zum Beispiel bei Savoy Brown, Miller Anderson, Broken Glass und auch Canned Heat.

Chicken Shack - Miller Anderson
1977 wurde der „Chicken Shack“ von Stan Webb erneut geöffnet: Robbie Blunt, Dave Winthrop, Ed Spevock und Paul Martinez waren der neue Hühnerstall. Das Album „The Creeper“ war Blues-Rock vom Feinsten. Leider fehlte das Interesse des Publikums.
Jetzt folgten ständige Wechsel. Steve York, Jonathan Perkins, Ric Lee, Tony Ashton, Paul Butler, Alan Scott, Andy Pyle, Miller Anderson, Roger Saunders, John Gunzell, Jan Campbell, David Wilkey wurden irgendwann in dieser Zeit von Stan Webb verpflichtet.
1986, nach langer Ruhepause, wurde wieder ein Album aufgenommen. Produzent war Pete Haycock von der Climax Blues Band. Auf der Platte zu hören sind: Gunzell, Campbell, Wilkey und Webb. „39 Bars“ lautete der Titel des Albums. Die Wechsel setzten sich auf den nächsten Alben "Changes" und "Plugging Good" fort. Was konstant blieb, das war immer guter und ehrlicher Blues mit einem gewaltigen Schuss Rock und manchmal einer kleinen Prise Popmusik.
1989 folgte „Simply Live“. Diesmal mit Dave Wintour, Gary Davies, David Wilkinson und Keith Smith
Falls Chicken Shack und Stan Webb in Deiner Stadt sind, gehe hin!        


Rockzirkus.de meint:http://www.rockzirkus.de/lexikon/bilder/w/webb_stan/webb_stan.htm




Stan Webb und Christine Perfect

Stan Webb gehörte zu den musikalisch umstrittensten Gitarristen in der Rockgeschichte. Es wird ihm von Kritikern und Konkurrenten nachgesagt, dass er nicht in der Lage gewesen sei, eigene Ideen bei seinem Spiel zu entwickeln. Note für Note wäre von seinen Vorbildern übernommen. Während der Auftritte reihe er unzusammenhängend ein nachgespieltes Solo an das andere. Wer ihn heute hört, der kann das nicht glauben. Tatsache ist, Stan Webb spielt eine gute Bluesgitarre.
1962 gründete Stan Webb seine erste Band, die Blue Four und bald darauf die Shades Five. Zwei Jahre später entstanden hieraus die Sounds Of Blue.
Der Willie Dixon Song "Chicken Shack" schien ihm zu gefallen und so gründete er 1965 seine Chicken Shack. Mit von der Partie waren Al Sykes, Alan Morley und Andy Sylvester. Später wechselte die Besetzung und es kamen Christine Perfect und Dave Bidwell.
In der Ur-Besetzung sammelte Chicken Shack einige Jahre lang Bühnenerfahrung im Hamburger Star Club. Entdeckt von dem legendären Produzenten Mike Vernon, wurde Chicken Shack neben John Mayalls Bluesbreaker, Ten Years After, Savoy Brown und Fleetwood Mac zu einer festen Größe im britischen Blues.

Stan Webb, Miller Anderson und Kim Simmonds

Die treibende Kraft neben Stan Webb war die Sängerin und Keyboarderin Christine Perfect. Christine Perfect verließ nach zwei Alben Chicken Shack, um bei Fleetwood Mac einzusteigen. Für sie übernahm Paul Raymond die Tasten.
Chicken Shack war relativ erfolgreich, als Andy Sylvester, Dave Bidwell und Paul Raymond Stan Webb alleine ließen und sich Kim Simmonds und dessen Savoy Brown anschlossen. Stan Webb tauchte vorübergehend unter und komponierte unter dem Pseudonym "Doc" einige Soundtracks.
1971 wurde Chicken Shack wieder belebt, nahm bei ständig wechselnden Besetzungen 1973 mit dem Live Album "Good Bye Chicken Shack" eine letzte Schallplatte auf.
Stan Webb tat sich mit Miller Anderson und Kim Simmonds zusammen um Savoy Brown zu reformieren. Die drei Gitarristen gaben sich, und ihrem Album, den Namen "Boogie Brothers". Nach einer ausgedehnten Tour endete das Zusammenspiel der drei im Sommer 1974.
Stan Webb gründete die kurzlebige Stan Webb Band. Mit dabei waren Eric Dillon, ein Begleiter von Jess Roden bei Bronco und Robbie Blunt. 1976 taten sich Stan Webb, Robbie Blunt, Miller Anderson, Tony Ashton, Bob Rawlinson und Mac Poole (Warhorse) zu Broken Glass zusammen. Wieder nach einer Tour und einem Album war Broken Glass nur noch ein kleines Kapitel in der Rockgeschichte.
Stan Webb trat nach Broken Glass zu einem kurzen Gastspiel bei Canned Heat an.
1977 wurde es Zeit Chicken Shack wieder aufleben zu lassen. Robbie Blunt, Dave Winthrop (Supertramp), Ed Spevock (Graham Bond, Pete Brown) und Paul Martinez (PAL und Hackensack) gehörten bei den Aufnahmen zu "The Creepers" zu den neuen Chicken Shack.

Stan Webb und Chicken Shack

Die Besetzung von Chicken Shack wechselte von jetzt an ständig. Es gehörten zeitweise Rockgrößen wie Tony Aston, Steve York (Vinegar Joe, Manfred Mann), Ric Lee (Ten Years After) Andy Pyle (Blodwyn Pig), Roger Saunders (Freedom) und Miller Anderson dazu.
Stan Webb und seine Chicken Shack bekamen lange Zeit keinen Plattenvertrag, Bluesrock war bei dem jüngeren Publikum aus Sicht der Plattenindustrie nicht mehr gefragt.
1986 kam dennoch ein Album zustande. Produziert von Pete Haycock (Climax Chicago Blues Band) wurde 39 Bars aufgenommen.
Die Grenzen zwischen der Geschichte von Stan Webb und Chicken Shack verschwanden immer mehr. Die Alben wurden teilweise unter dem Namen "Stan Webb" und teilweise unter "Chicken Shack" veröffentlicht.
Stan Webb experimentierte immer mehr mit Blues und Rock. Seine Interpretationen von altem Material hörte sich einmal rockiger an, dann wieder bekam alles einen kommerziellen Einschlag. Die wechselnden Richtungen verunsicherten seine Anhänger aus dem Blues und es kam daher nicht mehr zum großen Erfolg.
Heute tourt Stan Webb durch die europäische Lande und spielt seinen Blues. Hat er in Deiner Nähe einen Gig, geh hin, es lohnt sich!                                    




INTERVIEW STAN WEBB 2004 




Stan Webb's Chicken Shack - Stan The Man (Live), Full Mixed Album, By Kostas A~171 



Donnerstag, 4. Juli 2013

Sue Foley

Sue Foley

 

Frauen glänzten beim Blues  ´nur` durch ihre Stimme. die Zeiten sind auch längst vorbei. Vor allem an der Gitarre gibt es inzwischen einige Bluesgittaristinnen - boah was für ein Wort.

Sue Foley hat es mir angetan. Hier ein erstes Songbeispiel, die "Säge" auf der Klampfe ist einfach geil


Geil, oder?

Hier könnt ihr alles über Sue erfahren:  Hompage von Sue

Das sagt Wikipedia, leider recht wenig.
Sue Foley (* 29. März 1968 in Ottawa, Ontario, Kanada) ist eine kanadische Bluessängerin, Gitarristin und Songschreiberin.
Foley hatte mit 16 Jahren in der Blues-Szene von Ottawa ihre erste Auftritte in Clubs. Sie erhielt ihren ersten Plattenvertrag bei Antone's Records und zog in die USA nach Austin, Texas. 1992 veröffentlichte sie dort ihre erste Platte. 1997 kehrte sie nach Kanada zurück und wechselte zu Shanachie Records. Seit 2001 arbeitet sie an dem Projekt Guitar Woman, einer Geschichte und Biographie von Gitarristinnen verschiedener Musikrichtungen.

Mein Amazontip ist diesesmal ein Video:

Sue Foley - Live In Europe

Sue Foley    Freigegeben ohne Altersbeschränkung   DVD



Roxikon schreibt das Folgende:

 Sue Foley

Foley, Sue, kanadische Bluesmusikerin (Gesang, Gitarre, Text, Komposition), * Ottawa (Kanada) 29.3. 1968.
Biografie
Sue Foley kam schon als Kind enger mit Musik in Berührung: Ihr Vater hatte eine Vorliebe für englische Folkmusik und ihre Brüder spielten in verschiedenen lokalen Hardrock- und Heavy-Metal Bands. Sie selbst begann sich für den Blues zu interessieren, als sie auf den Covers der Schallplatten von den Rolling Stones die Namen von Willie Dixon, McKinley Morganfield und Chuck Berry entdeckte. Ihre erste Gitarre bekam sie im Alter von 13 Jahren geschenkt und erarbeitete sich autodidaktisch das Spiel des Instrumentes. Wenig später begann sie eigene Songs zu schreiben.
Im Alter von 16 Jahren gründete Sue Foley ihre erste Band, mit der sie in den Clubs ihrer Heimatstadt auftrat. 1986 verließ sie Ottawa und gründete in Vancouver erneut eine Band. Aufgrund ihrer eigenen Kompositionen, ihres auffälligen Stimmklangs und ihrer Art Gitarre zu spielen wurde sie schnell bekannt, so dass der Harmonika-Spieler Mark Hummel sie mitsamt Band als Backing Band für eine ausgedehnte Tour durch Kanada und die USA engagierte.
Auf diese Weise lernte Sue Foley Clifford Antone kennen, der in Austin (Texas) einen Blues-Club und ein Schallplattenlabel für Blues betrieb. Antone bot der Blues-Musikerin einen Plattenvertrag an, der auch die Möglichkeit beinhaltete, regelmäßig in dem Club aufzutreten. Der Club war eine gute Adresse, hatten hier doch schon Stevie Ray Vauhgan, Lou Ann Barton und The Fabulous Thunderbirds auf der Bühne gestanden. Foley nahm das Angebot an und wechselte nach Austin. Fortan trat sie regelmäßig in Antones Club auf, so auch im Vorprogramm von Größen wie etwa B.B. King, Buddy Guy und John Lee Hooker.
Ab 1991 veröffentlichte Foley CDs auf Antones Label und konnte schnell ein über die Region hinaus reichendes Renomme begründen; 1997 ging sie nach Kanada zurück und arbeitet seitdem mit dem Label Shanachie Records zusammen. Etwa seit der Jahrtausendwende erreichte Sue Foley auch in Europa einen gewissen Grad an Bekanntheit, so dass das deutsche Label Ruf Records sie unter Vertrag nahm.
Sue Foleys Interesse am Blues geht aber über ihre eigene Musik hinaus: Sie schreibt für andere Blues-Musikerinnen und arbeitet an einem Buch über Bluesgitarristinnen. Auch gründete sie das Guitarwoman Project, ein Netzwerk von und für Blues-Musikerinnen.
Neben Bonnie Raitt, Susan Tedeschi, Ana Popovic, Carolyn Wonderland, Erja Lyytinen und einigen anderen gehört Sue Foley in die Reihe von Blues-Musikerinnen, die etwa seit Mitte der 1990er-Jahre erhebliche Bedeutung im Blues und Bluesrock gewannen und das Bild dieser Musik inzwischen nachhaltig prägen. Sue Foley selbst ist eine hervorragende Sängerin und eine virtuose Piedmont-Style-Gitarristin.



Auszeichnungen
2001 Juno Waward
1999 Maple Blues Award
2000 Maple Blues Award in fünf Kategorien
2001 Maple Blues Award in drei Kategorien
2002 Maple Blues Award in fünf Kategorien
2004 Maple Blues Award in drei Kategorien
2006 Maple Blues Award



Diskografie
Young girl blues (1991)
Without warning (1993)
Big city blues (1995)
Walk in the sun (1996)
Ten days in November (1998)
Back to the Blues (2000)
Love comin’ down (2000)
Where the action is (2002)
Change (2004)
New used car (2006)
Time bomb (2007)



Viel Spass wünsche ich Euch.